Im Neuen Testament wird erzählt, dass zu der Zeit, als Jesus ein junger Mann war, ein anderer Mann in der Gegend von Jerusalem lebte. Sein Name war Johannes. Er lebte sehr radikal. Er lebte in der Wildnis außerhalb der Ortschaften, ernährte sich von dem, was er dort fand: Heuschrecken und wildem Honig.
Und seine Botschaft war sehr radikal. Er predigte, dass die Menschen ihre Beziehung zu Gott verändern müssten: „Erkennt, was Euch von Gott trennt, wo Ihr nicht nach Gottes Willen lebt! Krempelt Euer Leben um, bevor es zu spät ist! Denn Gottes Herrschaft ist ganz nahe. Und wenn dieses Gottesreich anbricht, dann wird Gott über Euch zu Gericht sitzen!“
Johannes hat mit seinem Auftreten und mit seiner Predigt viele Menschen beeindruckt und überzeugt. Und als Zeichen dafür, dass diese Leute ihr Leben und ihre Beziehung zu Gott verändern wollten, noch einmal neu anfangen wollten, hat Johannes sie mit an den Jordan genommen. Er ist mit ihnen in den Fluss gestiegen und hat sie dort ganz untergetaucht. So wurde zeichenhaft all das abgewaschen, was die Täuflinge zurücklassen wollten. All das, was zwischen Gott und den Täuflingen steht, wird abgewaschen, weggeschwemmt.
Diese zeichenhafte Bedeutung der Reinigung hat die christliche Taufe bis heute. Wir tauchen in unseren Kirchen die Täuflinge nicht mehr ganz unter, aber übergießen ihren Kopf mit Wasser. Das Wasser ist ein Element, das wir auch sonst im Alltag zum Waschen und Putzen benutzen. Deshalb kann es in der Taufe als Zeichen dienen für das Abwaschen all dessen, was den Täufling von Gott trennt.
Hier wird es etwas schwierig. Denn: Was trennt den Täufling von Gott? Bei den erwachsenen Menschen, die Johannes vor 2000 Jahren getauft hat, ist das noch vorstellbar. Die hatten schon eine Lebensspanne hinter sich, in der sie gegen Gottes Gebote verstoßen konnten. Aber Kinder? Die bei uns meistens getauft werden? Sicherlich halten sie bisweilen ihre Eltern auf Trab. Wortwörtlich dann, wenn sie einschlafen sollen und das nur tun, wenn man mit ihnen draußen eine Runde dreht. Aber das machen noch nicht einmal ihre Eltern ihnen zum Vorwurf.
Bei einer christlichen Taufe geschieht weit mehr, als das, was der Täufer tut. Gott ist in der Taufe aktiv. Gott tauft selbst. Und er selbst tauft nicht mit Wasser, sondern mit seinem Heiligen Geist. Gott tritt in eine Beziehung zu dem Täufling. In dem Bericht von der Taufe von Jesus in der Bibel ist das ganz plastisch dargestellt. Der Himmel öffnet sich. Gott sucht die Nähe des Täuflings. Er bietet seine Hand an und sagt: Komm, wir gehen Deinen weiteren Lebensweg zusammen. Gott schickt seinen Heiligen Geist. Er ist in seinem Geist selbst ganz da.
Nun sind die Täuflinge bei uns meist sehr klein. Und wenn sie so groß sind, dass sie richtig sprechen können, werden sie sich wohl nicht mehr an diesen Tag erinnern. Sie werden nicht erzählen können, dass sie bei ihrer Taufe den Himmel offen gesehen oder Gottes Stimme gehört haben.
Aber Sie, die Sie die Täuflinge bei der Taufe begleiten, können sehen und erleben, wie die taufende Person sie mit Wasser tauft. Deshalb können Sie ihnen später erzählen, was bei ihrer Taufe passiert ist. Das, was man sehen konnte und auch das, was man nicht sehen konnte.
Amen.
Matthäusevangelium 3,13–17