Seit dem 01. Juni 2026 läuft eine wissenschaftliche Studie zur Aufarbeitung von Fällen sexualisierter Gewalt durch einen ehemaligen Diakon aus der Landeskirche. Er wurde Ende 2002 vom Landgericht Hannover zu einer Freiheitsstrafe von 3 Jahren und 11 Monaten verurteilt. In dem Gerichtsverfahren ging es um unterschiedliche Konstellationen sexuellen Missbrauchs an Kindern und Jugendlichen sowie die Verbreitung pornografischer Schriften. Der ehemalige Diakon war in dem Zeitraum von 1989 bis 2002 in verschiedenen Gemeinden der Landeskirche in der Kinder- und Jugendarbeit tätig.
Der Fall-Komplex ist für die Landeskirche aber auch deshalb von besonderer Bedeutung, weil in der Berichterstattung zu der Zeit von bis zu 50 Taten an verschiedenen betroffenen Personen gesprochen wurde. Der Landeskirche sind bis heute nicht alle betroffenen Personen namentlich bekannt. Aufgrund des vermuteten Ausmaßes ist es nach bisheriger Kenntnis der Fall mit den meisten betroffenen Personen innerhalb der Landeskirche.
Die Landeskirche verspricht sich in dieser Hinsicht weitere Aufklärung durch die nun startende Studie. Vor diesem Hintergrund ist die nun in Auftrag gegebene externe Untersuchung ein weiterer wichtiger Schritt für die Landeskirche im Umgang mit sexualisierter Gewalt. Fachleute werden mit sozialwissenschaftlichen Methoden den organisationalen Umgang mit sexualisierter Gewalt und den betroffenen Personen in der jüngeren Geschichte der Landeskirche untersuchen.
Koordiniert und durchgeführt wird die Studie vom Institut für Praxisforschung und Projektberatung (IPP) in München. Die Untersuchung ist für 24 Monate geplant und beinhaltet die Durchführung und Auswertung von Interviews und die Analyse von Dokumenten. Die Leitung übernimmt Sephir Arden unter Mitarbeit von Dr. Peter Caspari und Isabella Bauer.
Wichtig ist u.a. die Dokumentation der von dem ehemaligen Diakon im Zuge seiner Tätigkeit in mehreren Gemeinden der Landeskirche verübten Taten. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf den Verantwortlichkeiten und Bedingungen, die die Taten in der Kinder- und Jugendarbeit ermöglichten, begünstigt oder nicht verhindert haben. Zudem wird es darum gehen, Schlussfolgerungen für Aufarbeitung, Prävention und Intervention in der Landeskirche Hannovers zu entwerfen sowie weitere Formen der Anerkennung für das geschehene Unrecht zu entwickeln.
Der Präsident des Landeskirchenamtes, Dr. Jens Lehmann, sagt: „Mit dem Institut für Praxisforschung und Projektberatung (IPP) haben wir eine hervorragende unabhängige Forschungseinrichtung für diese für uns so zentrale Aufarbeitungsstudie gefunden. Die zu vermutende große Zahl an betroffenen Personen durch einen einzigen Täter zeigt, wie wichtig gerade der Blick auf innerkirchliche Strukturen ist, die solche Taten nicht nur haben geschehen, sondern auch den Täter über lange Zeit haben gewähren lassen.“
Das IPP wird in den kommenden Monaten mindestens einen Aufruf veröffentlichen, der sich an Personen richtet, die sich zu dem Fallkomplex äußern möchten. Dabei kann es sich z. B. um Betroffene von sexualisierter Gewalt durch den ehemaligen Diakon, um Mitarbeitende der Landeskirche Hannovers oder um Zeitzeug*innen handeln. Ziel ist es, Menschen zu gewinnen, die bereit sind, ihre Erfahrungen in einem Interview mit dem IPP – unter Wahrung strenger Datenschutzrichtlinien – zu teilen.
Weitere Informationen und Kontaktmöglichkeit für alle, die einen Beitrag zur Aufarbeitung leisten möchten. Dies gilt auch für mediale Anfragen.
Kontakt IPP:
Institut für Praxisforschung und Projektberatung (IPP)
Ringseisstraße 8
80337 München
E-Mail: aufarbeitung-hannover@ipp-muenchen.de
Telefon: (089) 54359 77-0
Kontakt Fachstelle:
Fachstelle Sexualisierte Gewalt der Landeskirche
E-Mail: fachstelle.sexualisierte.gewalt@evlka.de
Internetseite der Fachstelle: https://praevention.landeskirche-hannovers.de/ueber-uns/vorstellung
Internetseite der Landeskirche: „Prävention Sexualisierter Gewalt“:
https://praevention.landeskirche-hannovers.de/
Hannover, 11. Juni 2026
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Rebekka Neander
Pressesprecherin (komm.)
Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers
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