Hoffnung, Verlässlichkeit, Identität: 75 Jahre Kirche in Bilshausen

Zwei als Männer lesbare Geistliche in einer vollbesetzten Kirche
Bild: Christian Dolle

Bilshausen. Landesbischof Ralf Meister hat am Sonntag in einem Festgottesdienst anlässlich des 75-jährigen Bestehens der Evangelisch-lutherischen Pauluskirche in Bilshausen (Kirchenkreis Harzer Land) gepredigt. „Vor 75 Jahren hatten wir eine schwere Zeit“, sagte Meister. „Der Krieg hatte viel Leid und Not mit sich gebracht, Menschen lebten in Sorge, auch um diejenigen, von denen sie nicht wussten, ob sie je zurückkommen sollten – und darum, wohin das Leben sie treiben würde.“

Pastor Till Engelmann hatte eingangs deutlich gemacht: „Wir feiern heute nicht nur Erntedank, sondern auch Kirchweih, den Geburtstag der Kirche.“ Als besonderer Gast war deshalb der Landesbischof aus Hannover angereist. Er gedachte in seiner Predigt derer, die diese Kirche – entwickelt als Notkirche vom Architekten Otto Bartning – damals hatten errichten lassen. Sie hätten den Menschen in Bilshausen Hoffnung geschenkt und ihnen eine geistliche Heimat gegeben, so Meister. „Für viele war es damals hier ein Ankommen nach der Flucht, viele aus Schlesien“, sagte er, „eine eigene Kirche schuf Identität.“ Auch, wenn die Konfession nicht trennen, sondern verbinden soll. Das wurde beim Jubiläum auf jeden Fall deutlich, da der katholische Gemeindereferent Thomas Bömeke den Gottesdienst mitgestaltete, ebenso wie die Schola.

Eine als Mann lesbare Person im Talar und mit Bischofskreuz mit einer sehr alten Frau
Bild: Christian Dolle
Landesbischof Ralf Meister mit der 96-jährigen Anni Duits.

„Wir feiern nicht nur 75 Jahre Baugeschichte, sondern Gemeinschaft“, betonte der Landesbischof. Dann fügte er einen weiteren Aspekt im Sinne des Erntedank hinzu: „Wir leben von dem, was andere vor uns getan haben.“ Von dem, was andere gesät, aber auch von dem, was andere in einem Grundgesetz verankert hätten, um Gemeinschaft, eine neue Heimat für heimatlos Gewordene und eine stabile Demokratie zu ermöglichen. Heute müssten wir die Demokratie verteidigen, mahnte er, eine Gesellschaft christlicher Werte, die Menschen in ihrer Mitte aufnimmt und ihnen Heimat und Hoffnung gibt. Es sei so wichtig, mehr Dankbarkeit zu leben und Verlässlichkeit zu bieten als immer nur auf die Sorgen, die es heute wie damals gebe, zu blicken.

Anschließend wurde draußen gemeinsam gefeiert. Für Ralf Meister gab es noch eine besondere Begegnung, denn die 96-jährige Anni Duits erzählte ihm, dass sie schon damals bei der Einweihung der Kirche dabei gewesen ist. Sowas sei auch für einen Landesbischof nicht alltäglich, obwohl er sonst manchmal gar nicht so gerne zu 75-jährigen Kirchenjubiläen komme: „Da spürt man das eigene Alter“, scherzte er, „während ich mich bei Kirchen, die mehrere hundert Jahre alt werden, relativ jung fühlen kann.“

Christian Dolle