Landesbischof: Institutionen müssen Demokratie verteidigen

Ankündigung vor der Synode: Ralf Meister will sein Amt bis 2028 ausüben
Viele Personen halten Banner mit der Aufschrift Nächstenliebe, Menschenwürde, Zusammmenhalt
Bild: Jens Schulze

Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister hat dazu aufgerufen, demokratische Werte gegen Bedrohungen zu verteidigen. Die Kirchen könnten viel dazu beitragen. Vor der Synode sprach Meister auch erstmals über einen Termin für seinen Ruhestand.

Hannover. Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister hat zum Einsatz gegen rechtsextreme, rassistische und ausländerfeindliche Ideologien aufgerufen. Die Kirche habe dabei die Verantwortung und die Mittel, aktiv zu werden, sagte Meister am Freitag bei der Tagung der evangelischen Landessynode in Hannover. „Dass diese Haltung nicht abstrakt ist, zeigen die Kirchen jeden Tag.“

Meister verwies darauf, dass der niedersächsische Verfassungsschutz die AfD im Bundesland wegen rechtsextremistischer Bestrebungen zum „Beobachtungsobjekt von erheblicher Bedeutung“ heraufgestuft hat. „Ich würde mich freuen, wenn es auch in der Landessynode eine intensive Auseinandersetzung gibt, wie wir auf antidemokratische Kräfte in unserer Gesellschaft als Kirche reagieren, inklusive einer Debatte, ob rechtsextreme Parteien verboten werden sollten“, sagte er bei der konstituierenden Sitzung der 27. Landessynode.

Institutionen bilden Wertebasis

Der Landesbischof betonte die Bedeutung von Institutionen wie der Kirche für den demokratischen Zusammenhalt. Heute träten viele den Institutionen, wie auch der Europäischen Union oder den politischen Parteien, mit Misstrauen entgegen. „Dabei wird verkannt, dass diese Regelsysteme eine Wertebasis bilden und eine wichtige Funktion erfüllen.“

Zugleich gebe es viele Bedrohungen, erläuterte Meister. Dazu zähle die Aushöhlung von Institutionen durch rechtsnationalistische Regierungen. So würden etwa Kompetenzen von Verfassungsgerichten eingeschränkt, Medien gleichgeschaltet oder Nichtregierungsorganisationen diffamiert. Aus seiner Sicht sei die Kirche auch als Institution „eine notwendige Provokation gegenüber antidemokratischen Haltungen“. Sie trete „vehement und eindeutig“ für freiheitliche, solidarische und rechtsstaatliche Verhältnisse ein.

Übersteigerter Ich-Kult als Gefahr

Eine weitere Gefahr für die Bindungskräfte sieht Meister durch einen übersteigerten Ich-Kult. „Es kommt dem eigenen Selbstbild zugute, sich nicht nur für sich selbst, sondern für Nachhaltigkeit, eine gerechtere Welt oder auch für Gott, seine Botschaft des Friedens und der Gerechtigkeit einzusetzen“, sagte der Bischof. Institutionen könnten noch mehr bewirken, wenn sie sich im Einsatz für das Gemeinwohl zusammenschlössen. Als Beispiel nannte er das Bündnis „Niedersachsen packt an“, das sich für die Integration Geflüchteter engagiert und am Donnerstag zehnjähriges Bestehen feierte.

Auch der aktuell oft sorglose Umgang mit Künstlicher Intelligenz berge Gefahren für die Institutionen, sagte Meister. KI könne das Potenzial haben, grundlegend die Wirklichkeit zu verschieben und „Verantwortungslogiken zu verschleiern“.

Noch bis 2028 im Amt

Die Kirche halte er dagegen für eine „lebensdienliche Institution“, unterstrich der Landesbischof. „Sie ist immer umstritten, immer kritisierbar, immer veränderbar. In ihr werden Menschen schuldig, und als Institution kann sie versagen. Aber ich halte sie – auch in ihrer institutionalisierten Form – für wert, dass es sie gibt.“

In seinem Bericht vor der neuen Synode kündigte Meister auch einen Zeitpunkt an, wann er in den Ruhestand treten wolle. Bis zum Frühjahr 2028 wolle er sein Amt noch ausüben, sagte der 64-Jährige.

epd Niedersachsen-Bremen