Liebe Greta

Andacht zum drittletzten Sonntag des Kirchenjahrs
Blick von einem Segelboot Richtung Sonnenuntergang
Bild: Sascha Klement von Pexels, canva

Der Autor

Christian Plitzko
Bild: privat
Pastor Christian Plitzko

Liebe Greta,
ich habe gehört, dass du mit einem Segelschiff in Richtung Gazastreifen aufgebrochen bist. Ich finde dich wirklich beeindruckend in deiner Energie. Gleichzeitig habe ich mich gefragt, ob das auch ein Zeichen dafür ist, dass der Klimawandel sich nun wirklich nicht mehr aufhalten lässt. Es ist ja ziemlich ruhig geworden um das Thema – als hätten wir Menschen uns irgendwie damit abgefunden. 

Ich habe neulich gelesen, dass die kommende Flut sowieso Fakt ist. Weißt du, ich habe selbst alles Mögliche versucht, um die Welt zu retten – war Veganer und bin so oft wie möglich Fahrrad gefahren. Am Ende bin ich fast irre geworden an all den Regeln, die ich mir selbst auferlegt hatte. Und irgendwann habe ich gemerkt: Ich kann mich nicht selbst erlösen. Ich bin als Mensch immer verstrickt in zerstörerische Zusammenhänge.

Versteh' mich nicht falsch: Ich finde den Einsatz für das Gute in dieser Welt absolut wichtig – nicht nur mein eigenes Glück zu suchen, sondern an einer Welt mitzubauen, die gut funktioniert. Aber ob wir damit erfolgreich sein werden?

Kennst du das Lied von Joachim? Er singt: „Wann kommt die Flut über mich, die mich fortnimmt in ein anderes großes Leben?“
Manchmal frage ich mich tatsächlich, wohin wir überhaupt zurückwollen mit all der Sehnsucht nach der „Bewahrung der Schöpfung“. In das Jahr 1990, als die Regenwälder noch größer waren? Oder noch weiter zurück, zur Vorindustrialisierten Zeit? Ich glaube: Ich will weder das eine noch das andere. Ich will leben und Hoffnung haben. 

Wenn ich mich nach vorn träume, denke ich, der Mensch wird diese Erde irgendwann sowieso verlassen. Vielleicht brauchen wir eine neue Arche, die uns fortträgt – in ein anderes Leben. Und wahrscheinlich werden wir dann gar nicht mehr die Menschen sein, die wir heute sind, sondern irgendwie verbunden mit den Maschinen, die jetzt schon zum Überholen ansetzen.

Ach, Greta – das ist alles so groß. All diese Gedanken überfluten mich.
Woran ich mich festhalte, ist das: Egal wie es kommt – ob Wüstenplanet oder SeaWorld, Science Fiction oder Retro-Schinken aus der Vergangenheit – das Leben selbst bleibt anwesend. Und wenn die Sonne scheint und es gleichzeitig regnet, dann ist es bunt am Himmel zu sehen. Dann merke ich: Egal, was wir tun – retten wird uns am Ende jemand anderes.

Also, liebe Greta: danke, dass du mir zugehört hast.
Mach bitte weiter so und suche das Heilige.
Aber manchmal – in allem Tun – brauchst du auch das Eingeständnis, dass wir selbst machtlos sind. Weil jemand anderes die Macht hat.
Und der zum Glück stärker ist.

Herzlich
Dein Christian

Biblischer Text,
Genesis 9,12-17
Und Gott sprach: Das ist das Zeichen des Bundes, den ich geschlossen habe zwischen mir und euch und allem lebendigen Getier bei euch auf ewig: Meinen Bogen habe ich in die Wolken gesetzt; der soll das Zeichen sein des Bundes zwischen mir und der Erde. Und wenn es kommt, dass ich Wetterwolken über die Erde führe, so soll man meinen Bogen sehen in den Wolken. Alsdann will ich gedenken an meinen Bund zwischen mir und euch und allem lebendigen Getier unter allem Fleisch, dass hinfort keine Sintflut mehr komme, die alles Fleisch verderbe. Darum soll mein Bogen in den Wolken sein, dass ich ihn ansehe und gedenke an den ewigen Bund zwischen Gott und allem lebendigen Getier unter allem Fleisch, das auf Erden ist. Und Gott sagte zu Noah: Das sei das Zeichen des Bundes, den ich aufgerichtet habe zwischen mir und allem Fleisch auf Erden.
Christian Plitzko