Im südniedersächsischen Moringen hat die AfD einen Parteitag in der Stadthalle abgehalten. Die Halle liegt nur wenige Meter von einem ehemaligen KZ entfernt. Zahlreiche Initiativen protestierten daher mit einem Demokratiefest.
Moringen/Kreis Northeim. Mit einem Straßenfest für Demokratie, Vielfalt und Erinnerung haben mehrere hundert Menschen am Freitag in Moringen gegen einen zeitgleichen Parteitag des AfD-Kreisverbandes Northeim protestiert. Die Partei tagte in der Moringer Stadthalle, die nur wenige Meter vom ehemaligen Moringer Konzentrationslager und der KZ-Gedenkstätte entfernt liegt.
Die Veranstalter der Proteste sehen dies als Provokation und Verhöhnung der Opfer an. Der AfD-Kreisverband Northeim wies den Vorwurf zurück, er beabsichtige eine Provokation. Die Wahl des Veranstaltungsorts sei ausschließlich nach sachlichen und organisatorischen Kriterien erfolgt, sagte der Kreisverbands-Vorsitzende Maik Schmitz am Dienstag dem epd.
Kirchen beteiligen sich an Protesten
An dem Aktionstag gegen das AfD-Treffen hätten sich bis zum frühen Freitagnachmittag mindestens 500 Menschen beteiligt, sagte der Vorsitzende des Vereins „Lagergemeinschaft und Gedenkstätte KZ Moringen“, Stefan von Huene, dem Evangelischen Pressedienst (epd). Dem Protestbündnis gehören auch die christlichen Kirchen, der DGB, mehrere Parteien und die Moringer Gesamtschule an.
Zahlreiche Organisationen und Initiativen hatten auf der Hauptstraße der Kleinstadt Infostände aufgebaut. Auf einer Bühne gab es Musik und Redebeiträge. Moringer Schülerinnen und Schüler berichteten am Mikrofon von ihren Erfahrungen und Recherchen im KZ Auschwitz. Eine Polizeisprecherin erklärte, die Veranstaltung verlaufe friedlich.
Weiße Rosen auf dem Gräberfeld
Bereits am Vorabend hatten rund 120 Personen bei einer von den „Omas gegen Rechts“ organisierten Mahnwache vor der Stadthalle gegen den AfD-Parteitag demonstriert. Anschließend legten Teilnehmer weiße Rosen auf dem Gräberfeld der im Moringer KZ umgekommenen Häftlinge auf dem örtlichen Friedhof nieder. In Moringen hatten die Nationalsozialisten ab 1933 nacheinander Konzentrationslager für Frauen, Männer und männliche Jugendliche eingerichtet.
Der AfD-Kreisverband Northeim gilt als extrem rechts und unterhält enge Kontakte zum Thüringer Landeschef Björn Höcke. Beim Neujahrsempfang im Januar 2024 hatte der Kreisverband Höcke mit dem „Graf-Otto-Preis“ ausgezeichnet. Der Preis bezieht sich auf Graf Otto von Northeim, der es im 11. Jahrhundert bis zum bayrischen Herzog brachte.