Herausforderungen und Arbeitsschwerpunkte für die Jahre 2026 bis 2032

Eine männlich lesbare Person an einem Mikrofon
Bild: Jens Schulze

Auf der Landessynode ist der Bericht des Landeskirchenamtes „Anfänge im Glauben“ intensiv beraten worden. Das Papier beschreibt Herausforderungen und Arbeitsschwerpunkte für die Jahre 2026 bis 2032 – und löste eine breite Debatte über Strukturen, Profil und Zukunftsfähigkeit der Kirche aus.

Aktenstück mit „Querschnittscharakter“

Zu Beginn dankte Ruben Grüssing (Sprengel Ostfriesland-Ems) für die Vorarbeiten und beantragte, „das Aktenstück allen Ausschüssen der Landessynode zur Durchsicht zu überweisen“. Zur Begründung führte er aus, das Papier berühre „inhaltlich mehrere Arbeitsbereiche“ und lasse sich „nicht eindeutig einem einzelnen Fachausschuss zuordnen“. Die Themen hätten „Querschnittscharakter“ und beträfen unterschiedliche Verantwortungsfelder. Nur so könne eine „fachlich fundierte und breit abgestimmte Bewertung“ erfolgen und geprüft werden, ob sich daraus konkreter Handlungsbedarf für die 27. Landessynode ergebe. Lars Decker (Sprengel Stade) beantragte ebenfalls aus diesen Gründen, dass auch die Wortbeiträge der Aussprache in die Ausschüsse überwiesen werden.

Kirche als „Player der Zivilgesellschaft“

Unter der Überschrift „Öffentlichkeitsauftrag der Kirche – in Zeiten der Gefährdung von Demokratie und Frieden“ fragte Eduard Hillgert (Sprengel Hildesheim-Göttingen) nach der Einordnung der Sozialraumorientierung: Welche Maßnahmen seien konkret gemeint – und warum werde das Thema unter dem Öffentlichkeitsauftrag verhandelt?

Dr. Ralph Charbonnier (Theologischer Vizepräsident des Landeskirchenamtes) antwortete, es gehe darum, „nach den Interessen der Menschen in einem Sozialraum“ zu fragen und Bedarfe zu ermitteln. Kirche verstehe sich als „Player der Zivilgesellschaft“ und müsse zugleich ihre eigene Identität reflektieren, ohne die „Anschlussfähigkeit für die Gesellschaft“ aus dem Blick zu verlieren. Es sei eine kommunikative Aufgabe, immer neu zu klären, wie kirchliches Handeln in die Gesellschaft hineinwirke.

Harald Schilbock (Sprengel Lüneburg) ergänzte einen praktischen Hinweis: Mit „egis“ stünden bald flächendeckend soziodemografische Daten – einschließlich Milieudaten – für die jeweiligen Verantwortungsbereiche zur Verfügung.

Kita-Trägerschaften: Profil, Finanzierung, Nähe zur Gemeinde

Kontrovers diskutiert wurde die Weiterentwicklung übergemeindlicher Trägermodelle für Kindertagesstätten. Ralph Scheferling (Sprengel Hannover) berichtete von „großem Leid“ in seinem Kirchenkreis. Es gebe den Eindruck, „wer neu ist in der Trägerschaft, bekommt von der Landeskirche weniger Zuschüsse“ – nicht alle Kitas würden gleichbehandelt.

Nicole Strecker (Sprengel Ostfriesland-Ems) fragte, wie in größeren Trägerstrukturen das evangelische Profil gesichert werde. Zudem müsse geklärt werden, wie die Finanzierung religionspädagogischer Fachberatung und von Präventionsbeauftragten im Kinderschutz langfristig gesichert werde. 

Hans-Joachim Lenke (verantwortlich für Diakonie im Landeskirchenamt) betonte in seiner Reaktion, man wolle „die Nähe zwischen Kirchengemeinde und Kita auch bei den Verträgen“ sichern. Größere Strukturen könnten Verwaltung erleichtern und Personalsteuerung verbessern. Das Diakonische Werk habe eine Trägerevaluation vorgenommen, aus der nun Konsequenzen gezogen würden. Man habe es mit „unterschiedlichen Trägervermögen“ zu tun; das Finanzierungssystem müsse weiterentwickelt werden.

Mehr Beteiligung für Kinder 

Zum Berichtsabschnitt „Denkraum und Kompetenznetzwerk für Bildung, junge Menschen und Familien“ fragte Hanna Dallmeier (Sprengel Hildesheim-Göttingen), wie die Partizipation von Kindern konkret ermöglicht werden könne. Ihr Antrag wurde von den Synodalen Franziska Baden (Sprengel Lüneburg) und Eduard Hillgert (Sprengel Hildesheim-Göttingen) zugespitzt und umfasst schließlich den Auftrag an das Landeskirchenamt und die zuständigen Stellen für die Arbeit mit Kindern und Kindergottesdienst (Landesjugendpfarramt, Michaeliskloster und Ausschuss Junge Menschen) zu prüfen, wie die Partizipation von Kindern in der Landeskirche gestärkt werden könne und welches Format sich dafür eigne.

Nachdem der Synodale Lars Decker (Sprengel Stade) beantragte, die Besprechung dieses Antrages nicht im Plenum, sondern im Ausschuss zu beraten, entstand laut Max Bode (Sprengel Stade) „die erste Grundsatzdebatte in dieser neuen Landessynode“. Christine Rinne (Sprengel Hannover) ergänzte: „Im Antrag von Hanna Dallmeier erkenne ich ein strukturelles Problem“. Es sei sinnvoll auf strukturelle Probleme im Plenum hinzuweisen, bevor die Beratungen dazu im Ausschuss aufgenommen werden.

