Grüssing: Landessynodalausschuss „ohne Winterschlaf“

Eine männlich lesbare Person an einem Rednerpult
Bild: Jens Schulze

Der Vorsitzende des Landessynodalausschusses (LSA), Ruben Grüssing (Sprengel Ostfriesland-Ems), hat auf der ersten Tagung der neuen Landessynode den Tätigkeitsbericht des bisherigen Landessynodalausschusses vorgestellt. „Der Ausschuss hatte keinen Winterschlaf“, sagte Grüssing vor der Synode. Seit November habe sich das Gremium mehrfach getroffen, beraten und entschieden. Der Bericht zeige keinen „schmalen Aktenvermerk“, keinen „Aktenfriedhof“, sondern einen „bunten Blumenstrauß an Themen“.

Grüssing erinnerte daran, dass der Tätigkeitsbericht verfassungsrechtlich vorgeschrieben sei. Als vertretendes Organ der Landessynode handele der Ausschuss nicht im luftleeren Raum, sondern im Auftrag und unter der Kontrolle der Synode. In seiner Einbringungsrede konzentrierte sich Grüssing auf drei Beschlüsse und warb dafür, nicht nur auf das „Was“, sondern auch auf das „Warum“ und das „Wohin“ zu schauen.

Erstmals habe der LSA eine neue Regelung der Kirchenkreisordnung anwenden müssen: Er stimmte der Entscheidung des Landeskirchenamtes zu, ein Mitglied einer Kirchenkreissynode aus dem Amt zu entlassen. Das betreffende Mitglied habe an keiner Sitzung teilgenommen, sich nicht abgemeldet und Gesprächsangebote nicht wahrgenommen. „Wo keine Teilnahme erfolgt, findet auch keine Vertretung statt“, sagte Grüssing. Zugleich betonte er, dass es sich um einen Einzelfall handele und die große Mehrheit der Synodalen in den Kirchenkreisen sich mit „Zeit und Herzblut“ engagiere.

Ein zweiter Schwerpunkt war die Gewährung einer Zuwendung in Höhe von 50.000 Euro an den Trägerverein des Friedensortes Gnadenkirche Tidofeld in Norden (Landkreis Aurich) für das Projekt „Boatpeople“. Für die Weiterentwicklung des Ortes seien Fördermittel in Millionenhöhe zugesagt, erläuterte Grüssing. „Und dann sollte dieses Projekt an 50.000 Euro scheitern? Das konnte und durfte aus unserer Sicht nicht sein.“ Der Beschluss stehe exemplarisch für die Frage, wie die Landeskirche mit Investitionen in die Zukunft umgehe. Trotz notwendiger Einsparungen beim Gebäudebestand müsse dort investiert werden können, wo Gemeinden neue Nutzungskonzepte entwickelten und öffentliche Fördermittel einbrächten. „Kirche schafft Raum. Kirche lädt ein“, sagte Grüssing.

Außerdem stellte der Ausschuss die Eckpunkte für die Haushaltsplanung 2027/2028 vor. Zwar erstelle das Landeskirchenamt den Haushaltsentwurf, doch beginne die Verantwortung der Synode schon jetzt. Grüssing rief die Fachausschüsse auf, Prioritäten zu setzen und die Expertise der Oberlandeskirchenräte und Referatsleitungen einzubeziehen. „Haushalt ist nie nur Zahlenwerk. Haushalt ist konkret gewordene Kirchenpolitik“, betonte er. Die endgültige Entscheidung werde die Landessynode auf ihrer dritten Tagung im November treffen.

Zum Abschluss dankte Grüssing allen, die in der vergangenen Wahlperiode für den Landessynodalausschuss tätig waren. Besonders erinnerte er an den langjährigen Vorsitzenden Jörn Surborg, der im vergangenen Jahr nach schwerer Krankheit gestorben war. Dem neuen Ausschuss wünschte Grüssing eine offene und vertrauensvolle Arbeitsatmosphäre – und der Landessynode Mut zur kritischen Prüfung: „Sagen Sie nicht zu allem ‚Ja und Amen‘ – auch wenn wir Kirche sind.“

Die Präsidentin der Landessynode, Wencke Breyer (Sprengel Hannover) dankte ebenfalls den Mitgliedern und stellvertretenden Mitgliedern des Landessynodalausschusses für ihre Arbeit in herausfordernden Zeiten. Gerade während der Corona-Pandemie und bei einer Wahl ins Superintendentenamt habe der Ausschuss große Verantwortung getragen. „Ohne Ihre Weitsicht in den Entscheidungen wäre vieles nicht möglich gewesen“, sagte Breyer.