Schau zeigt religiöses Leben im Kriegsgefangenenlager Sandbostel

Sandbostel Gedenkstätte

Auch Kriegsgefangene finden im Glauben Halt und Hoffnung. Unter welchen Bedingungen dies im NS-Kriegsgefangenenlager Sandbostel möglich war, und wem dieser Trost verweigert wurde, zeigt ab Donnerstag eine Sonderausstellung in der Gedenkstätte.

Info

Die Gedenkstätte Lager Sandbostel ist von Montag bis Freitag von 9 Uhr bis 16 Uhr und am Sonntag von 11 Uhr bis 17 Uhr geöffnet.

Sandbostel/Kreis Rotenburg. Die Gedenkstätte Lager Sandbostel eröffnet an diesem Donnerstagabend (23. April) eine Sonderausstellung mit dem Titel „Was trägt, wenn alles fehlt?“ Die Schau beleuchte, unter welchen Bedingungen die religiöse Praxis im Lager möglich war und wo und wie sie eingeschränkt oder unterbunden wurde, teilte die Gedenkstätte am Montag mit.

Zwar hätten auch im Zweiten Weltkrieg internationale Abkommen geregelt, dass Gefangene ihre Religion ausüben können. In der Realität sei dies jedoch stark von Nationalität, Rang und politischer Einstufung der Gefangenen abhängig gewesen, hieß es.

Religiöses Leben unter Lagerbedingungen

Anhand von Fotografien, Zeitzeugenberichten und Objekten – darunter religiöse Kleinfunde aus dem Offizierslager, Darstellungen der Madonna sowie liturgischer Gegenstände – werde sichtbar, wie vielfältig das religiöse Leben unter Lagerbedingungen war. Dazu zählten gemeinsame Gottesdienste, Chöre, Gebete und improvisierte Altäre. Sie hätten den Kriegsgefangenen Halt gegeben und geholfen, die Hoffnung zu bewahren.

Im NS-Lager Sandbostel waren mehr als 300.000 Kriegsgefangene aus über 55 Nationen interniert, darunter mehr als 70.000 Soldaten der Roten Armee. Tausende Gefangene starben im Lager und seinen Arbeitskommandos an Entkräftung, Hunger und Mangelerkrankungen. Die genaue Zahl ist bis heute nicht bekannt. Am 29. April 1945 befreite die britische Armee etwa 14.000 Kriegsgefangene und 7.000 KZ-Häftlinge aus dem Lager.

epd Niedersachsen-Bremen