Das Wort „fasten“ ist ein althochdeutsches. Es bedeutet: festhalten, verschließen, beschließen. Das begegnet uns noch im Englischen „fasten your seatbelt“: Schließen Sie den Gurt im Flugzeug!
In der evangelischen Kirche hat das Klimafasten schon Tradition. „Wieviel ist genug?“, fragt die Aktion.
Sie lädt dazu ein, in unterschiedlichen Blickrichtungen den Überfluss der Geschenke Gottes wahrzunehmen. Am kommenden Aschermittwoch geht sie los.
Welcher Quatsch, welche Schwächen haben sich in unser Leben eingeschlichen? Was läuft schief? Was sollten wir dringend ändern? Und zwar jede und jeder selbst. Nicht auf andere vermeintliche Größen hören, sondern selbst überprüfen, ob wir auf dem richtigen Weg sind.
Ohnmächtig sind wir nämlich nicht. Nicht als Gesellschaft und nicht individuell.
Bei uns ist hochfrommes Gebaren nicht üblich. Mag sein, dass das irgendwann auch in Deutschland mal anders war. Aber die Kirche ist in unserer Gesellschaft keine Bühne, die man nutzen könnte, um sich besonders darzustellen. Das ist bei den ersten Adressaten von Jesajas Worten offenbar anders. Wir machen das heute nicht mehr, religiöse Riten vor uns herzutragen. Aber das vermisse ich auch nicht.
Aber Diskrepanzen zwischen dem, was Personen öffentlich tun – besonders wenn es öffentliche Personen sind – und dem, was sie sagen und von Amts wegen leben sollten,... dafür haben wir ein feines Gespür.
Glauben an Gott ohne handfeste Gerechtigkeit – das geht gar nicht.
Und dann beschreibt Jesaja in poetischen Worten, wie das rechte Fasten in Gottes Augen gewertet wird. Fast wie eine paradiesische Hymne: Dann wird Dein Licht hervorbrechen, wie die Morgenröte – der Tag liegt dann vor Dir, verheißungsvoll, offen für alle guten Möglichkeiten. Deine Heilung wird schnell voranschreiten – Du wirst Dich wohler und gesünder fühlen an Körper und Geist und an Deiner Seele. Deine Gerechtigkeit wird vor Dir hergehen und was fehlt, wird Gott ergänzen. Dann wirst Du rufen, und Gott wird sich nicht mehr verbergen, sondern Dir antworten. Ja, er wird hervortreten, Du wirst in seiner Nähe sein, alles wird gut sein und Gott wird zu dir sprechen: „Siehe, hier bin ich!“
Wieviel ist genug? Ein Verzicht könnte eine Folge sein, vorneweg geht das Wahrnehmen und Bemerken einer Fülle.
Mit der Erfahrung, auf die richtige Spur zu kommen, auf der eben auch Gott unterwegs ist. So dass wir ihm nahe kommen – und er uns.
Amen.
Jesaja 58,1–9a