Experten haben ihre Stellungnahmen zum Lehrplan des Schulfachs Christliche Religion abgegeben. Darin geht es auch um die Gewichtung christlicher Themen. Die Kritik, Jesus komme im Entwurf zu wenig vor, hatte bereits für Diskussionen gesorgt.
Osnabrück, Hannover. Experten und Verbände haben nach einem Zeitungsbericht rund 135 Änderungswünsche zu den bisher bekannten Lehrplanentwürfen zum neuen Schulfach „Christliche Religion“ beim niedersächsischen Kultusministerium eingereicht. Dies teilte das niedersächsische Kultusministerium am Freitag auf Nachfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd) mit. Demnach gaben Lehrerverbände, Vereine, Institutionen und Privatpersonen bis zum Ende der Anhörungsfrist am 31. März rund 30 Stellungnahmen zum neuen Schulfach ab. Die „Neue Osnabrücker Zeitung“ hatte am Freitag zuerst darüber berichtet.
Sieben Stellungnahmen greifen den Angaben zufolge ausdrücklich oder implizit „Fragen der christologischen Profilierung des Curriculums“ auf. In einigen gehe es zudem um die Ausrichtung des Faches hinsichtlich einer Öffnung für andere Religionen. Ähnliche Kritik an einem Übergewicht nicht-christlicher Themen hatte bereits im März für Diskussionen gesorgt. Der Verband katholischer Religionslehrkräfte im Bistum Hildesheim kritisierte etwa breite „Leerstellen“ im Blick auf Zeit und Umwelt von Jesus von Nazareth und zum Thema Dreifaltigkeit. Der Bundesverband distanzierte sich jedoch von der Kritik seines Hildesheimer Partnerverbandes.
Der evangelische Religionspädagogik-Professor Andreas Kubik-Boltres von der Universität Osnabrück sagte am Freitag dem epd, der Entwurf setze eine „schleichende Gewichtsverlagerung“ in den religionspädagogischen Lehrplänen der letzten Jahrzehnte nur fort. Es handle sich um keinen Paradigmenwechsel, sondern nur um einen weiteren Schritt. Mehr als früher beziehe der Lehrplan Inhalte anderer Religionen und gesellschaftliche Themen ein. Er sei jedoch „klar und eindeutig“ als Lehrplan für „Christliche Religion“ erkennbar, betonte der Professor in einer Stellungnahme auf der Website der Universität.
Ebenfalls am Freitag kündigte die Universität Osnabrück eine Studie zum neuen Schulfach an. Der katholische Religionspädagoge Jan Woppowa erläuterte laut Mitteilung der Hochschule, gegenüber dem bisher üblichen Religionsunterricht verfolge das Schulfach „neue Ziele wie etwa eine stärker ausgeprägte und unterrichtlich sichtbare konfessionelle Differenzsensibilität einerseits und Ökumenizität andererseits, bis hin zu einer völlig neuen Lehrplanentwicklung“. Zusammen mit Wissenschaftlern aus Göttingen wolle er die Umsetzung des Faches im Schulalltag in den ersten zwei Jahren wissenschaftlich begleiten.
Ministerium will Hinweise prüfen
Das Ministerium teilte in seiner Antwort mit, es werde die vorgebrachten Hinweise im weiteren Verfahren in enger Abstimmung mit den Kirchen sorgfältig prüfen. Dabei verantworteten die Kirchen die theologischen Fachinhalte, während das Kultusministerium für die schulfachliche und curriculare Ausgestaltung im staatlichen Bildungssystem zuständig sei.
Das neue Fach „Christliche Religion“ soll im Sommer starten. Damit übernehmen die evangelische und die katholische Kirche nach eigenen Angaben zum ersten Mal in Deutschland gemeinsam die Verantwortung für den Religionsunterricht. Die Landesregierung hatte Ende Februar Entwürfe der Lehrpläne für die Grundschule und den Sekundarbereich I veröffentlicht und Fachleute zur Stellungnahme eingeladen.