Premiere in der Landeskirche Hannovers: Regionalbischöfin Sabine Schiermeyer (Sprengel Ostfriesland-Ems) hat in einem Gottesdienst in der Hildesheimer Michaeliskirche erstmals elf Diakoninnen und Diakone in das Amt der öffentlichen Wortverkündigung berufen. Vorausgegangen war deren Teilnahme an der neu konzipierten Langzeitweiterbildung „Werkstatt Theologie und Sprache“. Mit der Berufung können die Diakoninnen und Diakone – im Rahmen ihres jeweiligen dienstlichen Auftrags – öffentlich predigen und Abendmahlsfeiern leiten.
„Heute ist eine Premiere“, sagte Oberlandeskirchenrätin Dr. Nicola Wendebourg in ihrer Ansprache. Die Gruppe sei die erste in der Landeskirche, die diese Weiterbildung absolviert habe. Die Werkstatt stehe im Zusammenhang mit dem Diakoninnengesetz und diene letztlich auch dazu, den Beruf attraktiver zu machen. Bislang sei die Beauftragung zur Wortverkündigung für Diakoninnen und Diakone zwar möglich gewesen, aber über Umwege. Fortbildungen hätten „gewissermaßen den Charakter einer Krücke“ gehabt, so Wendebourg – weil man dafür einen Prädikantenkurs besuchen musste, der eigentlich für Ehrenamtliche konzipiert sei.
Zudem ist die Werkstatt mit der Fort- und Weiterbildung angehender Pastorinnen und Pastoren verknüpft. Die Landeskirche erhoffe sich davon einen engeren fachlichen Austausch zwischen Diakoninnen und Diakonen und Vikarinnen und Vikaren in den Verkündigungsberufen.
Das neue Konzept setze anders an, betonte die Oberlandeskirchenrätin in ihrer Ansprache. Es nehme ernst, „dass Sie bereits im Studium eine theologische Ausbildung absolviert haben“ – und solle zugleich eine engere Verbindung zu den anderen hauptamtlichen Verkündigungsberufen fördern. Wichtig sei aber ebenso eine klare Abgrenzung: Die Werkstatt solle ausdrücklich nicht dazu dienen, Diakoninnen und Diakone zu „Pastorinnen und Pastoren light“ zu machen, „die dann praktischerweise für wenig Geld auf die Kanzel steigen dürfen, wenn mal eine Pfarrstelle vakant ist“. Genau das wolle die Landeskirche nicht.
„Werkstatt Theologie und Sprache“
Darum heiße das Programm bewusst nicht Predigtwerkstatt, sondern „Werkstatt Theologie und Sprache“. Es solle helfen, sich sicher mit Bibel und Sprache zu bewegen – gerade in den beruflichen Feldern, in denen Diakoninnen und Diakone häufig arbeiten: in der Konfirmandenarbeit, in Zielgruppengottesdiensten, in Formaten mit Ehrenamtlichen und im Sozialraum, auch an Krisenorten. Wendebourg sprach von Worten, „die Angst mindern und Mut stärken“, von Worten „bei Wut und Scham“, von Worten „bei Hass und Hetze, gegen Spaltung“. In einer gesellschaftlichen Situation, in der Menschenwürde „immer häufiger unter die Räder kommt“, sei das wichtiger denn je.
Regionalbischöfin Sabine Schiermeyer stellte in ihrer Predigt das biblische Versprechen ins Zentrum, das über der Berufung stehe: „Mein Wort wird nicht leer zu mir zurückkommen, sagt Gott.“ Die Neu-Berufenen würden „ihren Mund weiter diesem Wort leihen“ – an ihren jeweiligen beruflichen Orten wie bisher, nun aber auch in neuen Rollen und Formaten. Zugleich erinnerte Schiermeyer an eine notwendige Unterscheidung: Man schärfe das Ohr „für die Unterscheidung von Menschenwort und Gotteswort“. Gottes Wort, sagte sie, hinterlasse „keine verbrannte Erde und keine versehrten Seelen“. Es „lockt, aber es verlockt nicht. Es führt, aber es verführt nicht“.
Hoffnung wecken
Schiermeyer sprach auch die Spannung an, in der Verkündigung heute stehe. „Für immer mehr Menschen ist das Wort, das wir auszurichten haben, nicht relevant. Das schmerzt“, sagte sie – und verwies darauf, dass sich dieser Schmerz auch in der Bibel finde: „Weltelend und Zukunftsverheißung liegen himmelweit auseinander.“ Glaube an das Gotteswort könne dennoch Hoffnung wecken: „Hoffnung, dass nichts so bleiben muss, wie es ist. Weil noch etwas aussteht.“ Und manchmal werde sie schon Wirklichkeit – „durch das Wort, das im Menschenwort erklingt und als Gotteswort bewegt“.
Den Gottesdienst gestaltete musikalisch der Referent für Kirchenmusik im Bischöflichen Generalvikariat, Dr. Stefan Mahr.
Zu den berufenen Diakoninnen und Diakonen gehören Maren Mittelberg (Sprengel Osnabrück), Lars Schöler, Thomas Brandes (beide Sprengel Hildesheim-Göttingen), Carolin Zimmermann, Björn Reinkemeier, Leonard Sonneborn (alle drei Sprengel Stade), Sascha von Poeppinghausen, Tanja Giesecke, Carina Hausmann, Louisa Stölting (alle drei Sprengel Hannover) und Antje Elvers (Sprengel Lüneburg).