Hannover, Bonn. Die Ostermärsche von Friedensaktivisten stehen in diesem Jahr unter dem Eindruck der Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten. Zahlreiche Organisationen fordern von der Bundesregierung diplomatische Initiativen zur Beendigung dieser Kriege, eine Stärkung des Völkerrechts und mehr Einsatz für die Leidtragenden der Kriege. Bundesweit sind nach Angaben des Netzwerks Friedenskooperative in Bonn am Osterwochenende in rund 100 Städten Demonstrationen, Kundgebungen und Mahnwachen angekündigt. In Niedersachsen gibt es in fast einem Dutzend Orten Aktionen.
Scharfe Kritik üben Aktivisten in den Ostermarsch-Aufrufen an einer „selektiven Auslegung des Völkerrechts“ durch die Bundesregierung. Der Krieg Russlands gegen die Ukraine sei ebenso ein Verstoß gegen das Völkerrecht wie die Angriffe der USA und Israels gegen Iran oder der Angriff der USA auf Venezuela zu Jahresbeginn.
Kritik an Aufrüstung und Wehrpflicht
Auch die Aufrüstung Deutschlands wird von den Ostermarschierern angeprangert. Das gefährliche Wettrüsten berge ein großes Eskalationspotenzial und verschlinge immense Ressourcen, die dringend für Bereiche wie Klimaschutz, Bildung, Soziales und das Gesundheitswesen benötigt würden. Angesichts der hohen Gefahr eines Atomkrieges und der Pläne zur Errichtung eines europäischen Nuklearschirms bekräftigt die Friedensbewegung bei den Ostermärschen zugleich ihre Forderung nach nuklearer Abrüstung.
Ein weiteres zentrales Thema bei den diesjährigen Ostermärschen ist den Angaben zufolge die Ablehnung der Wehrpflicht. Junge Menschen dürften nicht zum Dienst an der Waffe gezwungen werden, heißt es.
Ostermärsche auch in kleineren Orten
In Niedersachsen und Bremen finden die meisten Ostermärsche am Ostersamstag (4. April) statt. In Hannover steht die Demonstration unter dem Motto „Für eine Zukunft in Frieden“. In Bremen wollen die Ostermarschierer unter der Parole „Friedenstüchtig statt Kriegswillig“ auf die Straße gehen. Außer in größeren Städten sind auch in kleineren Orten wie Emden, Goslar und Norderney Aktionen geplant. In Unterlüß bei Celle wollen sich die Demonstranten am 6. April versammeln und anschließend zum Werkstor des dort ansässigen Rüstungskonzerns Rheinmetall ziehen.
In der Bundesrepublik führte der erste Ostermarsch 1960 mit rund 1.500 Teilnehmern zum Truppenübungsplatz Bergen-Hohne in der Lüneburger Heide. Dort hatte die Nato Raketen stationiert, die auch Atomsprengköpfe aufnehmen konnten. Beflügelt auch von den Protesten der Studierenden hatten die Ostermarschierer in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre enormen Zulauf. 1967 beteiligten sich 150.000 Demonstranten an Oster-Aktionen in mehr als 200 Städten, ein Jahr später waren es doppelt so viele.
Schwankende Beteiligung an den Ostermärschen
Eine Renaissance erfuhren die Ostermärsche um 1980 mit der Debatte über die Aufrüstung der Nato mit atomaren Mittelstreckenwaffen. Zehntausende versammelten sich damals an den geplanten Standorten für Cruise Missiles und Pershing-II-Raketen. Die Kriege in Jugoslawien und im Irak mobilisierten in den 1990er und 2000er Jahren noch einmal zahlreiche Menschen. Danach pendelte sich die Zahl der Ostermarschierer bei einigen Tausend ein.