Hannover. Die Landeskirche Hannovers muss künftig auf ihren bisherigen Pressesprecher Benjamin Simon-Hinkelmann verzichten. Seit dem 1. Juni ist er Gemeindepastor im Kirchengemeindeverband Neustadt-Nord. In einem – wenn auch leicht verregneten – Sommerfest konnten sich jetzt zunächst 200 Gäste von ihm verabschieden. Landesbischof Ralf Meister entpflichtete den 44-Jährigen dabei im Rahmen einer Andacht von seinem Amt. Am Sonnabend nun ehrte für die 27. Landessynode ihre Präsidentin Wencke Breyer Benjamin Simon-Hinkelmann, der auch für das Kirchenparlament zuständig war.
„Du warst 24/7 erreichbar, wenn es brannte, und hast auch dann noch zugehört, wenn es kompliziert wurde“, hatte Ralf Meister während des Sommerfestes gesagt. „Und manchmal warst du auch der, der mit einer gewissen norddeutschen Gelassenheit Dinge sortiert hat, wenn sie kurz davor waren, aus dem Ruder zu laufen. Was für ein Segen bist du gewesen!“
Simon-Hinkelmann kam 2015 in die Pressestelle der Landeskirche, zunächst als Stellvertreter von Johannes Neukirch, ab 2020 übernahm er die Leitung. Zusätzlich war er Pressesprecher der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen und stellvertretender Direktor der Evangelischen Medienarbeit (EMA). Zu seinen Aufgaben gehörte auch die Begleitung der Landessynode mit ihren Organen.
Der Landesbischof erinnerte daran, dass zwei große Krisen diese Zeit geprägt haben. Zum einen die Corona-Pandemie, zum anderen der Umgang mit dem Thema sexualisierte Gewalt in der Kirche. „Was Deine Arbeit geprägt hat, war nie nur die Rolle des Pressesprechers. Es war dein strategischer Blick, deine Klarheit im Denken, deine Zurückhaltung zur rechten Zeit und dein feines Gespür für Menschen.“
Ralph Charbonnier, Theologischer Vizepräsident und Mitglied im Verwaltungsrat der EMA, konnte dem nur beipflichten: „Benjamin Simon-Hinkelmann war ein Glücksfall für die Pressestelle und die Evangelische Medienarbeit: auch in unübersichtlichen Kommunikationslagen mit Überblick, wohl abgewogenen Überlegungen, klugen und besonnenen Schlüssen. Und das alles im Glauben an das Evangelium.“
Die Bevollmächtigte der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen, Kerstin Gäfgen-Track, wies darauf hin, dass Benjamin Simon-Hinkelmanns Stellenanteil für die Konföderation auf dem Papier nur zehn Prozent betragen habe. In der Praxis ging sein Einsatz weit darüber hinaus. „Ich konnte mich zu 100 Prozent auf Sie verlassen“, sagte Gäfgen-Track.
Für die Landespressekonferenz würdigte Niklas Kleinwächter (Politikjournal Rundblick) die Arbeit des Pressesprechers. Auch er lobte die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Benjamin Simon-Hinkelmann, das Übersetzen von Kirchen- und Behördensprech in verständliches Deutsch und seine besonnene und verlässliche Art.
In Doppelfunktion agierte Benjamin Simon-Hinkelmann zudem als stellvertretender Direktor der Evangelischen Medienarbeit. Dessen Direktor, Joachim Lau, brachte es für sich auf den Punkt: „Gut, dass er da war.“ Simon-Hinkelmann habe sich immer ausgezeichnet durch Präzision in der Planung und seine Klarheit in der Argumentation. „Ein gutes Gespür, wann Gelassenheit notwendig ist, gewürzt mit Humor und in steter Kollegialität.“
„Du hast mich nicht nur persönlich begleitet bei Medienanfragen“, sagte Wencke Breyer am Sonnabend vor der Landessynode. „Du warst auch immer Schnittstelle für die Landessynode und hast für einen guten Informationsfluss gesorgt zwischen allen leitenden Organen der Landeskirche.“ Breyer musste passen bei einer statistischen Benennung, wie viele Synodentagungen Simon-Hinkelmann begleitet oder wie viele Pressekonferenzen und Interviews er organisiert habe. Die Zahl sei zu groß, um sie wirklich zählen zu können. Simon-Hinkelmann konnte bei seinen Dankesworten vor der Synode jedoch eine Zahl sehr genau beziffern: Vor der Synode am Redepult habe er bis zu diesem Zeitpunkt des Dankes für die gute Zusammenarbeit noch nie gesprochen.
Die kommissarische Leitung der Pressestelle übernimmt nun zunächst die bisherige stellvertretende Pressesprecherin Rebekka Neander.