Biografieorientierung statt Zuständigkeitsdenken
Die Landessynode hat sich mit „Denkanstößen zu einer biografieorientierten Arbeit mit Menschen von 0 bis 27 Jahren“ beschäftigt. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie kirchliche Arbeit künftig stärker an den Lebenswegen von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen ausgerichtet und zugleich besser vernetzt werden kann.
Das entsprechende Aktenstück greift Ergebnisse des zweiten „Denkraums“ auf, in dem Vertreter*innen zahlreicher kirchlicher Arbeitsfelder gemeinsam Leitlinien für eine biografieorientierte Arbeit entwickelt haben. Die Arbeit soll sich an den konkreten Lebenssituationen orientieren und Menschen an entscheidenden Stationen ihres Lebens begleiten – von der frühen Kindheit über Schule und Ausbildung bis ins junge Erwachsenenalter. (Darüber hatte die 26. Landessynode auf ihrer letzten Tagung im November 2025 bereits beraten: https://www.landeskirche-hannovers.de/landeskirche/landessynode/archiv/tagungen-archiv/dreizehnte-tagung-der-26-landessynode/berichte/biografieorientierung)
Bei der Vorstellung des Aktenstücks warb Angelika Wiesel (Mentorat für Lehramtsstudierende) für einen grundlegenden Perspektivwechsel. „Ausgangspunkt ist die Überzeugung, dass kirchliche Angebote nicht von Zuständigkeiten und Institutionen her gedacht werden sollten, sondern von den Menschen und ihren Lebensübergängen“, so Wiesel. Bisher gebe es häufig ein „Knäuel von Verantwortlichkeiten“. Die entscheidende Frage sei, wie Kirche Menschen gemeinsam über ihren Lebenslauf hinweg begleiten und ihnen an den verschiedenen Übergängen Anknüpfungspunkte anbieten könne. Kirche müsse dort präsent sein, wo Menschen ihren Alltag verbringen. Als Beispiel nannte Wiesel den schulischen Ganztag. Zugleich müsse die Kirche an solchen Orten ihr eigenes Bildungsverständnis und ihr christliches Profil sichtbar einbringen.
Isabell Schulz-Grave, zuständig für kirchliche Bildungsarbeit, Konfirmandenarbeit und die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen im Landeskirchenamt, hob insbesondere die Bedeutung struktureller und digitaler Vernetzung hervor. Notwendig seien neue digitale Werkzeuge, etwa eine digitale Landkarte zur anlassbezogenen Vernetzung von Akteurinnen und Akteuren, die Angebote und Verantwortliche sichtbar machen und die Zusammenarbeit an gemeinsamen Themen erleichtern soll. Auch eine Plattform, auf der empirische Forschungsdaten gemeinsam genutzt werden könnten, sei wünschenswert. Vernetzung müsse dabei selbst zum Förderziel werden. Wie die künftigen Strukturen konkret aussehen, werde noch entwickelt. Allerdings zeichne sich zunehmend ab, dass ein Kompetenzzentrum, das vorhandene Kompetenzen bündelt und unterschiedliche Arbeitsbereiche miteinander verbindet, eine wichtige Rolle spielen könnte. Die Arbeitsgruppe zur strukturellen Vernetzung arbeite an diesen Fragen weiter. Schulz-Grave betonte, dass sich der Blick auf den Menschen in seiner Lebenswirklichkeit lohne und dass Kirche weiterhin Erfahrungsräume für den christlichen Glauben eröffnen müsse.
In der anschließenden Aussprache dankte Kristin Schneider (Sprengel Lüneburg) allen Beteiligten des Denkraums für ihre Arbeit. Besonders positiv hob sie hervor, dass es gelungen sei, den Ausschuss Junge Menschen frühzeitig und intensiv in den Prozess einzubeziehen.
Hanna Dallmeier (Sprengel Hildesheim-Göttingen) regte an, den Blick über die einzelnen jungen Menschen hinaus zu erweitern. Die Familien müssten stärker mitgedacht und auch in den Formulierungen des Aktenstücks deutlicher berücksichtigt werden.