„Es ist wichtig, bei Finanzen transparent zu sein“

Serie: Was macht eigentlich eine Landessynode? / Interview mit Marie-Luise Brümmer

Marie-Luise Brümmer hat als Bankdirektorin und Finanzexpertin im Ehrenamt in der Landessynode den Finanzausschuss geleitet. Trotz vieler Herausforderungen sieht die 71-Jährige die Kirche gut vorbereitet für die Zukunft – und will nun Familie und Pferdezucht in den Blick nehmen.

Frau Brümmer, Sie waren viele Jahre Mitglied der Landessynode und haben vor allem den Finanzausschuss geprägt. Wie viele Haushalte haben Sie mit verantwortet?

Marie-Luise Brümmer: Insgesamt habe ich sechs Haushalte verantwortet, davon drei als Vorsitzende des Finanzausschusses. In all diesen Jahren haben wir es immer geschafft, ausgeglichene Haushalte zu verabschieden. Ich war zwei Legislaturperioden als gewählte Synodale dabei, war davor schon einmal für zwei Jahre berufen. Insgesamt sind es dann also 14 Jahre synodaler ehrenamtlicher Arbeit. Ich habe mich damals für den Finanzausschuss entschieden, weil ich meinte, da meine Erfahrungen am stärksten einbringen zu können.

Wie sehr hat es Ihnen und der Kirche geholfen, dass Sie als ehemalige Bankdirektorin und erfahrene Finanzfrau in jeder Hinsicht vom Fach sind?

Brümmer: Die Frage ist ganz schwer zu beantworten. In der Kirche gibt es natürlich immer das Spannungsfeld zwischen theologischem Ansatz und den finanziellen Ressourcen. Das gilt es auszutarieren. Klar ist: Es ist keineswegs damit getan, immer nur zu sparen. Aber die Kirchen befinden sich in einem Transformationsprozess, die Zahl der Mitglieder sinkt. Die Folgen werden wohl früher eintreten als zunächst erwartet – und dann müssen die finanziellen Dinge zuallererst stimmen. Deshalb ist es zwar hart, dass etwa alle Abteilungen im Landeskirchenamt, alle kirchlichen Einrichtungen und alle Kirchengemeinden aufgefordert sind, zu sparen, damit das hinkommt. Aber es ist notwendig. Ich hatte immer den Eindruck, dass es mir und den Synodalen gelungen ist, diese Abwägungen zu vermitteln.

Kirche und Geld – da fällt den meisten wohl entweder der Klingelbeutel oder die Kirchensteuer ein. Wie unvollständig ist dieses Bild für Sie als Fachfrau?

Brümmer: Beides gehört zur Einnahmeseite. Und ich denke, die sollte auch vermittelt werden. In der Bevölkerung heißt es oft: Die Kirche hat ja Geld, besitzt Land und so weiter. Da scheint es mir wichtig, transparent zu sein. Gleichzeitig ist eben auch die Ausgabenseite wichtig. Was macht Kirche mit ihren Ressourcen, welche Aufgaben übernimmt sie damit? Ich nenne einige Beispiele: Friedens- und Kulturarbeit, Kirchenmusik, Digitalisierung, neue Formen der Gemeindebüroarbeit. Das alles muss auch sichtbar sein. An dieser Transparenz haben wir immer mit viel Engagement gearbeitet und das muss auch in der nächsten Periode weitergehen.

Ohne Geld ist auch der schönste Plan nicht umsetzbar. Hatten Sie das Gefühl, im Finanzausschuss immer auch für das große Ganze die Voraussetzungen zu schaffen?

Brümmer: Für mich ist das im Laufe der Jahre immer deutlicher geworden. Der Finanzausschuss bekommt seine Aufträge bekanntlich aus der Synode. Ein konkretes Beispiel: Vor einigen Jahren gab es den Antrag, dass jeder Kirchenkreis eine Person für das Fundraising einstellen soll. Der Finanzausschuss sollte hierfür ein wirtschaftliches Konzept vorlegen. Ich fand die Idee gut und sie wurde sehr überzeugend präsentiert. Die Synode hat das Konzept dann beschlossen und konnte allen, die das möchten, die Personalkosten bis zu drei Jahre zu bezuschussen. Das ist nun ein ganz erfolgreiches Projekt und viele machen davon regen Gebrauch. So haben wir als Finanzausschuss Kreativität vor Ort ermöglicht.

Die kirchlichen Einkünfte fallen in den kommenden Jahren deutlich geringer aus. Gehen Sie mit unruhigen Gefühlen aus Ihrer Verantwortung?

Brümmer: Ich gehe mit ganz ruhigem Gewissen, weil ich weiß, dass der eingeschlagene Transformationsprozess zu guten Ergebnissen führen wird. Die Organisation der Finanzabteilung ist gut, die Verbindung von theologischen Aufgaben und Organisation, etwa bei der Finanzierung des Zukunftsprozesses, ist für mich ein wichtiger Baustein. Natürlich gibt es viel zu tun. Schwierig wird es immer bleiben, auf die jeweiligen Anforderungen einzugehen: Umwelt- und Klimaschutz etwa ist durchaus kostspielig. Für den Ausbau der Fachstelle für sexualisierte Gewalt haben wir selbstverständlich ausreichend Geld zur Verfügung gestellt. Finanzielle Zukunft heißt bei Kirche auch, die Versorgungsleistungen für die pensionierten Beamtinnen und Beamten zu sichern. Es gibt zwischenzeitlich mehr Leistungsempfänger als Einzahlende - da muss die Frage erlaubt sein, wie dennoch die Pension finanziert werden kann. Das Nachdenken darüber sollte in jeder Form offen und ohne Vorbehalte sein.

Gehen Sie gern?

Brümmer: Ich verlasse dieses Amt mit großer Freude und ich freue mich, wenn andere es übernehmen. Abschied nehmen ist auch eine wichtige Lektion. Ich bin sehr gern ehrenamtlich tätig gewesen, habe viel investiert, aber auch viel mitgenommen. Mir haben die Zusammenarbeit und die Harmonie immer sehr gefallen. Mein Dank gilt den Mitgliedern des Finanzausschusses für 50 Sitzungen in konstruktiv-kritischer und immer vorwärtsgerichteter Diskussion. Und dem Landeskirchenamt und seiner Finanzabteilung für die gute Vorbereitung und Begleitung unserer Arbeit. Auch trockenes Zahlenwerk kann viel Freude machen. Ich musste allerdings einiges zurückstellen und bin als alleinerziehende Oma im Alltag ohnehin viel gefordert. Jetzt kann ich mich außerdem wieder mehr um die Zucht hannoverscher Dressurpferde kümmern. Früher war ich auch aktive Reiterin im Turnierbetrieb. Aber die Zucht und Aufzucht dieser wunderbaren Tiere bekommt nun meine Aufmerksamkeit.

Alexander Nortrup / EMA