...das Wort Freiheit

Andacht zum 1. Sonntag nach Trinitatis
Ein Zaun aus Holz, zwischen den Latten sieht man etwas Garten.
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neu Jakob Kampermann
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Jakob Kampermann

... das Wort „Freiheit“.

Ein großes Wort ist das. Zu unserem Lebensgefühl, zu unseren neuzeitlichen Werten gehört es unbedingt dazu. Es geht dabei zunächst um die Möglichkeit, über sich selbst zu bestimmen und das persönliche Leben frei zu gestalten. Freiheit eines anderen einzuschränken, hat etwas mit Gewalt zu tun.

In den vergangenen Jahrhunderten und vor allem Jahrzehnten sind die persönlichen Freiheitsspielräume gewachsen. Das liegt zum Teil daran, dass allgemeinverbindliche Anschauungen und Traditionen zurückgetreten sind. Es gibt weniger feste Vorgaben und Maßstäbe für das, was die Einzelnen tun und wie sie sich verhalten. Das Geschlecht oder die soziale Herkunft geben nicht mehr automatisch vor, wie eine Biographie auszusehen habe. Oder ist das nur ein Ideal? Was ist es dann, das diese Freiheit einschränkt?

Da die Freiheitsspielräume gewachsen sind, wird es auf der anderen Seite für die einzelnen Menschen schwieriger, verantwortliche Entscheidungen wahrzunehmen. Manche fühlen sich dabei überfordert im Blick auf das Risiko, das mit den eigenen Entscheidungen verbunden ist. Darüber hinaus haben viele den Eindruck, sie könnten mit dem, was sie tun, gerade eine wichtige Chance verpassen. Eine Entscheidung – in Freiheit – zu fällen, bringt es mit sich, andere Möglichkeiten auszuschließen.

Frei zu sein bedeutet, verantwortlich zu sein: für mich selbst, für meine Entscheidungen und für deren Konsequenzen.

„Seht aber zu, dass diese Eure Freiheit für die Schwachen nicht zum Anstoß wird!“, schreibt Paulus im ersten Brief nach Korinth (8, 9).

Unser Glaube an Jesus Christus macht uns einerseits völlig frei von vielen Regeln und Einschränkungen. Deshalb müssen wir aber Freiräume und Maßregelungen immer wieder aushandeln. Insofern reiben wir uns aneinander, manchmal ist das auch angenehm.

Meine Freiheit ist beschränkt durch die Freiheit der anderen. Eine absolute Freiheit kann es im Miteinander gar nicht geben. Oder sie führt in die Isolation.

Wie erstrebenswert ist also Freiheit?

Grenzen selbstständig zu suchen und festzulegen, scheint in jedem Fall erstrebenswert. Und erhaltenswert.

Amen.

Biblischer Text,
Erster Brief nach Korinth 9,8
Seht aber zu, dass diese Eure Freiheit für die Schwachen nicht zum Anstoß wird!
Jakob Kampermann