Neue Pastorinnen für die Emmausgemeinde Hannover ordiniert

Zwei Frauen im Talar vor einer Kirche.
Bild: Meret Köhne

Hannover. In einem feierlichen Gottesdienst ordinierte Regionalbischof Friedrich Selter aus Osnabrück vergangenen Sonntag in der Herrenhäuser Kirche Emelie Tille und Linda Schmols zu Pastorinnen der Emmausgemeinde. Zahlreiche Gemeindemitglieder und Wegbegleiter der beiden Theologinnen waren zu der Zeremonie gekommen.

Tille und Schmols übernehmen in der Emmausgemeinde damit ihre erste Pfarrstelle- und das gemeinsam als Team. Zusammen mit Pastorin Annette Charbonnier, Pastor Olaf Koeritz, Superintendent Karl Ludwig Schmidt, Diakon Sascha von Poeppinghausen und Gemeindemanagerin Rebekka Hinze sind sie künftig für die Stadtteile Ledeburg, Stöcken, Schwarze Heide, Leinhausen und Herrenhausen zuständig.

Für Emelie Tille begann der Weg in den Pfarrberuf bereits in ihrer Jugend. Die heute 30-Jährige, die in Zeven geboren und aufgewachsen ist, kam während einer Freizeit erstmals mit dem Beruf in Berührung. „Die Eltern meiner Freundin Esther waren beide Pastoren. Sie haben mir viel aus ihrem Arbeitsalltag erzählt und alle meine Fragen beantwortet. So bin ich zum ersten Mal mit dem Beruf in Kontakt gekommen“, berichtete sie.

Tille studierte Evangelische Theologie in Heidelberg und Göttingen. Besonders reizvoll fand sie dabei die Vielfalt der Aufgaben: „Es hat mich fasziniert, dass der Beruf einer Pastorin all die Facetten des menschlichen Lebens abbildet – von der Wiege bis zur Bahre.“ Nach dem Studium absolvierte sie ihr Vikariat in der Timotheusgemeinde in Hannover-Waldheim/Waldhausen und arbeitete ein Jahr lang als Schulpastorin an der Anna-Siemsen-Berufsschule. Dort wurde ihr bewusst, wie wichtig neue Zugänge zur Kirche sind: „Die Arbeit mit den jungen Erwachsenen hat mir klar gemacht, wie sehr das übliche kirchliche Angebot oft von den Bedürfnissen der Menschen abrückt.“

Auch Linda Schmols bringt vielfältige Erfahrungen mit in ihre neue Aufgabe. Die 1993 in Hoya an der Weser geborene Theologin wuchs in Bruchhausen-Vilsen auf. Während ihrer Schulzeit absolvierte sie dort ein Praktikum bei einem Pastor und begann, sich intensiver mit ihrem Glauben auseinanderzusetzen. „In meiner Konfirmandenzeit habe ich mich gefragt: Warum bist du eigentlich Christin?“, erinnerte sie sich. Antworten suchte sie zunächst in der evangelischen Jugendarbeit und später im Theologiestudium in Göttingen.

Schmols engagierte sich bereits während des Studiums praktisch in der Gemeindearbeit, leitete Jugendfreizeiten und sammelte internationale Erfahrungen bei einem Gemeindepraktikum in Südafrika. „Mir ist die Verbindung aus Theorie und Praxis immer schon wichtig gewesen“, sagte sie. Ihr Vikariat absolvierte sie in der St.-Michaelis-Kirchengemeinde in Bissendorf, anschließend arbeitete sie im Team „Spiritualität“ der Evangelischen Agentur mit den Schwerpunkten Innovation, Kirchenentwicklung und Glaubenskommunikation.

Gemeinsam mit Emelie Tille entwickelte sie bereits vor ihrem Amtsantritt ein neues Format: das Projekt „Licht&Beton“. Das Gesprächs- und Gemeinschaftsangebot richtet sich an Menschen zwischen 30 und 40 Jahren, die nach Orientierung im Alltag suchen. „Wir haben uns zu Stadtteilspaziergängen getroffen und sind in unseren Gesprächen auf die Suche gegangen nach Spiritualität im Alltag“, erklärte Tille. Schmols ergänzte: „Bei den Gruppentreffen ergründen wir gemeinsam, wie man eigentlich Kirche ohne Kirchgebäude sein kann.“

Diese Frage dürfte auch in der Emmausgemeinde eine wichtige Rolle spielen. In den vergangenen Jahren hat sich dort vieles verändert: Pastor Gerd Peter aus Stöcken ging im Oktober in den Ruhestand, die Bodelschwinghkirche in Ledeburg wurde bereits Anfang 2023 abgerissen, und Anfang 2024 fusionierten die Gemeinden Ledeburg-Stöcken und Herrenhausen-Leinhausen zur heutigen Emmaus-Kirchengemeinde.

Für die beiden neuen Pastorinnen steht deshalb besonders die Arbeit im Stadtteil im Mittelpunkt. „Es wird darum gehen, wie wir die Menschen in den Stadtteilen in all ihrer Unterschiedlichkeit einbeziehen können“, sagte Tille. Schmols verwies zugleich auf die schwierige finanzielle Lage der Kirche: „Bei all den Sparzielen und dem finanziellen Druck wird es umso wichtiger sein, sich dennoch an den Menschen vor Ort zu orientieren.“

Trotz der Herausforderungen blicken beide mit Vorfreude auf ihre neue Aufgabe. „Wir wollen Netze bilden, die Halt geben und im Leben tragen. Dass wir das beruflich machen dürfen, ist ein Geschenk“, betonten die beiden Pastorinnen.

Der Gottesdienst wurde musikalisch von der Kantorei und dem Chor „Capella Vocale“ unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor Harald Röhrig gestaltet. Im Anschluss kamen Gäste und Gemeinde bei einem Empfang in der Kirche miteinander ins Gespräch.

Meret Köhne/Sprengel Hannover