„Der Teufel ein Greif“: Dieb schickt geklaute Orgelpfeife zurück

Ein mit dem Computer geschriebener Brief mit einer Orgelpfeife (Instagram-Post).

Lüneburg. Ein offenbar reuiger Dieb hat nach mehreren Jahrzehnten der Lüneburger St.-Johannis-Gemeinde eine kleine Orgelpfeife zurückgegeben. Die etwa 30 Zentimeter lange und rund 450 Jahre alte Pfeife war am Donnerstag in der Post des Gemeindebüros aufgetaucht, wie Pastor Diederik Noordveld auf epd-Anfrage berichtete. „Ich gebe Ihnen mit einem schlechten und mit einem guten Gewissen diese kleine Pfeife aus dem großen Orgelwerk der St. Johanniskirche zurück“, heißt es in dem beigelegten Schreiben, unterzeichnet mit „ein Lüneburger Bürger“.

Dem Schreiben zufolge handelte es sich bei dem Dieb wohl um einen damaligen Schüler. „Vor vielen Jahrzehnten durfte ich – im Rahmen eines Besuches mit unserer Klasse – unter anderem auch das wunderbare Orgelwerk besuchen“, heißt es in dem Brief, den Noordveld auch auf Instagram veröffentlicht hat: „Die Hände waren schnell, die Gedanken nicht reif, der Teufel ein Greif.“

Gebaut wurde die Orgel mit 3.856 Pfeifen in den Jahren 1551 bis 1553 in der niederländischen Werkstatt des Orgelbauers Hendrik Niehoff. Die Orgel wird als Bach-Böhm-Orgel bezeichnet, weil beide berühmten Komponisten auf ihr spielten. Von den Pfeifen sind Noordveld zufolge noch ein Großteil aus der Bachzeit erhalten. Die geklaute mit dem Umfang einer Makkaroni-Nudel zähle vermutlich dazu. Die Orgel soll ab 2025 für rund 2,2 Millionen Euro restauriert werden.

Der Pastor sagte, er freue sich über „die Glückssträhne, die wir in St. Johannis immer wieder haben“. Im Juli sei die Gemeinde bei einer Brandstiftung am Hauptaltar glimpflich davon gekommen. „Im Januar dieses Jahres lag nicht zum ersten Mal einen Umschlag mit 4.645 Euro bei uns im Briefkasten: ‚Danke Jesus‘ stand auf dem Umschlag“, zählte Noordveld auf. Im Juli 2021 sei das „himmlische Orchester“ zunächst an ihn übergeben worden, da der Deckel eines Taufbeckens fälschlicherweise für Diebesgut aus St. Johannis gehalten wurde. So habe die katholische Gemeinde, der das Kunstwerk 2014 gestohlen wurde, es wiederbekommen.

epd Niedersachsen-Bremen