„Wir sind Handelnde mit eigenem Gewissen“

Eröffnungsgottesdienst der Landessynode thematisiert Schuld und Vergebung
Mehrere Menschen stehen in einer Kirche und feiern Abendmahl.
Bild: Jens Schulze

Mit einem Gottesdienst im DIAKOVERE Henriettenstift, gestaltet von Synodalen aus dem Sprengel Stade, hat am Donnerstag in Hannover die II. Tagung der 27. Landessynode begonnen. Die Predigt, in der es um Schuld und Vergebung ging, hielt die Stader Regionalbischöfin Sabine Preuschoff. Grundlage ihrer Worte waren Verse aus dem Buch des Propheten Micha (Micha 7,18–20). Dort heißt es, dass Gott Sünde vergibt und Schuld erlässt, weil er „Gefallen an Gnade hat“ und an seinem Zorn nicht ewig festhält. 

Vergebung zu erfahren, sei einerseits entlastend, so Preuschoff, bei allem, was in einem Menschenleben misslinge. Aber werde wirklich alles vergeben? Sie denke dabei an unzählige Gewalterfahrungen, die Menschen zu erleiden hätten. Und wie sei es mit der Gewalt, die von Kriegstreibern täglich verübt würde: „Wird wirklich alles vergeben?“

Gott sei zwar ganz anders, als wir Menschen es uns manchmal wünschten, aber er sei durchaus auch zornig. „Unser Tun hat Konsequenzen. Wenn ich andere verletze, wenn ich die Wahrheit verschweige, wenn ich Böses tue – dann werde ich von Gott zur Verantwortung gezogen.“ Doch Gottes Zorn sei kein „launischer Wutanfall“, sondern sein entschiedenes „Nein“ zu allem, was Menschen zerstöre. 

Schuld, Versagen und Verstrickungen sollen ihre Macht verlieren, so die Predigerin, wenn Micha davon spricht, dass Gott Schuld „unter die Füße trete“ und in die „Tiefen des Meeres“ werfe. Vergebung heiße aber nicht vergessen, stellte Preuschoff klar. „Das wäre unerträglich angesichts der Gewalt, des Hasses und des Leides, das Menschen einander zufügen.“ Vergebung heiße vielmehr: „Über einen Abgrund hinweg streckt mir einer die Hand entgegen und sagt: Komm, wir wagen einen neuen Anfang. Ich sehe deine Schuld; aber sie soll nicht länger dein Leben bestimmen.“

Dabei spräche Gott uns aber in unserer Verantwortlichkeit an. „Wir sind keine Marionetten und vollziehen nicht einen vorgefertigten Plan Gottes, sondern wir sind Handelnde mit eigenem Gewissen.“ Was gut für uns sei, habe Micha so beschrieben: Gottes Wort halten, Liebe üben und Einsicht in die eigene Begrenztheit und Fehlbarkeit haben (Micha 6,8).

Im Gottesdienst wirkten neben Sabine Preuschoff die Synodalen Markus Stamme, Maren Rolink, Gabriele Furche, Hilke Ehlers, Martin Krarup und Aaltje-Linnea Lange aus dem Sprengel Stade mit. Die musikalische Gestaltung übernahmen Imke Marks am Klavier und bei der Leitung des Chores sowie Lennart Rübke als Leiter des Posaunenchores.