Herr Zimmermann, Sie waren Mitglied der 25. und 26. Landessynode, jeweils darin im Ausschuss für Mission und Ökumene. Nun scheiden Sie nach zwölf Jahren aus. Wie blicken Sie auf diese Zeit?
Jörg Zimmermann: Ambivalent. In der 26. Synode waren wir, als wir 2020 begannen, durch Corona in der Arbeit sehr eingeschränkt: Wenn man sich noch nicht kennt, ist arbeiten per Videokonferenz schwierig. Da fehlen dann die kleinen Abstimmungen zwischendurch und das Kennenlernen an sich. In der vorherigen Synode gab es viel mehr Dynamik. Positiv sehe ich, dass viele jüngere Synodale hinzugekommen sind und neue Perspektiven eingebracht haben. Das zweite Prägende war das Auf und Ab im Zukunftsprozess. Über einen sehr langen Zeitraum die Richtung auszuloten, war ein echtes Ringen. Das Arbeiten in der Gruppe mit allen kirchenleitenden Organen war sehr angenehm, aber auch sehr anstrengend, denn es galt, Struktur- und Machtfragen zu verhandeln. Was ich vermissen werde, ist der Aufbau der I:MA (Initiative Missionarische Aufbrüche: ein Förderinstrument, das nachhaltige Projekte ermöglicht, Anm. d. Red.) und die Arbeit im Vergabeausschuss. Da haben wir unheimlich intensiv diskutiert, um am Ende zu einer guten Entscheidung zu kommen. Die Kirche kann eine starke Kraft entfalten, wenn alle ein Ziel verfolgen. Dieses Klima und den produktiven Austausch werde ich vermissen.
Welche Entwicklungen bleiben Ihnen im Kopf?
Zimmermann: In der 25. Synode der große Verfassungsprozess, der die Kirchenstrukturen sehr fortschrittlich beschrieben hat. In der 26. Synode das Finden in die Arbeit hinein, trotz des Scheitern des Zukunftsprozesses I und sein Weitergehen in der Neuauflage. Auf meinen Ausschuss bezogen freut mich, dass wir die internationalen Gemeinden mehr ins Licht ziehen konnten. Es ist vielen nicht bewusst, welche Nöte es dort gibt. Die internationalen Gemeinden wachsen, aber sie haben oft keine Räume, sind teils in Industriegebäuden untergebracht und viele Menschen legen weite Strecken zurück, um zum Gottesdienst zu kommen. Auf der anderen Seite überlegen wir als evangelische Kirche, wie wir Gebäude neu nutzen oder abgeben können. Und auch inhaltlich haben die internationalen Gemeinden viel zu bieten, manche Vorträge öffnen einem wirklich die Augen. Da ist mein Appell immer: Lasst uns die Ökumene mehr mitdenken, da ist noch so viel möglich.
Sehr erfreulich waren auch die Einrichtung und Verstetigung der Friedensorte. Wobei es fast ein bisschen in Vergessenheit geraten ist, dass wir seit 2016 „Kirche auf dem Weg zum gerechten Frieden“ sind. Darauf können wir aber wirklich stolz sein, das hat auch internationale Gäste beeindruckt. Diese Orte sind ein Schatz. Und noch etwas hat hoffentlich Strahlkraft: Die Einrichtung des Studiengangs Interkulturelle Theologie an der Uni Göttingen. Das läuft gerade gut an, es gibt mehr Studieninteressierte als bei der klassischen Theologie.
Sie haben einige Erfolge im Bereich Mission und Ökumene beschrieben - wie beurteilen Sie, wo wir als Landeskirche insgesamt stehen?
Zimmermann: Wir sind recht gut aufgestellt, weil wir ein großes Missionswerk in Hermannsburg haben, das ELM, das hat nicht jede Landeskirche. Da gibt es gut vernetzte Expertinnen und Experten, die tolle Arbeit machen. Wünschen würde ich mir da, dass die Expertise mehr in die Fläche kommt.
Wie sollte es in Bereich Mission und Ökumene weitergehen?
Zimmermann: Es wäre wünschenswert, wenn jede Gemeinde ökumenisch denken würde, darin steckt so viel Potenzial. Mit den Friedensorten und der I:MA sind wir gut aufgestellt, dort sollte weiter Zukunft ausprobiert werden. Generell wünsche ich den neuen Synodalen einen richtig guten Start, dass sie schnell ins Arbeiten kommen, denn sie werden früh weitreichende Entscheidungen treffen müssen.
Was möchten Sie den neuen Synodalen oder Menschen, die Kirche mitgestalten wollen, mitgeben?
Zimmermann: Es lohnt sich, einfach Mut zu haben und etwas zu tun, auch wenn es nicht zu 100 Prozent abgesichert ist. Sie dürfen Vertrauen haben und sollten sich nicht von behäbigen Strukturen abschrecken lassen. Nochmal: Ich freue mich sehr, dass viele junge Menschen dazugekommen sind. Ich denke, sie haben gute Chancen für die Gestaltung der Zukunft unserer Kirche; insgesamt haben wir nicht viel Anlass, depressiv zu sein. Es wird vieles anders, aber nicht unbedingt schlechter.