Gottes Liebe steht mir...

Andacht zum 19. Sonntag nach Trinitatis
An einer Kleiderstange hängen viele bunte Klamotten.
Bild: adisa/Getty Images

Die Autorin

Eine Frau mit blonden Haaren.
Bild: privat
Pastorin Bianca Reineke ist Dozentin für Berufsbildende Schulen und Beauftragte für Öffentlichkeitsarbeit am RPI Loccum.

Liebe steht mir besser. Im Herbst habe ich das Gefühl, dass sich meine Stimmung mit dem Wechsel der Jahreszeiten verändert. Wenn die Bäume ihre Kleidung verfärben, sich von Grün in Braun, Gelb und Rot verwandeln und die leuchtenden Blätter abwerfen, drücken dann nicht auch wir Menschen mit dem, was wir tragen, unsere Persönlichkeit und die Befindlichkeiten aus?

Im Herbst bringe ich meine Flipflops und dünnen Pashminas in den Keller, hole die warmen Stiefel und dicken Jacken nach oben. Die Temperaturen ändern sich, die Tage werden kürzer und ich bin tatsächlich auch ein bisschen anders als im Sommer. Nach den hellen und langen Abenden, den warmen Nächten an der Feuerschale, werden nachmittags die Kerzen angezündet und das Einigeln in Kuscheldecken beginnt. Wenn ich die gefühlte Leichtigkeit des Sommers gegen die Gemütlichkeit des Herbstes eintausche, sich meine Farben verändern wie die Blätter an den Bäumen, bleibt aber vieles gleich, egal, in welchen Mantel ich mich hülle.

Ob nun Sommertrenchcoat oder Winterjacke. Ich bleibe ich selbst, mit all meinen Krisen, Sorgen, aber auch mit meiner Freude und Dankbarkeit. Meine Beziehung zu Gott ziehe ich nicht an und aus wie saisonale Kleidung, im Gegenteil. In ihn und in seine Liebe bleibe ich stets eingehüllt, egal, ob in Hitze oder Eiseskälte. Die Bibel schenkt uns dazu im Predigttext für den 19. Sonntag nach Trinitatis ein Bild, das perfekt in diesen Monat passt. Der Sommer weicht, die bunte Pracht der Blätter im Herbst ist ein letztes Aufbäumen vor der Kahlheit der Äste im Winter. Die Natur legt ihren Mantel ab und traut sich, dem Winter in Kargheit zu trotzen. Und da sagt uns der Epheserbrief, dass wir den Menschen in uns, das, was wir nicht mehr sein wollen, auch ablegen dürfen wie einen alten Mantel. Wir können und dürfen uns in etwas anderes hineinbegeben, das viel schöner und leichter ist, als das, was uns schwer auf den Schultern lastet.

Gott kennt unser dunkles Ich, das wir so gerne verstecken. Die Seite in uns, die böse Worte denkt oder sagt. Wo wir einfach hoffen, dass der Mantel, in den wir uns hüllen, all das verschluckt. Damit wir nicht als das dastehen, was wir manchmal sind: wütend, zornig, aufgeladen, unfair. Während draußen die Natur ihre Pracht abgeben muss, will Gott uns etwas schenken. Er will uns helfen, die schweren Mäntel aus Bitterkeit und bösen Worten abzulegen. Er lässt uns dabei aber nicht zitternd in der Kälte stehen. Er vergibt und umhüllt uns mit Leichtigkeit und Wärme, damit wir mit Liebe und Mut unsere guten Seiten in die Welt tragen.

Amen.

Biblischer Text,
Epheser 4,22–32
Legt von euch ab den alten Menschen mit seinem früheren Wandel, der sich durch trügerische Begierden zugrunde richtet. Erneuert euch aber in eurem Geist und Sinn und zieht den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit. [Weisungen für das neue Leben] Darum legt die Lüge ab und redet die Wahrheit, ein jeder mit seinem Nächsten, weil wir untereinander Glieder sind. Zürnt ihr, so sündigt nicht; lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen und gebt nicht Raum dem Teufel. Wer gestohlen hat, der stehle nicht mehr, sondern arbeite und schaffe mit eigenen Händen das nötige Gut, damit er dem Bedürftigen abgeben kann. Lasst kein faules Geschwätz aus eurem Mund gehen, sondern redet, was gut ist, was erbaut und was notwendig ist, damit es Gnade bringe denen, die es hören. Und betrübt nicht den Heiligen Geist Gottes, mit dem ihr versiegelt seid für den Tag der Erlösung. Alle Bitterkeit und Grimm und Zorn und Geschrei und Lästerung seien fern von euch samt aller Bosheit. Seid aber untereinander freundlich und herzlich und vergebt einer dem andern wie auch Gott euch vergeben hat in Christus.
Bianca Reineke