Lies warnt vor Resignation in Krisenzeiten

Eine männlich zu lesende Person steht an einem Redepult und spricht zu Menschen, die an einem festlich gedeckten Tisch sitzen.
Bild: Jens Schulze/Landeskirche Hannovers

Kriege, Zukunftsängste, soziale Sorgen: In einer Predigt in Heersum fordert Ministerpräsident Olaf Lies entschlossenen Einsatz für Menschenwürde und Zusammenhalt.

Heersum. Angesichts zunehmender gesellschaftlicher Krisen hat der niedersächsische Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) dazu aufgerufen, sich Resignation und Fatalismus entschieden entgegenzustellen. Kriegerische Auseinandersetzungen habe es immer gegeben, sagte der Politiker am Sonntag in der „Kanzelpredigt“ in der evangelischen Kirche St.-Urbani in Heersum bei Hildesheim: „Doch heute rücken diese Schrecken geografisch näher an uns heran und zugleich erleben wir mit wachsender Sorge, wie schnell Konflikte unerwartet an Schärfe und Brisanz gewinnen.“

Auch in Deutschland seien Menschen verunsichert und sorgten sich um die wirtschaftliche Entwicklung, den Zustand von Schulen und Krankenhäusern, um steigende Preise und darum, ob die Pflege in Zukunft bezahlbar bleibe, sagte Lies laut Redemanuskript. „Und bei Kindern und Jugendlichen beobachten Medizinerinnen und Psychologen eine besorgniserregende Zunahme von Zukunftsängsten und Depressionen.“ Diese Sorgen seien Türöffner für Organisationen und Parteien, die mit vermeintlich einfachen Antworten Wut und Hass schürten, sodass Abwertung und Ausgrenzung wachsen könnten.

Verlässlicher Partner des Staats

Die Gesellschaft brauche gegenwärtig einen unbedingten Glauben an die Veränderbarkeit der Welt, die Hoffnung auf eine bessere Zukunft und die Kraft der Nächstenliebe, unterstrich Lies. All das entstehe in der Begegnung mit anderen Menschen. „In einer Zeit, in der Individualisierung allzu leicht in Vereinzelung umschlägt, braucht es Orte, an denen Menschen erfahren können, dass es besser ist, etwas gemeinsam zu tun, statt alleine.“

Gerade in diesen Zeiten sei der Austausch von Staat und Kirche umso wichtiger, betonte der Ministerpräsident. „Die Kirchen gehören zu den großen Wertegemeinschaften, die nicht nur von Werten sprechen, sondern diese auch leben und fördern.“ Die Kirchen blieben für viele Menschen ein Vorbild und seien ein verlässlicher Partner des Staates bei der Bewältigung sozialer Herausforderungen.

Kirche soll sich einmischen

Der Politiker wandte sich gegen die Kritik, dass die Kirche sich nicht in politisch-gesellschaftliche Debatten einbringen dürfe. „Ich erwarte, dass die Kirche sich einmischt – wenn Menschenwürde angegriffen wird, wenn Ausgrenzung salonfähig werden soll, wenn Antisemitismus und Hass wachsen.“ Er begrüße die klare Haltung, mit der die Kirchen sich gegen Populismus, Hass und Hetze und für Mitgefühl und Mitmenschlichkeit einsetzten. „Sie stehen nicht für Macht oder Vorteil, sondern für die Menschen, für Gerechtigkeit und Frieden.“

epd Niedersachsen-Bremen