Der Vorsitzende des Landessynodalausschusses (LSA), Ruben Grüssing (Sprengel Ostfriesland-Ems), hat auf der II. Tagung der 27. Landessynode verbindlichere Verfahren, mehr Transparenz und klare Entscheidungen zur Zukunft angemahnt. Bei der Vorstellung des LSA-Berichts stellte er Veränderungen in Leitungsstrukturen, Beanstandungen der Rechnungsprüfung und knapper werdende Mittel in den Mittelpunkt.
„Wenn ich einen roten Faden benennen soll, dann diesen: Wir brauchen Verbindlichkeit und Vertrauen“, sagte Grüssing. Vertrauen entstehe durch Information, rechtzeitige Beteiligung und nachvollziehbare Entscheidungen.
Mit Blick auf die von der Synode später beschlossene Interimsbesetzung der Stellen von Superintendentinnen und Superintendenten warnte Grüssing davor, Ausnahmen zum Regelfall werden zu lassen. Das könne Übergänge sichern, dürfe aber die synodale Wahl nicht ersetzen, so Grüssing.
Handlungsbedarf sehe der LSA auch nach dem Prüfbericht des Oberrechnungsamtes (ORA) zum Jahresabschluss 2024. Neben Verstößen gegen Haushaltsvorgaben hob Grüssing Sicherheitsmängel in IT-Systemen hervor. „Digitalisierung ohne verlässliche IT-Sicherheit ist keine Modernisierung, sondern ein Risiko“, sagte er. Das Landeskirchenamt solle die Mängel priorisiert abarbeiten, einen Umsetzungsplan vorlegen und vierteljährlich berichten. Mit Blick auf das Umsatzsteuergesetz verlange der LSA klare Zuständigkeiten und Fristen. Trotz der Beanstandungen erteilte der LSA dem Landeskirchenamt Entlastung. „Entlastung ist keine Entwarnung“, betonte Grüssing.
Zum Jahresabschluss 2025 verwies Grüssing auf ein besseres Ergebnis als geplant, kritisierte jedoch den Umgang mit Haushaltsübertragungen. Die pauschale Kürzung vieler Anträge um 50 Prozent sei nicht frühzeitig und mit den Beteiligten kommuniziert worden. „Sparen ist nötig, pauschales Kürzen ist aber noch keine Strategie“, sagte er mit Blick auf die Jahre 2027 und 2028. Synodale Beschlüsse und der Zukunftsschwerpunkt „Anfänge im Glauben“ dürften nicht durch pauschale Vorgaben ausgehöhlt werden.
Weitere Aufgaben sehe der LSA bei elektronischen Kirchenbüchern, bei der kirchlichen Präsenz in sozialen Medien und in der Arbeit für Geflüchtete. Kirchengemeinden müssten im Umgang mit rassistischen, antisemitischen oder demokratiefeindlichen Positionen handlungsfähig sein. Dem Team Demokratie und Frieden sicherte Grüssing den Rückhalt der Synode zu.
In der anschließenden Aussprache wurden mehrere Punkte aus dem Bericht aufgegriffen. Der Synodale und Vorsitzende des Ausschusses für Theologie und Kirche, Dr. Martin Krarup (Sprengel Stade), dankte der Evangelischen Medienarbeit (EMA) und den Influencerinnen und Influencern für das Konzept eines seelsorglich orientierten Community-Managements. „Das ist schon beeindruckend“, sagte Krarup. Der aktuelle Förderzeitraum laufe bis Ende des Jahres; bei der Herbsttagung der Landessynode soll weiter beraten werden. Ein entwickeltes Konzept werde den Synodalen zur Verfügung gestellt.
Die Synodale Hilke Ehlers (Sprengel Stade) stellte einen Antrag zur Überprüfung der Nutzung des Grünen Datenkontos. Die Gemeinden seien angehalten, ein solches Konto zu führen; zugleich ließen sich wesentliche Daten bislang nicht exportieren. Das Datenkonto enthält unter anderem Verbrauchszahlen. Der Antrag wurde mit großer Mehrheit angenommen.
Der Synodale und Vorsitzende des Finanzausschusses, Friedo Hansen (Sprengel Lüneburg), vermisste im Bericht einen Abschnitt zum Evangelischen Gymnasium Andreanum in Hildesheim. Für das LKA nahm Oberlandeskirchenrat Adalbert Schmidt Stellung. Die Landeskirche sei Trägerin der Schule und für die Gebäude verantwortlich. Im vergangenen Jahr hätten die Stadt Hildesheim und die Landeskirche einen „Letter of Intent“ unterzeichnet. Danach sollen Planungen für die Gesamtsanierung der Schulgebäude beginnen. Auch eine Machbarkeitsstudie für vorübergehende räumliche Lösungen während der Bauarbeiten soll beauftragt werden. Die Planungskosten einschließlich verschiedener Gutachten bezifferte Schmidt auf rund 1,8 Millionen Euro. „Das ist work in progress, bislang haben wir da noch keine belastbaren Zahlen“, sagte er. Nach seinen Angaben könne die Klärung bis zu eineinhalb Jahre dauern.
Der Synodale Harald Schilbock (Sprengel Lüneburg) sagte, der ORA-Bericht enthalte „einige Ohrfeigen“, und stelle die Entlastung des Landeskirchenamtes infrage. Der Präsident des Landeskirchenamtes, Dr. Jens Lehmann, dankte dem ORA und griff die Wortbeiträge auf: „Wir müssen auch den ORA verstehen als einen gemeinsamen Appell an alle kirchenleitenden Organe.“ Vieles sei bereits auf den Weg gebracht.
Der Bericht des Landessynodalausschusses umfasste ein breites Spektrum an Rechts-, Finanz- und Strukturfragen: von Verordnungen und Ausnahmeregelungen über Jahresabschlüsse und Prüfbeanstandungen bis hin zu Entscheidungen zu IT, Immobilien, Öffentlichkeitsarbeit, Geflüchtetenarbeit und internationalen Projekten. Zugleich befasste sich das Gremium mit kirchlichen Zukunfts- und Schutzthemen, darunter Demokratiearbeit, der Umgang mit sexualisierter Gewalt und die Weiterentwicklung der evangelischen Medienarbeit.