Evangelische Kirche trauert um ehemaligen sächsischen Landesbischof

Ralf Meister: „Jochen Bohl hat auch in bewegten Zeiten einen klaren Kurs gehalten“
Schwarz-weiß-Bild einer als Mann lesbaren Person, die mit erhobener Hand spricht.
Bild: Steffen Giersch

Dresden. Der frühere sächsische Landesbischof Jochen Bohl ist tot. Der evangelische Theologe starb am Mittwoch im Alter von 76 Jahren nach langer schwerer Krankheit, wie die Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens am Donnerstag in Dresden unter Berufung auf seine Familie mitteilte. Bohl stand von 2004 bis 2015 an der Spitze der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens.

Daneben war er von 2010 bis 2015 auch stellvertretender Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und von 2007 bis 2009 stellvertretender Leitender Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD). Ein Höhepunkt zu Beginn von Bohls Amtszeit war im Jahre 2005 die Wiedereinweihung der Dresdner Frauenkirche.

„Theologe mit großen Gestaltungswillen“

Die sächsische Landeskirche würdigte ihn als einen „Theologen mit großem Gestaltungswillen“. Ihm sei es wichtig gewesen, gerade in einer von SED-Diktatur und Säkularisierung geprägten Gesellschaft die Kirche und ihre Dienste als wichtigen Teil des Gemeinwesens ins Bewusstsein zu heben.

Der Leitende Bischof der VELKD, Landesbischof Ralf Meister (Hannover), erinnert sich: „Jochen Bohl übte seinen Dienst mit geistlicher Kraft, theologischer Klarheit und einem Blick für die Vielfalt innerhalb der Kirche aus. Auch in bewegten Zeiten hat er einen klaren Kurs gehalten und die gesamtkirchliche Perspektive nie aus dem Blick verloren.“

Der 1950 in Lüdenscheid in Westfalen geborene Bohl pflegte vielfältige persönliche Kontakte zu Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Gesellschaft sowie der weltweiten Ökumene. Vor seiner Zeit als Bischof war er neun Jahre lang Direktor des Diakonischen Werkes der sächsischen Landeskirche.

Bohl studierte von 1968 bis 1974 Theologie in Wuppertal, Marburg und Bochum. Sein erstes und zweites Theologisches Examen legte er in der westfälischen Kirche ab. Danach war er Pfarrer in der Evangelischen Kirchengemeinde Aplerbeck im Kirchenkreis Dortmund-Süd. Bevor er nach Sachsen kam, leitete er neun Jahre das Evangelische Jugendwerk an der Saar.

epd / EKD