Mit einem festlichen Gottesdienst in der Marktkirche Hannover ist am Donnerstag, 19. Februar, die I. Tagung der 27. Landessynode der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers eröffnet worden. In dem Gottesdienst führte Landesbischof Ralf Meister die neu gewählten und berufenen Synodalen in ihr Amt ein und nahm ihnen das Gelöbnis ab.
Den Gottesdienst gestalteten neben Landesbischof Ralf Meister der Präsident des Landeskirchenamts, Dr. Jens Lehmann, Regionalbischöfin Sabine Preuschoff (Sprengel Stade), der Vorsitzende des Landessynodalausschusses, Ruben Grüssing, sowie Thomas Och, Leiter der Geschäftsstelle der Landessynode. Für die musikalische Ausgestaltung sorgten Landeskirchenmusikdirektor Benjamin Dippel und Marktkirchenorganist Prof. Ulfert Smidt. Die Marktkirche bot somit den feierlichen Rahmen, in dem die Mitglieder der Landessynode zu Beginn ihrer sechsjährigen Amtszeit öffentlich in ihren Dienst für die Landeskirche genommen wurden.
Predigt über die Frage Jesu
Im Mittelpunkt des Gottesdienstes stand die Predigt von Landesbischof Meister, der die neue Landessynode unter die Frage Jesu aus dem Markusevangelium stellte: „Was willst du, dass ich für dich tun soll?“ (Mk 10,51). Ausgehend von den vielen Fragen Gottes und Jesu in der Bibel beschrieb der Landesbischof das Fragen als Grundbewegung des Glaubens – und als Haltung, die auch die Arbeit der Synode prägen solle. Jesus stelle mehr Fragen, als er beantwortet, so Meister, und eröffne dadurch Räume für Beziehung, Vertrauen und Veränderung.
Anhand der Heilung des blinden Bartimäus (Mk 10,46–52) hob Meister hervor, wie sehr Jesus den einzelnen Menschen mit seiner Not und seiner Sehnsucht in den Mittelpunkt stellt. Bartimäus werfe „die ganze Tragödie seiner Existenz“ in den Ruf nach Erbarmen – und Jesus lasse sich von diesem Ruf erreichen. Die Frage „Was willst du, dass ich für dich tun soll?“ sei daher weit mehr als ein funktionaler Service-Satz; sie sei eine Frage, die Beziehung stifte und den anderen ernst nehme.
Kirche als fragende und hörende Gemeinschaft
Kontrastierend dazu griff der Landesbischof verbreitete Formulierungen digitaler Assistenzsysteme auf – „Wie kann ich dir helfen? So fragt ChatGPT“ – und machte deutlich, dass künstliche Intelligenz zwar beeindruckende Rechenleistungen erbringe, aber keine Beziehung eingehen könne. Die Frage Jesu beginne mit dem „Du“ und stelle damit Würde und Bedürfnis des Gegenübers in den Vordergrund. Eine Kirche, die von dieser Frage Jesu lebe, sei keine Kirche der „Schlauberger“ und fertigen Gewissheiten, sondern eine fragende, einladende und gastfreundliche Kirche.
Meister ermutigte die Synodalen, diese Frage als Grundhaltung kirchlichen Handelns zu übernehmen: „Was willst du, dass ich für dich tun soll?“ könne zur Leitfrage werden für eine Kirche, die segnet, tauft, traut, tröstet, zuhört, betet und singt – nicht aufdrängend, sondern anbietend. Darin liege auch eine missionarische Dimension: Christinnen und Christen seien „unterwegs im Auftrag Gottes“ – „We’re on a mission from God“ –, nicht mit fertigen Antworten, sondern mit einer missionarischen Frage, die auf die Antwort der Menschen wartet.
Zum Auftakt der neuen Amtsperiode stellte Landesbischof Meister die Synodalen damit in einen geistlichen Auftrag: Sie sollen die Kirche nicht in eigener Sache vertreten, sondern als Gesandte, die darauf vertrauen, dass sich Wahrheit im Gespräch ereignet. Die Arbeit der Landessynode – als einem der fünf kirchenleitenden Organe der Landeskirche – stehe unter der Zusage Gottes und unter der Frage Jesu, die den Blick weitet auf die Menschen, ihre Fragen und ihre Hoffnungen.