Bildung soll alle Generationen im Blick haben

Serie: Was macht eigentlich die Landessynode? / Interview mit Johanna Schröder
Eine weiblich gelesene Person mit kurzen, blonden Haaren und Brille.
Bild: Jens Schulze/Landeskirche Hannovers

Frau Schröder, Sie scheiden nach zwölf Jahren aus der Synode aus. Wie blicken Sie auf diese Zeit?

Johanna Schröder: Es war eine sehr spannende Zeit, in den beiden Legislaturperioden der Synode, in der ich die Landeskirche intensiv kennengelernt habe. Es macht vieles einfacher, wenn man die Zusammenhänge hinter vielen Dingen kennt. Die 26. Landessynode war gerade am Anfang durch Corona geprägt, es gab digitale Treffen oder solche auf Einzelstühlen mit Glaswänden dazwischen – da kreative Ideen zu entwickeln, war teils nicht so einfach.

Im Bildungsausschuss war aber gerade die Corona-Zeit eine intensive Zeit, wir haben zum Beispiel die Bildungsräume entwickelt. Gemeinden und Einrichtungen wurden gefördert, die in Corona-Zeiten Hausaufgabenhilfe angeboten haben. Ich denke, das war ein wunderbares Angebot, damit Schülerinnen und Schüler nicht abgehängt wurden und zusammenkommen konnten. Das waren immer kooperative Angebote zusammen mit Schulen, der Diakonie und Anbietern vor Ort. Es war ein schöner Erfolg, dass die Landeskirche das mitgetragen hat.

Welche Entwicklungen bleiben Ihnen im Kopf?

Schröder: Ein Thema, das sich durch beide Synode gezogen hat, war die FIT, die Fachhochschule für Interkulturelle Theologie in Hermannsburg. 2012 wurde sie als Hochschule anerkannt, die interkulturelle Theologie hat sich als Studiengang entwickelt. Dann reichten die Gelder aber nicht für die Erhaltung der Gebäude in Hermannsburg und die sonstigen Kosten, alles stand in Frage. Glücklicherweise hat sich dann aber die Zusammenarbeit mit der Uni Göttingen ergeben, die „Intercultural Theology“ nun als Bachelor- und Master-Studiengang anbietet. Dieser Studiengang und damit das wichtige Thema der interkulturellen Theologie hat also weiterhin einen guten Ort, das wurde geschafft. 

Auch die Einführung des Christlichen Religionsunterrichts (CRU) haben wir begleitet. Der CRU wird von den evangelischen Landeskirchen und den katholischen Bistümern in Niedersachsen gemeinsam verantwortet. Katholische und evangelischen Schülerinnen und Schüler haben künftig gemeinsam christlichen Religionsunterricht. Als Ausschuss freuen wir uns und sind stolz, dass der CRU zum nächsten Schuljahr kommt.

Bei allen Bemühungen war uns im Ausschuss immer wichtig, dass sich Bildung nicht nur auf Kinder und Jugendliche bezieht, sondern ein lebenslanger Prozess ist. Kirche sollte für alle Generationen Angebote haben. Bildung in der Kirche ist vielfältig, letztlich ist jede Kantorei und jeder Posaunenchor Bildungsarbeit. Auch Treffen für Seniorinnen und Senioren können viel mehr als reines Kaffee trinken sein, manche Gemeinden legen Seminarreihen auf, bieten Studienreisen an oder Ausflüge zu Museen und ähnliches. Das hält fit und kann Einsamkeit verhindern.

Wie beurteilen Sie, wo wir in Sachen Bildung als Landeskirche insgesamt stehen?

Schröder: Bildung ist für uns als lutherische Kirche grundlegend. Bildung ermöglicht es uns Menschen selbst, die Gesellschaft und die Welt besser zu verstehen und teilhaben zu können. Bildung verstehen wir dabei als lebenslange Aufgabe. Insofern hat die Bildungsarbeit in unserer Kirche einen großen Stellenwert. Wir sind da recht gut aufgestellt. Es geht immer noch mehr, aber wir haben sechs Evangelische Schulen und es gibt diakonische Schulen. Kirchliche Bildung beginnt bei uns schon in den Kitas, geht weiter durch den Religionsunterricht, über Angebote in Kirchenkreisen und Gemeinden, in der Evangelischen Erwachsenenbildung (EEB) und den Familien-Bildungsstätten (FaBis), es gibt Bildungsleuchttürme wie u.a. die Akademie Loccum, das ev. Bildungszentrum in Bederkesa oder das Religionspädagogische Institut Loccum (RPI). Wie sich die finanziellen Kürzungen auswirken werden, müssen wir schauen. Das Thema Bildung passt ja aber gut zu der Leitlinie des Zukunftsprozesses, „Anfänge im Glauben“ fördern zu wollen. 

Wie sollte es im Bildungsbereich weitergehen?

Schröder: Ich würde mir vom nächsten synodalen Bildungsausschuss wünschen, dass noch mehr darauf geachtet würde, wie Gemeinden und Kirchenkreise gut, individuell angepasst, unterstützt werden können, damit es Angebote für alle Generationen gibt. Da haben wir in letzten Jahren zu wenig gemacht. 

Was möchten Sie den neuen Synodalen oder generell Menschen, die Kirche mitgestalten wollen, mitgeben?

Schröder: Die nächste Synode braucht Neugierde und Kreativität, Mut zu Entscheidungen und Gottes Segen. Wir sehen jetzt schon die sich ändernde Finanzlage, aber die schmerzhaften und weitreichenden Entscheidungen trifft die nächste, die 27. Landessynode. Ich hoffe, dass alle zusammen, Synodale und auch alle anderen in unserer Kirche, gemeinsam nach Wegen in die Zukunft suchen. Ich wünsche mir, dass die vielen tollen Menschen, die es in unserer Kirche gibt, gemeinsam an einer lebendigen Kirche bauen. 

Christine Frank / EMA