Ihr kennt sie. Die Vielredner. Definitiv kennt Ihr sie, weil Ihr die Kirche liebhabt. Dort finden sie sich in einer erstaunlichen Konzentration. Die Prediger, die jeden Sonntag ein ziemlich aus der Zeit gefallenes Format bedienen. Reden ohne Unterlass. Aus dieser Perspektive macht mir das Motto des heutigen Kirchentagssonntags* „Worte für immer und jetzt“ ehrlich gesagt ein wenig Angst. Denn: Was ich brauche, sind nicht noch mehr Worte, sondern jemanden, der mich ernsthaft aufrichtet.
Aber du, Menschenkind, höre, was ich dir sage, und widersprich nicht wie das Haus des Widerspruchs. Tu deinen Mund auf und iss, was ich dir geben werde. (Ezechiel 2,8)
Würg! Ehrlich gesagt bin ich satt von den immergleichen Predigten. Geht die Liebe Gottes nicht auch anders? Was wäre zum Beispiel mit Tanzen? Darauf hätte ich wirklich Lust. Hat uns König David doch vorgemacht. Leicht bekleidet schwingt er seine Hüften vor Gott höchstpersönlich. Oder körperliche Liebe? Ginge das nicht auch? Davon hat zumindest sein Sohn Salomo im Hohelied geschrieben. Wunderschöne Sehnsucht und Geschmack und ein weiter Sternenhimmel. Schöne Gottesliebe!!!
Du Menschenkind, du musst diese Schriftrolle, die ich dir gebe, in dich hineinessen und deinen Leib damit füllen. Da aß ich sie und sie war in meinem Munde so süß wie Honig. (Ezechiel 3,3)
Um Himmels Willen! Wirklich? Ja, wirklich! So schreibt die Bibel. Worte satt. Aber klar. Gottes Worte sind anders. Sie sind nicht Geschriebenes und Unverdauliches. Vielmehr sind sie Kraft und Energie: Am Anfang schafft Gott durch seine Worte Himmel und Erde. Und diese Rede hier aus der Bibel will nichts anderes sagen als: Lass Gott in Dich hineinfließen wie einen köstlichen Zaubertrank, wie einen Kuss. Oder anders: Lass Dich von seinen Worten führen, wie die Hand eines Anderen beim Tanz. Oh. Au. Ja!
Und als er so mit mir redete, kam Leben in mich und stellte mich auf meine Füße, und ich hörte dem zu, der mit mir redete. (Ezechiel 2,2)
Liebe Lesende, die Ihr diese Kirche liebhabt. Ich hab es nun verstanden: „Worte für immer und jetzt“ heißt nicht: Da werde ich niedergepredigt. Sondern aufgerichtet durch Gott selbst. Seine Worte sind süß wie Honig und machtvoll wie das Leben selbst. Oh, Himmel! Ich will gehorchen. Hab ich einen Hunger nach dieser Lebenskraft, die Dir allein gehört, Du Heiliger und Geliebter! Ich glaube. Das nächste Mal, wenn Kirchentag ist, dann werde ich hinfahren und prüfen, ob der Geist dieses schönen Gottes dort spürbar wird.
Wollen wir uns treffen?
5. bis 9. Mai 2027 in Düsseldorf!
Amen.
* = Jedes Jahr sind alle Kirchengemeinden bundesweit eingeladen, ihren Gottesdienst zum Kirchentagssonntag zu feiern und sich so auf den kommenden Kirchentag einzustimmen.
Ezechiel 2,1–5(6–7)8–10; 3,1–3
Und er sprach zu mir: Du Menschenkind, ich sende dich zu den Israeliten, zu dem abtrünnigen Volk, das von mir abtrünnig geworden ist. Sie und ihre Väter haben bis auf diesen heutigen Tag wider mich gesündigt. Und die Söhne, zu denen ich dich sende, haben harte Köpfe und verstockte Herzen. Zu denen sollst du sagen: „So spricht Gott der Herr!” Sie gehorchen oder lassen es – denn sie sind ein Haus des Widerspruchs –, dennoch sollen sie wissen, dass ein Prophet unter ihnen ist.
Und du, Menschenkind, sollst dich vor ihnen nicht fürchten noch vor ihren Worten fürchten. Es sind wohl widerspenstige und stachlige Dornen um dich, und du wohnst unter Skorpionen; aber du sollst dich nicht fürchten vor ihren Worten und dich vor ihrem Angesicht nicht entsetzen – denn sie sind ein Haus des Widerspruchs –, sondern du sollst ihnen meine Worte sagen, sie gehorchen oder lassen es; denn sie sind ein Haus des Widerspruchs.
Aber du, Menschenkind, höre, was ich dir sage, und widersprich nicht wie das Haus des Widerspruchs. Tu deinen Mund auf und iss, was ich dir geben werde. Und ich sah, und siehe, da war eine Hand gegen mich ausgestreckt, die hielt eine Schriftrolle. Die breitete sie aus vor mir, und sie war außen und innen beschrieben und darin stand geschrieben Klage, Ach und Weh.
Und er sprach zu mir: Du Menschenkind, iss, was du vor dir hast! Iss diese Schriftrolle und geh hin und rede zum Hause Israel! Da tat ich meinen Mund auf und er gab mir die Rolle zu essen und sprach zu mir: Du Menschenkind, du musst diese Schriftrolle, die ich dir gebe, in dich hineinessen und deinen Leib damit füllen. Da aß ich sie und sie war in meinem Munde so süß wie Honig.