Dreifach gesegnet

Andacht zum Sonntag Trinitatis
Eine Wiese voller Kleeblätter.
Bild: Anneliese Gruenwald-Maerkl

Die Autorin

Eine Frau mit blonden Haaren.
Bild: privat
Pastorin Bianca Reineke ist Dozentin für Berufsbildende Schulen und Beauftragte für Öffentlichkeitsarbeit am RPI Loccum.

Aller guten Dinge sind nicht immer drei. Manchmal reichen auch zwei und ein anderes Mal müssen es vier sein. Ein Kleeblatt soll ja eher Glück bringen, wenn es vier Blätter hat. Und als alleinerziehende Mutter eines Kindes war ich immer sicher, dass wir auch zu zweit eine komplette Familie sind. 

Heute aber, am Sonntag Trinitatis, dem Sonntag der Dreieinigkeit, geht es um drei. Drei, die sich einig sein müssen! Das ist natürlich so eine Sache. Drei Leute, zehn Meinungen. Das kennen wir alle. Gut, dass es bei diesem Sonntag nicht um Menschen geht, sondern um Gott in seinen wunderbaren Erscheinungsformen. Als Vater, als Sohn und als heiliger Geist. Das ist ein Füllhorn voller Liebe, Gegenüber und Gemeinschaft.

Gott begegnet mir in all diesen Formen, nicht immer zeitgleich, nicht immer exakt gleich spürbar, mal schwach, mal intensiv, aber eine Seite der Trinität ist hoffentlich stets in meiner Nähe. Ich weiß, dass es manchmal kompliziert ist, zu verstehen, wie Gott in meinem Leben präsent ist. Vielleicht will ich gerade keine Vaterfigur oder brauche keinen Sohn an meiner Seite und auf den Heiligen Geist verzichte ich auch gerne, wenn ich lieber alleine sein will. Aber Trinität grenzt nicht ein, im Gegenteil. Sie weitet das Gefühl der Liebe Gottes aus und eröffnet Räume, in die ich gehen kann, wenn ich ihn suche. 

Dieses Angebot der Dreieinigkeit lässt mich aber auch konzentriert auf das sehen, was ich gerade dringend benötige: elterliche Liebe, geschwisterliche Herzlichkeit, Geborgenheit in der Gemeinschaft. Das Angebot ist da und es hat die Kraft, mich in jeder Lebenssituation zu berühren. Gott hat viele Gesichter und sein Name viele Definitionen von Liebe. Keine KI kann mir mehr Wortschöpfungen geben für „Zuneigung“ als Gott. Und meine Lieblingsübersetzung von Gottes Liebe ist und bleibt das Wort „Segen“. Da bin ich gerne wilde, unlogische Wortakrobatin und pfeife auf die Semantik.

Gottes Segen ist für mich Liebe pur, da steckt die Trinität drin und 1001 andere Begriffe für das, was seine Nähe ausmacht. Der unfassbar schöne und alles umfassende, mich umhüllende Segen aus dem Predigttext für den heutigen Sonntag fasst das so wunderbar zusammen, dass ich sprachlos zurückbleiben will. Aber ich weiß, dass Gottes Segen dann wirkt, wenn wir ihn uns gegenseitig zusprechen. Und bei aller Liebe zur Gemeinschaft im Glauben: Das „Du“ in diesem Text gilt jedem von uns auch allein. Du bist gesegnet in der Liebe des dreieinigen Gottes. Nicht nur heute an Trinitatis.

Amen.

Biblischer Text,
4. Mose 6,22–27
Und der HERR redete mit Mose und sprach: Sage Aaron und seinen Söhnen und sprich: So sollt ihr sagen zu den Israeliten, wenn ihr sie segnet: Der HERR segne dich und behüte dich; der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden. So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne.
Bianca Reineke