„Kirche spricht nicht nur über Vielfalt, sondern lebt sie!"

Drei Fragen an Pastor Theodor Adam, landeskirchlicher Beauftragter für Queersensible Seelsorge und Beratung
Menschen schwenken Regenbogenfahnen.
Bild: canva/irynakhabliuk

Am Vorabend (22. Mai) des Christopher Street Day (CSD) findet um 18 Uhr in der Marktkirche Hannover erstmals ein Gottesdienst statt. Pastor Theodor Adam ist dabei.

Ein Mann im Hemd.
Bild: Zentrum für Seelsorge und Beratung
Pastor Theodor Adam, ist seit vier Jahren landeskirchlicher Beauftragter für Queersensible Seelsorge und Beratung.

Herr Adam, Kirche ist beim CSD Hannover in diesem Jahr auf vielen Ebenen präsent. Was ist neu?

Theodor Adam: Die evangelische Kirche hat sich auch schon in den vergangenen Jahren am CSD in Hannover beteiligt, unter anderem mit einer Fußgruppe bei der Demonstration, mit Angeboten auf dem Straßenfest und mit einem Gottesdienst auf dem Opernplatz. Neu ist in diesem Jahr der Gottesdienst in der Marktkirche mit breiter Beteiligung aus Kirchenleitung, Kirchenmusik, Community und Ehrenamt am Vorabend des CSD. Wir verstehen das Wochenende bewusst als Gesamtprojekt von Freitag bis Sonntag. Vieles daran wird von Menschen getragen, die sich zusätzlich zu ihren eigentlichen Aufgaben mit großem persönlichen Engagement einbringen, beruflich wie ehrenamtlich. 

Wie lautet die Botschaft des Gottesdienstes und des CSD-Wochenendes?

Adam: „Mehr Himmel auf Erden“ ist das Motto des Gottesdienstes. Es ist Bitte, Verheißung und kirchenpolitische Forderung zugleich. Wir wollen nicht verschweigen, dass queere Menschen in der Kirche Verletzungen erfahren haben und dass es bis heute unterschiedliche theologische Auffassungen gibt. Zugleich fragen wir: Wie kann Kirche ein Ort sein, an dem mehr Würde, mehr Freiheit und mehr Zugehörigkeit erfahrbar werden? Queere Menschen werden im Gottesdienst davon erzählen, was sie sich konkret für eine queersensible Kirche wünschen. So versteht sich das Wochenende insgesamt auch als Einladung, gemeinsam Zukunft zu gestalten im Sinne des CSD-Gesamtmottos: Wir schreiben Zukunft. Gleichberechtigt. Selbstbestimmt. Queer. 

Ist das Angebot nur für queere Menschen gedacht?

Adam: Keineswegs. Alle Veranstaltungen sind offen für alle. Queersensibel heißt nicht, eine Parallelgesellschaft zu bilden, sondern Räume, in denen Menschen sie selbst sein dürfen und einander in ihrer Würde achten. Das bedeutet mehr Freiheit für alle. Und gerade darin liegt etwas Verbindendes. Ob im Gottesdienst, beim anschließenden Sektempfang in der Marktkirche, in der Fußgruppe bei der Demonstration oder bei der Unterstützung im Hintergrund: Es gibt viele Möglichkeiten, mitzumachen. Und genau das ist das stärkste Signal dieses Wochenendes: Kirche spricht nicht nur über Vielfalt, sondern lebt sie gemeinsam.

Der Gottesdienst findet am Freitag, 22. Mai, um 18 Uhr in der Marktkirche Hannover statt.

EMA