Gedenkstätte Tidofeld: Kirche will Finanzierungslücke schließen

Die Gnadenkirche Tidofeld.
Bild: Gnadenkirche Tidofeld

Seit 2013 erinnert die Dokumentationsstätte Tidofeld in Ostfriesland an das Schicksal geflüchteter Menschen. Ein Erweiterungsbau soll künftig auch an „Boatpeople“ aus Vietnam erinnern. Die evangelische Kirche will nun die Finanzierung absichern.

Hannover, Norden. Mit einem Zuschuss von 50.000 Euro will die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers die Weiterentwicklung der Dokumentationsstätte Gnadenkirche Tidofeld im ostfriesischen Norden sichern. Ansonsten drohe die Gesamtfinanzierung zu scheitern, sagte der Vorsitzende des zentralen Landessynodalausschusses, Ruben Grüssing, am Freitag bei der konstituierenden Sitzung der 27. Landessynode in Hannover. Es handele sich um eine „Lückenfinanzierung“ für den Fall, dass keine weiteren Fördermittel dafür eingeworben werden können. Für die Weiterentwicklung des Gedenkortes seien von anderen Trägern bereits Fördermittel in Millionenhöhe zugesagt.

Die Dokumentationsstätte will mit einem Erweiterungsbau an das Schicksal der mehr als 3.100 vietnamesischen „Boatpeople“ erinnern, die ab 1978 in Ostfriesland Schutz fanden und über das Sozialwerk Nazareth in Norden-Norddeich nach Niedersachsen kamen. Sie waren damals über das offene Meer vor dem Krieg in ihrer Heimat geflohen. Das Projekt kostet insgesamt rund drei Millionen Euro. Die Hälfte davon soll vom Bund kommen, die andere Hälfte über weitere Geldgeber, Spenden und Stiftungen. Der Finanzierungsplan müsse jetzt so abgesichert werden, dass die Arbeiten beginnen könnten, hieß es.

Friedenspädagogischer Erinnerungsort

Die Landeskirche müsse an dieser Stelle in die Bresche springen, sagte Grüssing: „Wenn ein Projekt kirchlich wie gesellschaftlich hohe Relevanz besitzt, dann darf es nicht an einer vergleichsweise überschaubaren Lücke scheitern.“ Es handele sich um einen zentralen friedenspädagogischen Erinnerungsort der Landeskirche und um einen Ort, an dem die deutsche Migrationsgeschichte aufgearbeitet werde. Generell warb Grüssing dafür, in hervorstechende Bauprojekte zu investieren, auch wenn die Landeskirche aufs Ganze gesehen ihren Bestand an Gebäuden reduzieren müsse.

Seit 2013 wird die entwidmete Gnadenkirche im Norder Stadtteil Tidofeld als Dokumentationsstätte genutzt. Dort entstand nach dem Zweiten Weltkrieg eines der größten Flüchtlings- und Vertriebenenlager in Niedersachsen. Zum Trägerverein des Gedenkortes gehören auch zahlreiche kirchliche Akteure.

epd Niedersachsen-Bremen