„Wir glauben, dass der Himmel allen Menschen offensteht“
Hannover. Erstmals hat die Queersensible Seelsorge der Landeskirche Hannovers zu einem besonderen Gottesdienst am Vorabend des Christopher Street Day (CSD) eingeladen. Damit setzte die evangelische Kirche mit einem zentralen Gottesdienst in der Marktkirche Hannover ein sichtbares Zeichen für Vielfalt, Respekt und die uneingeschränkte Würde jedes Menschen.
„In Zeiten, in denen queeres Leben erneut unter Druck gerät und Diskriminierung wieder zunimmt, schlagen wir mit diesem Gottesdienst einen deutlichen Pflock ein,“ erklärt Theodor Adam, Pfarrperson und Landeskirchenbeauftragte*r für Queer-sensible Seelsorge und Beratung. „Wir glauben, dass der Himmel allen Menschen offensteht, unabhängig von ihrer Geschlechtlichkeit und ihren Liebesformen und dass in Gottes Reich niemand bevorzugt oder benachteiligt wird. Das wäre auch schon jetzt wunderbar, daher haben wir den Gottesdienst unter die Forderung ‚Mehr Himmel auf Erden‘ gestellt.“
Der Gottesdienst setzte ein Zeichen für eine dialogorientierte Kirche, die sich klar an die Seite queerer Menschen stellt und gesellschaftliche Vielfalt als Bereicherung versteht. Er richtete sich ausdrücklich an alle Menschen unabhängig von sexueller Orientierung, geschlechtlicher Identität, Herkunft oder religiöser Bindung.
Die Vielfalt zeigte sich auch in der musikalischen Gestaltung. Unterschiedliche musikalische Stile traten miteinander in Beziehung. Von klassischer Kirchenmusik bis Pop war alles dabei. „Wenn wir von ‚mehr Himmel auf Erden‘ singen, dann geschieht das in solchen Momenten. Genau hier, wo unterschiedliche Stimmen, Musik und Menschen zusammenkommen und gemeinsam etwas von dieser Hoffnung erfahrbar wird“, sagt Landeskirchenmusikdirektor Benjamin Dippel.
Mitwirkende waren außerdem Landesbischof Ralf Meister, Stadtsuperintendent Rainer Müller-Brandes und „Meine Herr’n – der schwule Männerchor Hannover“. Im Anschluss waren alle Besuchenden zu Sekt und Brause unter der Orgelempore eingeladen.
Der Gottesdienst ist Teil eines wachsenden Engagements der Kirche, Räume für Begegnung, Austausch und gesellschaftlichen Zusammenhalt zu öffnen. „Ich bin nicht queer. Aber ich bin Christin – und das verpflichtet mich. In einer Welt, in der rechte und fundamentalistische Kräfte die Menschenwürde queerer Menschen wieder offen angreifen, kann Kirche nicht bei sich selbst bleiben", sagt Mit-Initiatorin Pastorin Christine Schröder. Gerade in Zeiten zunehmender Polarisierung sollte der Gottesdienst ein Zeichen setzen für Respekt, Sichtbarkeit und ein friedliches Miteinander in Vielfalt.