Trauerandacht mit Ministerpräsident und Landesbischof in Stade

Lies ruft nach tödlichen Schüssen zu Zusammenhalt auf
Ein Tisch mit mehreren Kerzen mit Trauerflor vor einem Altar
Bild: Sonja Domröse

Bei einer Gewalttat wurden am Montag in Stade sechs Menschen getötet. Die Stadt steht unter Schock. Während einer Andacht mit Ministerpräsident Lies und Landesbischof Meister hatten Menschen am Dienstagabend Gelegenheit, ihrer Trauer Raum zu geben.

Stade, Hannover. In einer Trauerandacht hat Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) am Dienstagabend der Opfer der tödlichen Schüsse in einer Stader Jugendhilfeeinrichtung gedacht und zu Zusammenhalt aufgerufen. „Wir sind im ganzen Land vereint in der Trauer und auch in der Wut darüber, dass so etwas passieren kann“, sagte Lies in der nahezu überfüllten St. Wilhadi-Kirche in Stade. Es sei unerträglich, dass sechs Menschen aus dem Leben gerissen worden seien, die anderen geholfen und sich für ein gutes Miteinander eingesetzt hätten.

„Wie reagieren wir auf einen Menschen, der unsagbares Leid über seine Mitmenschen bringt?“, fragte der Ministerpräsident vor hunderten Besucherinnen und Besuchern des Gottesdienstes. Lies betonte, das Böse dürfe niemals siegen, auch wenn es sich augenblicklich für viele Menschen so anfühle.

Friedländer-Zitat als Ermutigung

Er verwies auf einen berühmt gewordenen Ausspruch der 2025 verstorbenen Holocaust-Überlebenden Margot Friedländer: „‚Sei Mensch.‘ Das ist für mich der Halt, der Trost, die Hoffnung. Wir lassen uns die Liebe zu anderen Menschen von niemandem nehmen“.

Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister ermutigte die Menschen, ihren Tränen und ihrer Trauer freien Lauf zu lassen: „Weint über das Schreckliche, das gestern geschehen ist. Weint und ruft Gott damit in euer Leben“, sagte Meister in seiner Ansprache laut Manuskript.

Weinen verändere die Welt zwar nicht. „Es macht Geschehenes nicht ungeschehen. Es bringt die Verstorbenen nicht zurück“, betonte Meister. Dennoch könne gemeinsames Trauern und Weinen eine Hilfe sein: „Es ist gut, dass wir heute Abend hier sind. Kirchen sind heilige Orte auch deshalb, weil wir hier gemeinsam klagen dürfen.“

Auch Verzweiflung und Wut seien angesichts einer solchen Gewalttat verständlich, sagte der Bischof. Er mahnte allerdings, die Wut dürfe nicht in Hass umschlagen.

Füreinander da sein

Die Stader Regionalbischöfin Sabine Preuschoff gedachte der sechs Getöteten und ihrer Familien, der Einsatzkräfte sowie der Mitarbeitenden in den Jugendämtern. Sie schloss auch das kleine Mädchen in ihr Gedenken ein, um das es mutmaßlich bei der Gewalttat ging. „Wir haben keine Antworten. Aber wir können gemeinsam trauern. Schweigen. Füreinander da sein“, sagte Preuschoff laut Manuskript.

Tiefe Trauer, aber auch Aufgewühltheit und Hilflosigkeit seien vielen Besucherinnen und Besuchern des Gottesdienstes abzuspüren gewesen, erläutere die Pressesprecherin des Kirchensprengels Stade, Sonja Domröse. „Wir wollen niemanden mit dem Schmerz allein lassen“, sagte sie dem Evangelischen Pressedienst (epd). Entsprechend seien Seelsorgerinnen und Seelsorger unermüdlich vor und nach dem Gottesdienst im Einsatz gewesen, um zuzuhören und Trost zu spenden.

Am Montag waren nach Polizeiangaben in einer Stader Jugendhilfeeinrichtung sechs Menschen getötet worden. Ein 45-jähriger Tatverdächtiger wurde festgenommen. Er hat mutmaßlich bei einem sogenannten Hilfeplangespräch geschossen, bei dem es um das Sorgerecht seiner drei Monate alten Tochter ging. Bei den Getöteten handelte es sich der Polizei zufolge um vier Frauen und zwei Männer. Drei von ihnen sollen beim Jugendamt der Region Hannover gearbeitet haben.

Martina Schwager (epd)