Lüpertz-Fenster inzwischen komplett aus Spenden finanziert

Marktkirchen-Pastor Blessing: Kunstwerk kommt ohne Kirchensteuern aus
Ein Kirchenfenster

Eigentlich sollte das neue Reformationsfenster in der Marktkirche von Hannover ein Geschenk von Altkanzler Gerhard Schröder werden. Doch wegen des Ukraine-Krieges widmete die Kirche Schröders Spenden um. In die Lücke springen jetzt andere Spender.

Hannover. Das Ende Oktober in der hannoverschen Marktkirche installierte „Reformationsfenster“ des Künstlers Markus Lüpertz ist inzwischen komplett aus Spenden finanziert. Rund ein Dutzend Privatleute, überwiegend aus dem Großraum Hannover, hätten insgesamt 125.000 Euro gespendet, sagte Marktkirchen-Pastor Marc Blessing am Dienstag dem Evangelischen Pressedienst (epd). Damit seien die Herstellungskosten vollständig abgedeckt. Hinzu kämen 83.000 Euro für den Einbau des umstrittenen Fensters und das Schutzglas, die von der Marktkirche bislang aus Rücklagen gedeckt wurden.

Ursprünglich wollte Altbundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) das Kunstwerk der Marktkirche schenken – Anlass war das 500. Reformationsjubiläum 2017. Der Altkanzler hatte dafür bei Unternehmen und Institutionen, wo er Vorträge gehalten hatte, Spenden in sechsstelliger Höhe eingeworben. Nach dem Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine im Februar 2022 widmete die Marktkirche diese Gelder wegen Schröders Nähe zum russischen Präsidenten Wladimir Putin jedoch um. Mit Zustimmung der Spender flossen sie nun in einen Ukraine-Fonds oder wurden zurückgezahlt.

Diese Lücke sei nun durch die neuen Spenden geschlossen, sagte Blessing. Der Pastor betonte, dass keine Kirchensteuern in die Produktion des Fensters geflossen seien. „Wir sind sehr dankbar, dass es eine ganze Reihe großzügiger Spender gegeben hat“, sagte er. „Natürlich würden wir uns freuen, wenn Menschen auch den Einbau durch eine Spende nachträglich unterstützen würden.“ Das rund 13 Meter hohe Buntglasfenster war seit April 2020 nach dem Entwurf von Markus Lüpertz von der Glasmanufaktur Derix im hessischen Taunusstein hergestellt worden.

Nach Angaben des Pastors hat sich das Kunstwerk inzwischen zu einem Besuchermagneten entwickelt. Die Zahl der Besucherinnen und Besucher in der spätmittelalterlichen Backsteinkirche habe sich im November durch das Fenster verdreifacht, und die Zahl der Führungen sei spürbar angestiegen. Viele Menschen und auch Gruppen kämen gezielt, um sich das Reformationsfenster anzuschauen. Deshalb habe die Marktkirche jetzt wieder Ferngläser ausgelegt, damit die Gäste die Glasmotive genau betrachten könnten. Für Interessierte liege auch ein drei Meter großes Holzpuzzle des Fensters bereit.

Das Fenster in der Südfassade der Kirche zeigt eine große weiße Figur, die den Reformator Martin Luther (1483-1546) darstellen soll, dazu Motive zur Reformation. Ins Auge fallen zudem fünf dicke schwarze Fliegen sowie ein Gerippe, die das Böse und die Vergänglichkeit symbolisieren sollen. Während der Entstehungszeit sorgte das Kunstwerk für beträchtliche Querelen und Rechtsstreitigkeiten. Ein Kläger zog bis vor das Oberlandesgericht Celle, um den Einbau zu verhindern, konnte sich damit aber letztlich nicht durchsetzen.

epd Niedersachsen-Bremen