Liebe steht mir besser. Im Herbst habe ich das Gefühl, dass sich meine Stimmung mit dem Wechsel der Jahreszeiten verändert. Wenn die Bäume ihre Kleidung verfärben, sich von Grün in Braun, Gelb und Rot verwandeln und die leuchtenden Blätter abwerfen, drücken dann nicht auch wir Menschen mit dem, was wir tragen, unsere Persönlichkeit und die Befindlichkeiten aus?
Im Herbst bringe ich meine Flipflops und dünnen Pashminas in den Keller, hole die warmen Stiefel und dicken Jacken nach oben. Die Temperaturen ändern sich, die Tage werden kürzer und ich bin tatsächlich auch ein bisschen anders als im Sommer. Nach den hellen und langen Abenden, den warmen Nächten an der Feuerschale, werden nachmittags die Kerzen angezündet und das Einigeln in Kuscheldecken beginnt. Wenn ich die gefühlte Leichtigkeit des Sommers gegen die Gemütlichkeit des Herbstes eintausche, sich meine Farben verändern wie die Blätter an den Bäumen, bleibt aber vieles gleich, egal, in welchen Mantel ich mich hülle.
Ob nun Sommertrenchcoat oder Winterjacke. Ich bleibe ich selbst, mit all meinen Krisen, Sorgen, aber auch mit meiner Freude und Dankbarkeit. Meine Beziehung zu Gott ziehe ich nicht an und aus wie saisonale Kleidung, im Gegenteil. In ihn und in seine Liebe bleibe ich stets eingehüllt, egal, ob in Hitze oder Eiseskälte. Die Bibel schenkt uns dazu im Predigttext für den 19. Sonntag nach Trinitatis ein Bild, das perfekt in diesen Monat passt. Der Sommer weicht, die bunte Pracht der Blätter im Herbst ist ein letztes Aufbäumen vor der Kahlheit der Äste im Winter. Die Natur legt ihren Mantel ab und traut sich, dem Winter in Kargheit zu trotzen. Und da sagt uns der Epheserbrief, dass wir den Menschen in uns, das, was wir nicht mehr sein wollen, auch ablegen dürfen wie einen alten Mantel. Wir können und dürfen uns in etwas anderes hineinbegeben, das viel schöner und leichter ist, als das, was uns schwer auf den Schultern lastet.
Gott kennt unser dunkles Ich, das wir so gerne verstecken. Die Seite in uns, die böse Worte denkt oder sagt. Wo wir einfach hoffen, dass der Mantel, in den wir uns hüllen, all das verschluckt. Damit wir nicht als das dastehen, was wir manchmal sind: wütend, zornig, aufgeladen, unfair. Während draußen die Natur ihre Pracht abgeben muss, will Gott uns etwas schenken. Er will uns helfen, die schweren Mäntel aus Bitterkeit und bösen Worten abzulegen. Er lässt uns dabei aber nicht zitternd in der Kälte stehen. Er vergibt und umhüllt uns mit Leichtigkeit und Wärme, damit wir mit Liebe und Mut unsere guten Seiten in die Welt tragen.
Amen.
Epheser 4,22–32