Landesbischof Meister ruft zur Solidarität mit Juden auf

Eine männlich lesbare Person an einem Rednerpult
Bild: Jens Schulze

Hannover. Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister zeigt sich besorgt angesichts eines wachsenden Antisemitismus und Judenhasses in Deutschland. „Antisemitismus bleibt in bedrückender und zunehmender Weise eine drängende gesellschaftliche Herausforderung in unserem Land“, sagte der evangelische Bischof am Freitag bei der Frühjahrstagung der Landessynode in Hannover.

Meister verwies auf Zahlen der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (Rias), nach denen im vergangenen Jahr allein in Niedersachsen insgesamt 672 antisemitische Vorfälle dokumentiert wurden. „Das ist ein neuer Höchststand.“ Auch bundesweit hätten sich die Zahlen innerhalb von drei Jahren verdreifacht. „Diese Entwicklungen verlangen weiterhin eine klare kirchliche Position und konsequente Solidarität“, betonte der Bischof: „Antisemitismus ist in jeder Form entschieden zurückzuweisen und darf auch nicht durch politische Konflikte im Nahen Osten verstärkt oder relativiert werden.“

Differenzierter Blick nötig

Meister rief zu einem differenzierten Blick auf die Lage im Nahen Osten auf. Dazu sei politische Bildung wichtig. „Es muss unterschieden werden zwischen jüdischen Menschen und dem Handeln des Staates Israel und seiner aktuellen Regierungspolitik.“ Zugleich gelte es zu differenzieren zwischen legitimer politischer Kritik und antisemitischer Feindschaft, die Menschen aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einer Religion oder Herkunftsgruppe angreife.

Meister hat in Jerusalem studiert. Mit keinem anderen Land fühle er sich so verbunden, sagte er. Er verwies jedoch auch auf die Gewalt durch radikale jüdische Siedler, deren Ziel es sei, die palästinensische Präsenz zu schwächen oder ganz zu beseitigen. Vertreter der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien und im Heiligen Land legten Wert darauf, dass die Kirchen in Deutschland auch dazu Stellung nähmen.

Christen in Palästina fordern klare Position

„Sie fordern unsere klare Position zu den Menschenrechtsrechtsverletzungen, den täglichen Diskriminierungen und Erfahrungen von Gewalt“, sagte Meister. Er regte an, einen Vertreter dieser Kirche zu einer der nächsten Tagungen des hannoverschen Kirchenparlaments einzuladen: „Ihren Schrei um Hoffnung und Frieden müssen wir hören.“

epd Niedersachsen-Bremen