Beginn des Fastenmonats Ramadan: Wort von Landesbischof Meister

Landesbischof Ralf Meister hat zum Beginn des Fastenmonats Ramadan an die Musliminnen und Muslime auf dem Gebiet der Landeskirche Hannovers geschrieben:

„Im Namen der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers wünsche ich Ihnen, Ihren Familien und allen Musliminnen und Muslimen in Niedersachsen einen gesegneten Ramadan.

In diesem Jahr beginnen die christliche und die muslimische Fastenzeit am selben Tag. Das kommt sehr selten vor. Es ist etwas ganz Besonderes. Wann war das zum letzten Mal so? Die KI sagt mir: 1919. Das nächste Mal wird es 2080 so sein. Das gemeinsame Fasten ist ein sichtbares Zeichen unserer Verbundenheit. Unsere Praxis unterscheidet sich. Sie haben klare, strenge Regeln. Wir evangelische Christinnen und Christen sind freier und entscheiden vieles individuell. Doch in der Sache und in vielen Grundfragen sind wir eng beieinander. Denn wir beziehen uns in unserem Fasten auf eine gemeinsame Wurzel, auf Abraham, Mose, Jesus und die Propheten.

Die evangelische Kirche wählt in jedem Jahr ein Motto für die Fastenzeit. In diesem Jahr lautet das Motto „Mit Gefühl! Sieben Wochen ohne Härte“. Ich habe die Schirmherrschaft für diese Aktion und werde sie am 22. Februar mit einem Gottesdienst in der St.-Albani-Kirche in Göttingen eröffnen.

Ich interpretiere das Motto so: Wir verzichten sieben Wochen lang auf den harten, oft gnadenlosen Umgang mit den Anderen. Wir schreiben keine gehässigen Kommentare auf Social Media. Wir verzichten darauf, andere zu beschimpfen. Wir hören auf damit, ihnen ins Wort zu fallen und immer schon zu wissen, was sie sagen werden. Wir achten in diesen Wochen in besonderer Weise auch auf uns selbst. Wir lassen Verletzlichkeit zu. Wir sind nicht hart mit uns selbst, nicht vor dem Spiegel und nicht im Gespräch mit unserem inneren Ich. Wir üben uns in einem mitfühlenden Umgang, mit uns selbst und mit Anderen.

In all dem setzen wir einen Kontrapunkt zur Härte unserer Zeit, die mich immer wieder aufs Neue irritiert und manchmal wirklich schockiert. Gelten internationale Regeln noch? Oder ist das vorbei, diese Zeit, in der wir dachten, dass wir auf einem guten Weg sind zu einem friedlicheren Miteinander der Völker und womöglich auch der Religionen? Spielt so etwas wie das Völkerrecht noch eine Rolle? Oder gilt ab jetzt nur noch das Recht des Stärkeren?

Das Fasten ist die Zeit der Besinnung auf das Wesentliche. Dazu gehört für mich der Interreligiöse Dialog und das gute Verhältnis von Christen und Muslimen. Beides sind Errungenschaften der letzten Jahrzehnte, die wir als Evangelisch-lutherische Landeskirche entschieden verteidigen und weiter voranbringen werden.

Ich freue mich auf die vielen Begegnungen im Ramadan, die ich schon im Kalender stehen habe. Bitte grüßen Sie die Mitglieder Ihrer Moscheen und Vereine herzlich von mir.“


+++

Hannover, den 18. Februar 2026

Pastor Benjamin Simon-Hinkelmann,
Pressesprecher
der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers
Rote Reihe 6, 30169 Hannover
Telefon: (0511) 1241-399, Mobil: (0172) 23 98461
E-Mail: benjamin.simon-hinkelmann@evlka.de