Hannover, Hildesheim. Evangelische und katholische Predigten haben zu Ostern das Lebensbejahende der biblischen Osterbotschaft betont. Landesbischof Ralf Meister hob in der Marktkirche in Hannover die Kraft der Rituale hervor. „Sie helfen mir, mit diesen unglaublichen Fragen von Christi Auferstehung umzugehen“, sagte der Landesbischof.
Es werde keine neuen Beweise dafür geben, ob Christus tatsächlich auferstanden sei. „Doch in vielem spielen wir in der Erinnerung und der Wiederholung diesen Glauben Jahr um Jahr in unser Leben neu hinein.“ Während zu Weihnachten die Geburt Gottes in der Welt gefeiert werde, stehe das Osterfest für die Neugeburt des Menschen in Gott.
Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer, nannte das Osterfest eine „Rebellion gegen den Tod“. Jesus Christus sei nicht nur ein gesellschaftlicher Rebell gewesen, sondern habe vor allem dem Tod eine Absage erteilt und dafür sein Leben gegeben, unterstrich Wilmer laut Redemanuskript in seiner Predigt im Hildesheimer Mariendom. Die Osterbotschaft sei eine Zusage, insbesondere für Menschen in Not und Bedrängnis, betonte der Hildesheimer Bischof.
Wer Ostern feiere, dürfe sich mit der Macht des Todes nicht abfinden: weder auf Schlachtfeldern noch an Grenzen, weder in der Verrohung der Sprache noch in der Zerstörung der Schöpfung, sagte der Oldenburger Bischof Thomas Adomeit in der St.-Lamberti-Kirche in Oldenburg. „Wir erleben Kriege und Vertreibung“, erläuterte Adomeit, der auch Ratsvorsitzender der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen ist. „Wir erleben, wie die Schöpfung unter Druck gerät.“ Doch Ostern sei der Widerspruch Gottes gegen alles, was Leben zerstöre.
Der Bremer Kirchenpräsident Bernd Kuschnerus sieht Ostern als „Gegenbewegung zu den Kräften des Todes in dieser Welt“. Diese Bewegung könne Menschen zum aktiven Handeln befähigen, sagte der evangelische Theologe in der Bremer Melanchthonkirche. „Wir dürfen nicht schweigen, wenn Mächtige das Recht des Stärkeren propagieren und denken, sie könnten sich mit Gewalt nehmen, was sie wollen“, betonte er: „Wir können auch nicht einfach zusehen, wenn Einzelne oder ganze Menschengruppen ausgegrenzt werden.“
Aus Sicht des stellvertretenden Braunschweiger Landesbischofs Thomas Hofer ist die Osterbotschaft vom Sieg des Lebens über den Tod ein „radikaler Neuansatz im Denken, Fühlen, Hoffen und Bewerten“. Noch am Karfreitag hätten die „Gewaltmenschen“ mit der Hinrichtung Jesu für vermeintlich klare Verhältnisse gesorgt, indem sie die Jesus-Bewegung zerschlagen und so demonstriert hätten, wer das Sagen habe. Doch an Ostern zeige sich, dass militärische Macht und politische Taktiererei nur einen „Schein-Sieg“ errungen hätten, sagte der evangelische Theologe laut Redemanuskript in seiner Predigt im Braunschweiger Dom.
Der Osnabrücker katholische Bischof Dominicus Meier rief in der Osternacht dazu auf, Ostern als einen persönlichen und gesellschaftlichen „Übergang zum Leben“ zu sehen. Es gehe um einen mutigen Aufbruch heraus aus Angst, Isolation und Resignation hin zu neuem Leben, sagte er im Osnabrücker Dom.