Zwischen Flügeln und Wurzeln
Viele Jugendliche stehen unter schulischem und anderem Druck. Beim Aktionstag des Landesschülerrats stand deshalb das Thema mentale Gesundheit im Mittelpunkt. Ein Team der Landeskirche führte an seinem Infostand viele gute Gespräche – ein besonderer Anziehungspunkt war der „Selfie-Engel“.
Hannover. Mehr als 470 Schülervertreterinnen und -vertreter aus ganz Niedersachsen machten sich am Montag auf den Weg nach Hannover, um am landesweiten Aktionstag des Landesschülerrats teilzunehmen – trotz der Erschwernisse durch den Streik im öffentlichen Nahverkehr. Unter dem Leitwort „mental health“ standen Mitarbeitende der Landeskirche Hannovers auf dem „Markt der Möglichkeiten“ als Ansprechpersonen für die Themen und Sorgen junger Menschen zur Verfügung.
Das Motto des Tages war dabei weit mehr als ein theoretischer Programmpunkt, es spiegelte sich in den kirchlichen Aktionen und persönlichen Begegnungen wider, in denen deutlich wurde, wie sehr Jugendliche heute nach Wegen suchen, um im Druck des Alltags nicht starr oder flügellahm zu werden.
Ein besonderer Anziehungspunkt am Stand der Landeskirche war der sogenannte „Selfie-Engel“, der im Religionspädagogischen Institut Loccum entwickelt und von einer Berufsschulklasse handwerklich umgesetzt wurde. Hier konnten die Besucherinnen und Besucher für einen Moment symbolisch Flügel anlegen und zum Engel werden. Ein spielerisches Angebot, das zugleich die leise Ahnung vermittelte, dass im eigenen Leben oft mehr Potenzial steckt, als es sich im Moment der Überforderung anfühlt.
Sorgen schreddern, Mut finden
Direkt daneben wurde es stiller und persönlicher. Unter dem Aufruf „Lass los, was dich belastet“ schrieben viele Jugendliche ihre Sorgen auf, um sie anschließend bildgewaltig in einem Aktenvernichter zu schreddern. Dieser Akt des bewussten Loslassens schaffte Raum für neuen Zuspruch, den viele in Form von bunten Karten mit mutmachenden Bibelversen mit in ihren Alltag nahmen. Wobei einige Jugendliche dort sogar ihren eigenen Tauf- oder Konfirmationsspruch wiederentdeckten und so einen Moment unerwarteter Verbindung erlebten.
Ein weiteres kraftvolles Bild für die persönliche Entwicklung bot die Aktion „Lass Hoffnung wachsen“. Die Schülerinnen und Schüler konnten Bohnen eintopfen, in die die Botschaft „mental growth“ eingelasert war. Mit jedem Tag, an dem die Pflanze keimt, wird die Botschaft sichtbar – ein Sinnbild dafür, dass Wachstum Zeit benötigt und oft im Verborgenen beginnt. In den daraus entstehenden Gesprächen auf Augenhöhe ging es um Leistungsdruck, Zukunftsfragen und Zweifel.
Kirche auf Augenhöhe
Auch Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Öffentlichkeit, darunter die Niedersächsische Kultusministerin Julia Willie Hamburg, suchten den Austausch vor Ort. Doch das Herzstück des Tages blieben die individuellen Begegnungen.
Die Landeskirche zieht eine positive Bilanz aus dem Aktionstag. „Junge Menschen suchen intensiv nach Halt, Orientierung und geschützten Räumen, um sich zeigen zu können“, sagte Michaela Veit-Engelmann als Vertreterin der Bildungsabteilung. „Als Kirche haben wir den Auftrag, dort präsent zu sein, wo Menschen im Vertrauen darauf wachsen dürfen, dass sie sowohl Flügel als auch Wurzeln brauchen.“