Gestern Abend war ich im Theater. Auf dem Heimweg durch die Innenstadt fahre ich auf einmal durch eine Allee von Bäumen, deren Zweige bereits weihnachtlich illuminiert sind. Jetzt schon? Bis Weihnachten dauert es doch noch ein wenig. Dabei finde ich in den Supermärkten bereits Produkte für die Adventszeit. Schon längst.
Ich frage mich jedes Jahr, ob die Konzerne wirklich alles verkaufen können, obwohl die Weihnachtszeit noch lange hin ist. Aber sonst würden sie das auch nicht anbieten...
Es ist jedes Jahr wieder eine Streitfrage, wann denn die Weihnachtszeit anfängt. Wann darf die Beleuchtung mit Lichterketten etc. in der Stadt angeschaltet werden?
Gleichzeitig merkte ich, dass das etwas in mir auslöst, wenn mir so viel Weihnachtliches über den Weg läuft. Mit der Adventszeit sind ganz viele Empfindungen verknüpft. Viele Bräuche, Gewohnheiten… Advent ist doch ein Lichtblick in der dunklen Jahreszeit. Sicherlich auch durch die Sternchenlichterketten.
Im Advent warten wir Christen auf Weihnachten. Auf die Geburt von Jesus Christus. Darauf, dass er zur Welt kommt. Aber tut er das nur in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember? Ist Advent tatsächlich nur im Dezember?
Die Antwort lautet natürlich: ja und nein. Für das Nein finde ich einen Hinweis sofort, denn Jesus sagt: Siehe, ich bin bei Euch bis an der Welt Ende. Jesus kommt nicht nur zur Welt, er ist auch in der Welt. Er ist mitten unter uns, wenn wir uns in seinem Namen versammeln. Zu jeder Tag- und Nachtzeit. Bis an das Ende der Welt. Auch im Juni.
Gleichzeitig gilt das Ja: Unsere Kirche hat so viel von Gott und seinem Sohn zu sagen und zu erzählen, dass wir dafür Kirchenjahr um Kirchenjahr brauchen. Es wäre schade, eine Kirchenjahreszeit auszulassen, weil wir damit ja eine wichtige Facette Gottes verschweigen würden. Allerdings nett ist es allemal, wenn die Geschäfte in der Innenstadt das, was wir im Advent von Jesus Christus zu sagen haben, erst mit Sternchenlichterketten usw. illuminieren, wenn wir wieder so weit sind, davon zu sagen. Alle Jahre wieder.
Und trotzdem hängt alles, was es da zu sagen gibt auch mit dem zusammen, was es im Sommer zu sagen gibt. Es geht immer um den gleichen Gott, der zur Welt kommt. Alle Jahre wieder. Zu jeder Tag- und Nachtzeit. Das macht er auch. Jedes Jahr wieder. Ganz geduldig. Bisher hat er noch keinen Tag ausgelassen. Und er wird es auch nicht tun. Bis zum Ende der Welt.
Alles hat seine Zeit, aber Gott hat noch Ewigkeit zu bieten. Immer wieder.
Amen.
Prediger 3,1–8