Erste katholische Konventualin im Kloster Amelungsborn

Bild: Kloster Amelungsborn

Das Kloster Amelungsborn im Weserbergland ist seit mehr als 450 Jahren evangelisch. Jetzt hat sich der Konvent erstmals für eine Katholikin geöffnet.

Amelungsborn/Kr. Holzminden. Das evangelische Kloster Amelungsborn im Weserbergland hat erstmals eine katholische Konventualin berufen. Die promovierte Theologin Dagmar Stoltmann-Lukas wurde von Abt Stephan Schaede in ihr Amt eingeführt, wie das Kloster am Samstag mitteilte. Durch sie erhalte Amelungsborn «neuen ökumenischen Glanz», sagte Schaede in seiner Ansprache laut Mitteilung.

Die Theologin Dagmar Stoltmann-Lukas übt ihre Aufgabe den Angaben nach wie alle Mitglieder des Konvents ehrenamtlich aus. Im Hauptberuf ist sie persönliche Referentin des Diözesanadministrators im katholischen Bistum Hildesheim, Martin Marahrens. Die neue Konventualin stammt aus Gesmold bei Osnabrück und studierte Germanistik und Theologie in Münster, Jerusalem und Wien.

Ökumene als Schwerpunkt

Zunächst arbeitete sie als theologische Grundsatzreferentin im Bistum Hildesheim und übernahm dort ab 2007 die Aufgabe der Ökumene-Referentin. 2018 berief sie der damalige Bischof Heiner Wilmer zur persönlichen Referentin - ein Novum in der über 1.200-jährigen Geschichte des Bistums. Stoltmann-Lukas ist verheiratet und lebt in Hildesheim. Die Zusammenarbeit der Konfessionen ist für sie ein zentrales Anliegen. «Wir sind nie allein unterwegs», betonte sie.

Das Kloster Amelungsborn wurde 1135 aus dem niederrheinischen Kloster Altenkamp heraus als Zisterzienserkloster gegründet. Die ursprünglich romanische Klosterkirche St. Marien wurde Mitte des 14. Jahrhunderts gotisch erweitert. 1568 wechselte das Kloster zum evangelischen Bekenntnis, behielt aber die Verbindungen zum katholischen Zisterzienser-Orden bei. Heute ist es Teil der «Gemeinschaft evangelischer Zisterzienser-Erben in Deutschland». Heute gibt es einen ehrenamtlichen Konvent, der bisweilen im Kloster zusammenkommt. Seit 2021 gehören ihm auch Frauen an. Zu der Anlage gehören neben der Klosterkirche eine Bibliothek, Tagungshäuser und ein historischer Klostergarten.

Das Stichwort: Kloster Amelungsborn

Die Wurzeln des Klosters Amelungsborn im Weserbergland reichen bis tief ins Mittelalter hinein. Heute steht die Tagungsstätte des Klosters auch Gästegruppen offen.

Das Kloster Amelungsborn bei Holzminden gehört wie das Kloster Loccum bei Nienburg zur Gemeinschaft evangelischer Zisterzienser-Klöster in Deutschland. Es wurde 1135 von Zisterzienser-Mönchen aus dem niederrheinischen Kloster Altenkamp gegründet, noch zu den Lebzeiten des Ordensgründers Bernhard von Clairvaux. Nach dem Kloster Walkenried im Harz ist Amelungsborn die älteste Gründung des Ordens in Niedersachsen. Von hier aus wurden die Klöster Riddagshausen bei Braunschweig und Doberan in Mecklenburg gegründet.

Bis zur Reformationszeit lebten in Amelungsborn bis zu 50 Mönche und 90 „Laienbrüder“. 1568 nahm der Konvent das Augsburger Bekenntnis an und wurde damit protestantisch. Nach 1803 wurde der Konvent aufgelöst. Heute gehört das Kloster zur hannoverschen Landeskirche und wird von einem nach 1960 neu gebildeten Konvent unter Vorsitz des Abtes geleitet. Das Amt des Abtes hat seit 2025 der Vizepräsident des Kirchenamtes der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Hannover, Stephan Schaede, inne.

Tagungsstätte mit 40 Betten

Mönche leben nicht mehr in Amelungsborn. Der ehrenamtliche Konvent besteht heute aus zwölf Frauen und Männern, die von Zeit zu Zeit in dem Kloster im Weserbergland zusammenkommen. Ihm gehören überwiegend Theologinnen und Theologen sowie eine Juristin aus der evangelischen Kirche an. Frauen können seit 2021 Mitglied des Konvents werden. Dafür wurde die Klosterverfassung geändert. Im Juni 2026 übernahm erstmals eine Frau das Amt der Priorin.

Daneben gibt es eine Männergemeinschaft, einen ökumenischen Frauenkreis, eine professionelle Kirchenpädagogik, ein Klostergarten-Team und weitere Kreise. Die Tagungsstätte mit 40 Betten lädt Gästegruppen ein, das klösterliche Leben zu erfahren. Die Klosterkirche wird heute von der evangelischen Ortsgemeinde als Gemeindekirche genutzt.

Mittelalterlicher Grundriss

Nach eigenen Angaben ist Amelungsborn neben Loccum das einzige frühere Männerkloster auf deutschem Boden, das seit seiner Gründung ohne Unterbrechung besteht. Die Kirche und das Gelände entsprechen noch den Musterplanungen, die der Orden im Mittelalter für Klostergründungen vorgesehen hatte.

epd