Eine umfassende religionspädagogische Fachbibliothek, Fortbildungsangebote für Religionslehrkräfte, Entwicklung von Unterrichtsmaterialien sowie die Begleitung und Unterstützung in unterschiedlichen schulischen und kirchlichen Kontexten – das alles bietet die Arbeitsstelle Religionspädagogik (ARO) in Ostfriesland.
Heute haben die Synodalen beraten, ob die ARO weiterhin als eigenständige Einrichtung erhalten bleiben soll.
Ort des Wissens, des Lernens und der Begegnung
„Bibliotheken sind seit jeher Orte des Wissens, des Lernens und der Begegnung“, konstatierte die Vorsitzende des Bildungsausschusses, Friederike Einschenk (Kirchenkreis Wesermünde). Dies treffe auch auf die ARO zu. Gleichzeitig werde es der Einrichtung nicht gerecht, sie allein auf ihre Bibliothek zu reduzieren. Die ARO hat sich vielmehr über viele Jahre zu einem regionalen Kompetenzzentrum für Religionspädagogik entwickelt, das weit über die Bereitstellung von Literatur hinauswirkt . Einschenk verwies auf die enge Zusammenarbeit der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers mit der Evangelisch-reformierten Kirche, die die Arbeitsstelle gemeinsam tragen.
Gerade diese ökumenische Zusammenarbeit hat ein vielfältiges Angebot für Schulen, Kirchengemeinden und kirchliche Mitarbeitende in Ostfriesland ermöglicht. Die ARO hat sich zu einem verlässlichen Kooperationspartner für Lehrkräfte, Pastorinnen und Pastoren sowie haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitende in der Bildungsarbeit entwickelt. Ebenso reagiere die Arbeitsstelle flexibel auf aktuelle Herausforderungen. So hatten Schulen beispielsweise kurzfristig Unterstützung bei Trauerfällen oder anderen belastenden Ereignissen anfordern können. Ebenso hätten Fortbildungen zu Fragen der Demokratiebildung, der Antisemitismusprävention, der Konfirmandenarbeit sowie zu aktuellen ethischen Fragestellungen zum festen Angebot gehört.
Die Vorsitzende hat zudem auf die beeindruckende Resonanz der vergangenen Jahre verwiesen. Allein im Jahr 2025 hätten über 1.300 Teilnehmende die Angebote der ARO wahrgenommen. Diese Zahl hat die hohe Akzeptanz und den tatsächlichen Bedarf der Einrichtung unterstrichen. Religionspädagogische Arbeit lebt von persönlichen Begegnungen und kurzen Wegen. Deshalb braucht sie dezentrale Standorte, die in den Regionen verankert sind.
Synodale würdigen ARO
In der sich anschließenden Aussprache haben die Synodalen die Arbeit der ARO nahezu einhellig gewürdigt. Die Diskussion hat sich weniger auf die Frage konzentriert, ob die Einrichtung fortbestehen solle, sondern vielmehr auf ihre Bedeutung für die zukünftige Struktur religionspädagogischer Arbeit innerhalb der Landeskirche.
Dr. Martin Krarup (Kirchenkreis Buxtehude) nahm die Beratungen zum Anlass, den Blick über die Arbeitsstelle in Ostfriesland hinaus zu richten. Angesichts künftiger Strukturveränderungen sei es sinnvoll, frühzeitig darüber nachzudenken, wie religionspädagogische Standorte insgesamt aufgestellt werden könnten. Dabei stellte er die Frage, ob langfristig größere oder anders organisierte Standorte eine tragfähige Perspektive bieten könnten.
Dr. Kerstin Gäfgen-Track (Landeskirchenamt) griff diesen Gedanken auf und hob zudem die besondere Situation von Schulen und Lehrkräften hervor. Diese stünden gegenwärtig unter erheblichem Druck und benötigten Orte, an denen sie fachliche Unterstützung, Beratung und geistliche Begleitung erfahren könnten. Sie hat die ARO als einen „Segensort“ bezeichnet. Die Arbeitsstelle sei hervorragend in Ostfriesland vernetzt und habe sich über viele Jahre als verlässliche Ansprechpartnerin etabliert. Wenn die Landeskirche dem Fachkräftemangel begegnen und ihre religionspädagogische Arbeit nachhaltig sichern wolle, brauche sie nicht weniger, sondern mindestens drei regionale Standorte.
Dr. Thies Jarecki (Kirchenkreis Skye-Hoya) lenkte den Blick auf die Bedeutung der Fachbibliothek. Gerade in einer zunehmend digitalen Welt bleibe sie ein wichtiger analoger Bildungsort, an dem Materialien, Begegnung und fachlicher Austausch zusammenkämen.
Maximilian Bode (Kirchenkreis Bremerhaven) knüpfte an diese Überlegungen an und unterstrich die bleibende Bedeutung physischer Bibliotheken. Auch wenn digitale Hilfsmittel und Anwendungen Künstlicher Intelligenz zunehmend genutzt würden, könnten sie wissenschaftliche Fachliteratur und persönliche Beratung nicht ersetzen. Bibliotheken seien weit mehr als Orte der Literaturausleihe. Sie entwickelten sich zunehmend zu „dritten Orten“ der Kirche, an denen Menschen unabhängig von Schule, Beruf oder digitalen Medien zusammenkämen, lernten und Gemeinschaft erlebten.
Im Anschluss hat die Landessynode über den Antrag des Bildungsausschusses abgestimmt. Der Antrag des Bildungsausschusses wurde mehrheitlich (52 Ja-Stimmen bei drei Nein-Stimmen und fünf Enthaltungen) angenommen: Die Arbeitsstelle Religionspädagogik Ostfriesland soll im Rahmen der anstehenden Haushaltsberatungen erhalten bleiben.