Die olympischen Winterspiele in Italien sind beendet. Die Paralympics stehen noch bevor. Seit 1972 entsenden die katholische und evangelische Kirche Seelsorger zu den Olympischen und Paralympischen Spielen. Christian Bode ist zum neunten Mal dabei.
Osnabrück, Mailand. Der evangelische Paralympics-Pastor Christian Bode erhofft sich von den Winter-Paralympics vom 6. bis 15. März in Mailand und Cortina ein positives Signal in die Gesellschaft. Menschen mit körperlichen Handicaps, die sich noch nicht trauten, Sport zu treiben, könnten durch die Weltspiele für Menschen mit Behinderung Mut schöpfen und neue Perspektiven für sich entdecken, sagte Bode in einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Zudem sollten sich mehr Sportvereine als bisher für Menschen mit Behinderung öffnen. „Ich wünsche mir, dass mehr Vereine den Mut haben, das scheinbar Unmögliche wenigstens einmal auszuprobieren.“
Als Beispiel nannte Bode, der bereits zum neunten Mal die Paralympics im Sommer wie im Winter begleitet, einen Zehn-Kilometer-Volkslauf in Osnabrück mit steilen Abschnitten und Treppenstufen. Im vergangenen Jahr hätten daran erstmals auch Sportler mit Einschränkungen in Form einer Staffel teilgenommen. Insgesamt erlebe er, dass die Gesellschaft zunehmend offener für das Thema Inklusion werde. Das habe auch mit der medialen Berichterstattung über den zunehmend professioneller werdenden Para-Leistungssport zu tun.
Teilnahmerekord im Gottesdienst bei Spielen in Paris
Den evangelischen Theologen fasziniert vor allem der alpine Skisport von Menschen mit Sehbehinderung. „Wenn die hinter ihrem Guide eine schwarze Piste runterfahren, stockt mir der Atem. Da bekommt der Begriff blindes Vertrauen eine besondere Bedeutung“, sagte Bode, der hauptberuflich die Evangelische Erwachsenenbildung in Osnabrück leitet.
Die Begleitung der Spiele durch ihn und seine katholische Kollegin Elisabeth Keilmann hält Bode trotz des Bedeutungsverlusts der Kirchen für sinnvoll. Seelsorge sei als Teil des sogenannten Well-being-Teams gefragt. Zu diesem gehörten auch Psychologen und Therapeutinnen. In Gesprächen gehe es etwa um den Umgang mit Sieg und Niederlage oder persönliche Schicksalsschläge. „Und bei den Sommerspielen in Paris haben wir beim Gottesdienst im Deutschen Haus einen neuen Teilnahmerekord aufgestellt.“
Geistliche Impulse in der Team-App
Die größte Herausforderung stellten dieses Mal die drei weit auseinander liegenden Standorte dar, sagte der Pastor. Dennoch plane er, in allen drei paralympischen Dörfern in Mailand, Cortina und Predazzo präsent zu sein. Er werde Wettbewerbe im Alpinski, im Biathlon und im Eishockey besuchen. In die Team-App sende er täglich geistliche Impulse und sei für Sportlerinnen und Begleiter rund um die Uhr erreichbar.
Aus seiner langjährigen Erfahrung kennt Bode bereits viele Sportlerinnen und Sportler. Eine besondere Geschichte verbindet ihn mit der alpinen Skifahrerin Andrea Rothfuß. Ihr und allen anderen Athleten hatte der Pastor vor den Wettkämpfen bei den Spielen in Pyeongchang 2018 einen silbernen Schutzengel überreicht. Sie fuhr fünf Silbermedaillen ein und mahnte nachher für die nächsten Spiele augenzwinkernd einen goldenen Schutzengel an. „Den habe ich jetzt natürlich im Gepäck.“