Landeskirche Hannovers trauert um den Politologen Prof. Dr. Joachim Perels

Eine männlich gelesene Person mit Brille und längerem grauen Haar.
Bild: HAZ / Martin Steiner

Die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers trauert um den Politologen Prof. Dr. Joachim Perels. Der ehemalige Professor der Universität Hannover und weltweit anerkannte Experte für die Aufarbeitung des Nationalsozialismus ist im Alter von 84 Jahren gestorben. Als Sohn des 1945 hingerichteten Widerstandskämpfers Friedrich Justus Perels widmete er seine wissenschaftliche Arbeit auch der Rolle der Landeskirche in der Zeit des Nationalsozialismus. Als kritischer Begleiter gab er wichtige Impulse für die historische Aufarbeitung.

1995 kritisierte Joachim Perels in einer Beilage zur Zeitschrift „Junge Kirche“ das Selbstbild der Landeskirche Hannovers über die Zeit des Nationalsozialismus, insbesondere die Rolle von Landesbischof August Marahrens. Mit dem damals amtierenden Landesbischof Horst Hirschler stand er darüber in einem kontroversen, aber respektvollen und sachlichen Austausch. Daraus entwickelte sich eine bedeutsame Debatte, die den Blick auf die Geschichte der Landeskirche im Dritten Reich nachhaltig veränderte und differenzierte. Im Oktober 1997 stellte Perels während einer Akademietagung in Loccum fest, die Debatte habe „bei aller Vielfalt der Sichtweisen eine genauere Wahrnehmung und fundiertere Bewertung der Geschichte der Landeskirche im Dritten Reich“ ermöglicht.

Seine kritische Sicht galt dem Verhalten der Landeskirche im Nationalsozialismus, der späteren Selbstdeutung dieser Zeit und der Haltung führender Persönlichkeiten. Innerhalb der Landeskirche wurde diese Kritik ausdrücklich als Bestandteil der eigenen historischen Aufarbeitung verstanden. Das ist ein bleibender Verdienst von Joachim Perels.

Perels gehörte 1995 dem Sonderausschuss der Landessynode „Kirche und Judentum“ an und wirkte an zentralen Publikationen zur Zeitgeschichte der Landeskirche mit. Er war Mitherausgeber der drei Bände „Bewahren ohne Bekennen? Die hannoversche Landeskirche im Nationalsozialismus“ (1996), „Neubeginn nach der NS-Herrschaft? Die hannoversche Landeskirche nach 1945“ (2002) und „Kirche in bewegten Zeiten. Proteste, Reformen und Konflikte in der hannoverschen Landeskirche nach 1968“ (2011).

Ralph Charbonnier, Theologischer Vize-Präsident im Landeskirchenamt Hannover dazu: „Die Landeskirche Hannovers ist Joachim Perels zu tiefem Dank verpflichtet. Seine präzise historische Arbeit und seine unablässige Bereitschaft, auch in einen offenen Diskurs mit den Menschen dieser Kirche zu treten, haben die Aufarbeitung der Rolle der Landeskirche in der Zeit des Nationalsozialismus wesentlich ermöglicht. Seine stets sachliche Würdigung von Andersdenkenden bleibt uns ein Vorbild. Wir vertrauen ihn der Liebe Gottes an und bitten um Trost für alle, die um ihn trauern.“

Rebekka Neander l EMA