Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in der Communität Koinonia

Vorwurf der sexualisierten Gewalt im Kontext spiritueller Missbrauch in der evangelischen Communität Koinonia und Geschwisterschaft Koinonia e.V. – Forschungsgruppe der Universität Bremen nimmt Arbeit an Aufarbeitungsstudie auf

In der landeskirchlichen Vereinigung der Communität Koinonia und der Geschwisterschaft Koinonia e.V. haben jungen Frauen institutionelle sexualisierte Gewalt im Zusammenhang mit spirituellem Missbrauch erlebt. Beide geistlichen Vereinigungen sind eigenständig, werden aber von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers gefördert. 
Die Communität Koinonia und die Geschwisterschaft Koinonia e.V. existieren seit etwa 1976 und haben ihren Hauptsitz in Hermannsburg sowie weitere Zweige in Heidelberg und Mahikeng/Südafrika, zeitweise auch in Göttingen und Germerode. 

Im besonderen Fokus der Vorwürfe steht der Gründer der Gemeinschaft Communität Koinonia, Dr. Wolfgang Kubik. Er wurde 1976 in der Landeskirche Hannovers ordiniert, war seit 1977 Pastor der Landeskirche in der Missionsanstalt Hermannsburg und wechselte 1982 mit einer halben Stelle als Oberlandeskirchenrat auch in die Landeskirche Schaumburg-Lippe zur Ausbildung von Pfarrpersonen. Nach der Offenlegung der Vorwürfe musste Dr. Wolfgang Kubik die Communität Koinonia verlassen, alle Ämter in diesem Kontext niederlegen und die Leitung wurde an andere Personen übertragen. In der Landeskirche Schaumburg-Lippe wurde im Jahr 2024 ein förmliches Disziplinarverfahren zu Vorwürfen sexualisierter Gewalt gegenüber mindestens einer minderjährigen Person eingeleitet, aber auf Grund des Todes von Dr. Kubik eingestellt.

Nun wird eine Forschungsgruppe unter der Leitung von Prof. Dr. Gritt Klinkhammer aus dem Arbeitsbereich Empirische Religionsforschung und Theorie der Religion an der Universität Bremen diese Fälle sexualisierter Gewalt wissenschaftlich aufarbeiten. Da es sich bei der Communität Koinonia und der Geschwisterschaft Koinonia e.V. um miteinander verwobene und überregional tätige Gemeinschaften in der EKD handelt, erfolgt die Beauftragung ohne vorgängige Beauftragung durch die URAK (Unabhängige Regionale Aufarbeitungskommission der Evangelischen Kirchen in Niedersachsen und Bremen) und allein durch die Landeskirche Hannovers.

Im Kern der Aufarbeitung stehen folgende Fragen: 

  • Welche Formen und Ausprägungen von „spirituellem Missbrauch“, persönlichem Machtmissbrauch und struktureller Gewalt liegen vor (z.B. sexualisierte Gewalt, Einsatz von ideologischen Zwangs- und Kontrollmitteln, Missachtung der Person, seelische Ausnutzung und Verunsicherung, spirituelle Abhängigkeit)? 
  • Welche institutionellen, ideologischen und sozialen Bedingungen innerhalb der Gemeinschaft haben die Gewalt ermöglicht, begünstigt und verdeckt? 
  • Welche strukturellen Bedingungen außerhalb der Gemeinschaft haben zur Unterstützung und Unsichtbarkeit der Gewalt beigetragen?

Die Forschungsgruppe wird Anfang 2026 ihre Arbeit aufnehmen. An der Erarbeitung des Konzeptes waren Personen beteiligt, die im vorliegenden Kontext sexualisierte Gewalt erfahren haben. Für die Aufarbeitung sind 24 Monate vorgesehen. Den Abschlussbericht übergibt die Forschungsgruppe der Landeskirche, die sich verpflichtet, den vollständigen Bericht mit der Forschungsgruppe innerhalb von 14 Tagen nach Erhalt der Öffentlichkeit vorzustellen und zugänglich zu machen.

„Als Pastorin der hannoverschen Landeskirche und ehemalige Angehörige der Gemeinschaft, erst der Geschwisterschaft und später der Communität, begrüße ich die Aufarbeitung ausdrücklich. Ich hoffe, dass die wissenschaftliche Aufarbeitung größere Klarheit ermöglicht und Lernprozesse für die Zukunft aufzeigt“, sagt Anne Störmer, Pastorin der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, die sich an der Aufarbeitung beteiligt.

Der Präsident des Landeskirchenamtes, Dr. Jens Lehmann, sagt: „Die enge Verbindung von spirituellem Missbrauch und sexualisierter Gewalt ist ein noch nicht ausreichend erforschtes Themengebiet. Dabei zeigt sich auch anhand der bereits vorliegenden Schilderungen betroffener Frauen, wie sehr auch in diesem konkreten Fall spirituell begründete Macht über andere Menschen bis in persönlichste Lebensbereiche hineinragt und zu sexuellem Missbrauch führen kann. Deshalb ist diese jetzt beginnende Studie für uns als Landeskirche Hannovers von besonderer Bedeutung. Ich bin sehr froh, dass die Aufarbeitung um das Wirken von Dr. Wolfgang Kubik jetzt beginnen kann.“

Die wissenschaftliche Leitung der Studie, Prof. Klinkhammer, sieht es dazu als notwendig an, den Blick nicht nur auf die direkt betroffenen Personen zu richten, „vielmehr sind sowohl gruppendynamische sowie strukturelle Begeben- und Gelegenheiten in den Blick zu nehmen, wenn es um die Ermöglichung und Erhaltung von machtvollen Gewaltstrukturen geht.“ Klinkhammer begrüßt, „dass die Landeskirche Hannovers auch ohne dass sexualisierte Gewalt an Minderjährigen hier juristisch anhängig wäre, eine Aufarbeitung anstrebt. Besonders ist auch die Bereitschaft der Gemeinschaft zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt innerhalb ihrer Gemeinschaft positiv hervorzuheben. All das kann zu einer nachhaltigen Vorsorge für die Zukunft führen.“

Weitere Mitglieder Forschungsgruppe sind Dr. habil. Anne Beutter, Lucie Gott und Rosa Lütge, alle von der Universität Bremen, Institut für Religionswissenschaft und Religionspädagogik.

Weitere Informationen und Kontaktmöglichkeit für alle, die einen Beitrag zur Aufarbeitung leisten möchten:

Kontakt zur Forschungsgruppe:
Prof. Dr. Gritt Klinkhammer: klinkhammer@uni-bremen.de

Weitere Informationen erhalten Sie auf der Internetseite der Landeskirche „Prävention Sexualisierter Gewalt“.

Hannover, 02. Februar 2026

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Rebekka Neander
Stellv. Pressesprecherin der
Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers

Rote Reihe 6
30169 Hannover

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Mobil: 0172 7085371
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