Olaf Lies: Der Reformationstag hat eine klare Botschaft

Drei Fragen an Niedersachsens Ministerpräsidenten
Bild: StK, Ole Spata

Vor acht Jahren haben die norddeutschen Bundesländer mit dem Reformationstag einen neuen Feiertag eingeführt. Auch, wenn die Zahl der Kirchenmitglieder aktuell sinkt, war das aus Sicht von Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies eine gute Wahl.

Hannover. Der Reformationstag gehört zu den wenigen gesetzlichen Feiertagen, die in den vergangenen zehn Jahren neu eingeführt wurden. Aus Sicht von Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) hat sich der Tag seitdem mit einer klaren Botschaft etabliert. Hoffnung auf einen weiteren Feiertag machte Lies im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) aber nicht.

2018 haben die Nordländer Niedersachsen, Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein den Reformationstag zum gesetzlichen Feiertag erklärt. Würden Sie eine solche Entscheidung auch heute noch treffen?

Olaf Lies: Ja. Der Reformationstag ist für mich mehr als ein kirchlicher Feiertag. Er wurde von Beginn an nicht als Feiertag der konfessionellen Abgrenzung verstanden, sondern als Tag mit Bedeutung für die gesamte Gesellschaft. Er steht für Werte wie Freiheit, Verantwortung, Mut zur Veränderung und gesellschaftlichen Aufbruch. Diese Themen sind heute genauso aktuell wie 2018.

Mich persönlich erinnert der Reformationstag an den Mut, für eigene Überzeugungen einzustehen und bestehende Verhältnisse kritisch zu hinterfragen. Martin Luther hat mit der Reformation nicht nur die Kirche verändert, sondern auch die Verantwortung des Einzelnen vor Gott betont. Werte wie Gewissensfreiheit, Bildung, Eigenverantwortung und die Bereitschaft zum Dialog prägen unsere Gesellschaft bis heute.

Weiterer Feiertag hat keine Priorität

Die Landesregierung hat in ihrem Koalitionsvertrag von 2022 die Einführung eines weiteren weltlichen gesetzlichen Feiertages verankert. Wie stehen da aktuell die Chancen?

Lies: Vor dem Hintergrund der aktuellen gesellschaftlichen sowie wirtschafts- und arbeitsmarktpolitischen Herausforderungen hat die Einführung eines weiteren gesetzlichen Feiertages derzeit keine übergeordnete Priorität.

Was wurde aus Ihrer Sicht durch den Reformationstag als Feiertag erreicht, wofür steht der Tag heute?

Lies: Der Reformationstag hat sich als Tag etabliert, an dem über Freiheit, die Verantwortung des Einzelnen vor Gott und in der Gesellschaft und den Wert demokratischer Debatten nachgedacht wird. Er erinnert daran, dass Fortschritt oft dort beginnt, wo Menschen Missstände benennen und Veränderungen anstoßen. Damit sendet er auch heute wichtige Impulse für eine offene und lebendige Gesellschaft.

Das Stichwort: Reformationstag

Früher nutzten die Protestanten den Reformationstag zur Abgrenzung gegen Katholiken. Heute dient der Tag zur Selbstbesinnung. In neun Bundesländern ist der Reformationstag ein Feiertag.

Am Reformationstag erinnern Protestanten in aller Welt an die Anfänge der evangelischen Kirche vor rund 500 Jahren. Die vom damaligen Augustinermönch Martin Luther (1483-1546) um den 31. Oktober 1517 von Wittenberg aus verbreiteten 95 Thesen gegen kirchliche Missstände wurden zum Ausgang einer christlichen Erneuerungsbewegung. Während der Gedenktag früher zur Abgrenzung der Protestanten gegen katholische Christen genutzt wurde, wird er inzwischen im Geist der Ökumene gefeiert.

Der Reformationstag wird als Gelegenheit zur evangelischen Selbstbesinnung verstanden. Luther wollte die Kirche zum geistigen Ursprung der Botschaft des Evangeliums zurückführen. Die von ihm geforderten Reformen führten nicht nur zur Gründung der evangelischen Kirche. Auch die römisch-katholische Kirche hat sich seitdem grundlegend reformiert.

Etablierung nach Reformationsjubiläen

Erst 150 Jahre nach der Reformation wurde der 31. Oktober zum Gedenktag. Kurfürst Johann Georg II. von Sachsen setzte den Tag im Jahr 1667 fest. Nach den Reformationsjubiläen 1717 und 1817 etablierte sich das Reformationsfest weiter.

Der Reformationstag ist in allen ostdeutschen Bundesländern außer Berlin gesetzlicher Feiertag. 2018 haben außerdem die norddeutschen Bundesländer Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein den Reformationstag zum Feiertag erklärt. Damit ist der 31. Oktober in neun von 16 Bundesländern arbeitsfrei.

epd Gespräch Niedersachsen-Bremen