Du darfst neu werden.

Andacht zum Buß- und Bettag
Ein Schmetterling in einem Kokon an einem Ast.
Bild: barbaraaaa von Getty Images
Eine männlich gelesene Person in weißem Shirt lehnt an einem Baum.
Bild: Nicole Gerding
Dr. Maximilian Baden ist als theologischer Begleiter des Influencer:innen Projekts der hannoverschen Landeskirche bei der EMA tätig und theologischer Referent im regionalbischöflichen Büro des Sprengels Hannover.

In diesen Tagen merke ich, wie viel in mir unruhig ist. Nicht laut, eher ein leises Ziehen. So, als würde jemand von innen an die Tür klopfen und fragen: „Wie geht es dir wirklich?“ Der Buß- und Bettag ist ein Tag für solche Fragen. Kein Feiertag, der mit Kalendergold glänzt. Eher ein Zwischenraum. Ein Tag, an dem man merken kann, dass man mit sich selbst noch nicht fertig ist.

Es gibt Dinge, die man lieber verdrängt: ein scharfes Wort, das man nicht zurücknehmen kann. Eine Entscheidung, die jemandem wehgetan hat. Eine Gewohnheit, die mehr Kraft frisst, als man zugeben möchte. Und dieses Gefühl, an anderen vorbeizuleben, obwohl man es gar nicht will.

Manchmal denke ich: Wenn Gott wirklich da wäre – würde ich mich dann nicht leichter fühlen? Müsste ich nicht mutiger, geduldiger, großzügiger sein? Aber die Bibel erzählt von einem Gott, der uns nicht deshalb liebt, weil wir alles im Griff haben. Er liebt uns vor allen diesen Dingen. Er hat uns zuerst geliebt und dann haben wir begonnen zu leben. Weil wir Menschen sind. Mit Brüchen, mit Sehnsucht, mit Schuld.

Buße heißt dann nicht: mich klein machen. Buße heißt: ehrlich werden. Vor Gott und vor mir selbst. Es ist wie ein Gespräch, das man lange vor sich herschiebt. Wenn man sich endlich hineinbegibt, merkt man: Die Angst davor war größer als die Wirklichkeit. Gott hält aus, was ich ihm bringe. Auch das, was ich mir kaum eingestehen kann.

Ich glaube: Gott ist derselbe – an meinen guten Tagen und an den schweren. Derselbe, der mich im Lachen sieht, sieht mich auch im Zögern. Derselbe, der im Licht ist, geht auch mit mir durch die dichten Stunden.

Vielleicht ist das die leise Kraft dieses Tages: dass Gott mich nicht am Gestern festhält, sondern am Morgen orientiert. Dass er mir zutraut, neu anzufangen. Nicht perfekt, aber aufrichtig. Und vielleicht wächst daraus etwas: ein Gedanke, eine kleine Mutprobe, ein Schritt auf jemanden zu. Ein Stück Frieden, das nicht groß wirkt, aber groß werden kann.
Der Buß- und Bettag sagt uns: Du bist nicht gefangen in dem, was war. Du darfst neu werden. Schritt für Schritt.

Gott sieht dich.
Er kennt deine Wege.
Und er geht mit.

Amen.

Maximilian Baden