Loccum. Viele pädagogische Fachkräfte kennen die Fragen, die den Ausgangspunkt dieser Fortbildung bildeten: Wie nehmen wir die großen Fragen und Themen der Kinder auf, die mitten im Alltag auftauchen? Wie erzählen wir biblische Geschichten so, dass sie nicht nur gehört, sondern erlebt werden? Und wie gestaltet man religiöse Bildung in einer evangelischen Kita, in der Kinder und Familien mit ganz unterschiedlichen religiösen Bezügen zusammenkommen?
Die Langzeitfortbildung bot Raum, diese und viele andere Fragen nicht nur theoretisch zu diskutieren, sondern sie praktisch zu erproben. Der Kurs wird gemeinsam vom Diakonischen Werk evangelischer Kirchen in Niedersachsen (DWiN) und dem Religionspädagogischen Institut Loccum (RPI) durchgeführt. Die Teilnehmenden setzen sich mit kindgerechten Zugängen zu Religion auseinander, reflektieren ihre eigene Haltung und entwickeln Methoden, die im Kita-Alltag tragfähig sind. Dabei geht es immer wieder darum, wie religiöse Bildung heute aussehen kann: dialogisch, wertschätzend, kreativ und nah an den Lebenswelten der Kinder.
Der Abschluss der Langzeitfortbildung wurde mit einem lebendigen Gottesdienst gefeiert, den die Absolvent*innen vorbereitet hatten. Anschließend erhielten die Teilnehmenden in einem feierlichen Rahmen ihre Zertifikate vom Diakonischen Werk und vom RPI Loccum.
Neue Impulse für die Praxis
Im Mittelpunkt der berufsbegleitenden Qualifizierung standen zentrale Fragen der religiösen Bildung im Elementarbereich: kindliche Gottesbilder und ihre Entwicklung; religiöse Ausdrucksformen von Kindern und vielfältige Methoden, um Glauben im Kita-Alltag kindgerecht zu gestalten.
Nicole Rüter vom Diakonischen Werk resümiert, die Absolvent*innen seien nun „Impulsgeber*innen und Expert*innen für religiöse Bildung“ in ihren Einrichtungen. Beeindruckend sei das Engagement der Fachkräfte – trotz der häufig schwierigen Rahmenbedingungen, ergänzt Gert Liebenehm-Degenhard vom RPI.
Wie vielfältig diese Expertise in den Kitas umgesetzt wird, zeigt sich bereits jetzt: Einige Teilnehmende gestalten Studientage zu religiösen Themen für ihre Teams. Andere feiern Andachten mit Kindern und begleiten Kolleg*innen, die sich daran herantasten möchten. Wieder andere entwickeln neue Formate, die Kindern Raum für eigene religiöse Erfahrungen geben. Ein Beispiel dafür ist die neu eingeführte ‚Hallo Gott – Runde“: ein Impuls für Krippenkinder, um erste Begegnungen mit biblischen Geschichten zu ermöglichen. „Damit werden auch den jüngsten Kindern erfahrungsorientierte Zugänge zu Spiritualität und Glauben eröffnet“, wie Gert Liebenehm-Degenhard vom RPI Loccum betont.
Ziele: Stärkung und Weiterentwicklung
Die Fortbildung verfolgt zwei eng miteinander verbundene Ziele: Zum einen geht es darum, Fachkräfte zu stärken. Liebenehm-Degenhard und Rüter heben hervor, wie wertvoll es ist, die Motivation und Kompetenzen der pädagogischen Mitarbeitenden zu fördern, damit sie religiöse Bildung im Kita-Alltag sicher und kreativ gestalten können. Zum anderen dient die Fortbildung dazu, Religionspädagogik in Kitas weiterzuentwickeln. Die Kita soll als religiöser Lern- und Lebensort neu entdeckt werden. Dazu gehört auch, die Zusammenarbeit zwischen Kita und Kirchengemeinde zu vertiefen und gemeinsam neue Wege religiöser Bildung zu gestalten.
Im Blick auf das Ziel der Landessynode „Anfänge im Glauben“ zu ermöglichen, „sind die evangelischen Kitas wichtige Player“, so Liebenehm-Degenhard.