„Wetten, dass…?!“ wird von den Kaulitz-Brüdern moderiert. Endlich gibt es – neben dem Wetter – wieder ein Gesprächsthema, das unverfänglich genug ist, um es sorglos in jeder Runde ansprechen zu können. Gleichzeitig habe ich noch niemanden getroffen, der nicht wenigstens ein kleines bisschen Meinung dazu hatte. Es ist ein bisschen wie mit Pizza Hawaii. Das Flaggschiff der Familien-Unterhaltungssendungen meiner Kindheit scheint nicht aus der Mode kommen zu wollen. Ich frage mich, woran das liegt.
Neben die tausend Gründe, die man derzeit überall lesen und hören kann, möchte ich noch einen legen: Menschen suchen nach einem Anker in stürmischen Zeiten. Die Sehnsucht nach der Sicherheit meiner Kindheit und Jugend findet ihren Ausdruck in der irrationalen Freude über die Vorstellung, dass ich an einem Samstagabend im Dezember den Fernseher einschalten könnte, um wieder „Wetten, dass…?“ zu schauen. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass es nie dazu kommt.
Wie es mit der Sehnsucht nach der Vergangenheit nun einmal ist: Man wird sie nicht wieder hervorholen können. Es gibt das Sofa nicht mehr, auf dem ich mit meinen Eltern und meinen Geschwistern gesessen habe. Wir sind groß geworden und leben heute hunderte Kilometer voneinander entfernt. Und ich will gar nicht erst damit anfangen, was ich an der Sendung inzwischen alles zu kritisieren hätte. Das Gefühl von damals wird sich nicht einstellen. Aber die Sehnsucht danach bleibt.
„Diese Hoffnung halten wir fest als einen sicheren und festen Anker der Seele.“ (Hebräer 6,19)
Wenn ich bewusst über meine Sehnsucht nach einem sicheren Anker nachdenke, stelle ich fest: Ich möchte gar nicht Beruhigung. Nicht Ablenkung. Kein Wegglitzern einer überarbeitungsbedürftigen Gegenwart. Ein Anker ist ja eher dafür da, dass man sich in den Sturm stellen kann, ohne weggeweht zu werden.
Ich merke: Die Sicherheit, die mir mein christlicher Glaube schenkt, ist nicht dazu da, mir die Welt vom Leib zu halten. Im Gegenteil: Die Sicherheit des christlichen Glaubens hält mich mitten in der Welt. Der Anker der Seele ist kein Beruhigungsmittel. Er ist das, was mich dazu befähigt, hinzusehen. Genau hinzusehen. Auszuhalten. Mitzugehen. Mich auch in den Weg zu stellen.
Vielleicht ist die christliche Zumutung heute genau das: nicht weniger Welt. Sondern mehr. Und einen Grund, auf dem man dabei stehen kann. Jesus Christus, der sich der Welt gezeigt hat und uns in ihr hält. Mit ihm als Hoffnungsanker können wir jedem Sturm trotzen. Darauf würde ich sogar eine Wette eingehen.
Amen.
Hebräer 6,19