Prävention sexualisierter Gewalt: Klarheit in Sachen Führungszeugnis

Breiten Raum nahm der Umgang mit sexualisierter Gewalt ein. Daniel Thomas Purmann (Sprengel Hildesheim-Göttingen) sprach von „viel Verwirrung“ an der Basis im Blick auf die letzte Rundverfügung zu erweiterten Führungszeugnissen und fragte, wann nun ein abschließender Sachstand kommuniziert werde.

Kristin Schneider (Sprengel Lüneburg) berichtete von Unsicherheiten bei den Präventionsschulungen; manche sprächen bereits von Auffrischungskursen, während andere noch gar nicht geschult wurden. Wenn Unklarheit bleibe, drohe das Thema zu einem „Unlustthema“ zu werden – das halte sie „für sehr schwierig“.

Dr. Jens Lehmann (Präsident des Landeskirchenamtes) stellte klar: Verpflichtungen zur Vorlage des Führungszeugnisses vor allem von Ehrenamtlichen könne es nur dann geben, „wenn es eine gesetzliche Grundlage dafür gibt“. Der kirchliche Ansatz ziele auf alle Mitarbeitenden, Hauptamtliche wie Ehrenamtliche. Dafür müsse jedoch erst eine Rechtsgrundlage geschaffen werden. Ann-Marie Reimann (Sprengel Hannover) wies darauf hin, dass ungeklärt sei, wer genau gemeint sei – „ab 14 oder ab 18 Jahre“ –, die Altersgrenze müsse bedacht werden. Mareike Dee (Fachstelle im Landeskirchenamt) erklärte, derzeit sei die Grenze auf 18 Jahre festgelegt; sie nehme das Thema mit auf EKD-Ebene. Die Zahl der Schulungen für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren sei erhöht worden, Auffrischungsschulungen würden bereits mitgedacht, auch wenn sie noch nicht durchgeführt werden. 

Verwaltung 2030: „Ermöglichung und Subsidiarität“

Zum Prozess „Kirchenverwaltung 2030“ fragte Daniel Thomas Purmann (Sprengel Hildesheim-Göttingen), warum „Anfänge im Glauben“ besonders in diesem Abschnitt des Berichts als elementar verstanden werde. Dr. Thies Jarecki (Sprengel Osnabrück) verwies auf die Zielsetzung einer „Haltung der Ermöglichung und Subsidiarität“. Gemeinden sollten entlastet werden, „indem sie ihre Verantwortung wahrnehmen können – nicht indem ihnen Verantwortung abgenommen wird“.

Dr. Jens Wening (Sprengel Hannover) hob hervor, dass neue digitale Anforderungen – etwa von regionalen Gemeindebüros – mitgedacht werden müssen.

Jens Lehmann formulierte zugespitzt: „Wir können das Evangelium nicht auf die Straße bringen, wenn die Verwaltung nicht funktioniert.“ Verwaltung müsse kirchliche Arbeit ermöglichen; zugleich wolle man Alternativen aufzeigen, wenn Lösungsvorschläge dem Recht widersprächen – im Sinne eines Dienstleistungsgedankens.

Fabian Spier (verantwortlich für Finanzen im Landeskirchenamt) stellte in Aussicht, dass mit der Erleichterungsverordnung die Problematik mit den zurückliegenden Jahresabschlüssen schneller in den Griff zu kriegen sei. Nichtsdestotrotz sei die Leistungsfähigkeit der Verwaltungsämter sehr unterschiedlich. Das Haushaltsrecht sei überarbeitet und vereinfacht worden, gleichwohl bleibe Verwaltung „ein aufwändiges Thema“.

Personalstrategie: „Zahlen sind dramatisch“

In Bezug auf die Personalstrategie des Landeskirchenamtes fragte Ralph Scheferling (Sprengel Hannover), wie genau die „Vernetzung mit dem Ehrenamt“ gemeint sei.

Dr. Ralph Charbonnier erläuterte, dass Ehren- und Hauptamt stärker aufgabenbezogen zusammenzubringen seien, wie etwa bei Lektor*innen und Prädikant*innen.

Anna Kempe (Sprengel Lüneburg) sprach mit Blick auf den Fachkräftemangel von „wirklich dramatischen“ Zahlen und erinnerte außerdem daran, auch Kirchenmusikerinnen und -musiker in den Verkündigungsberufen mitzudenken.

Finanzen und Fundraising

Im Blick auf das Thema Einsparungen erfragte Nicole Strecker (Sprengel Ostfriesland-Ems), wie die Landeskirche sicherstelle, dass Fundraising „nicht nur als Ersatzfinanzierung“ verstanden werde. Die strategische Einordnung zusätzlicher Einnahmequellen bleibe eine zentrale Aufgabe.

Klimaschutz: „Mut zu radikalen Entscheidungen“

Deutlich wurde auch der Handlungsdruck in Sachen Klimaschutz. Dr. Florian Oppermann (Sprengel Hannover) ermahnte: „Die Emissionen müssen unverzüglich runtergefahren werden.“ Das Ziel sei „nicht ambitioniert genug“. Es brauche „Mut zu radikalen Entscheidungen“.

Adalbert Schmidt (verantwortlich für Gebäude im Landeskirchenamt) verwies auf Zeitskalen und Fristen, und erinnerte daran, dass letztes Jahr in der Synode über Verlängerungen diskutiert worden sei, weil vielen das Tempo zu hoch gewesen sei. Das Thema sei „nicht so präsent, wie es sein sollte“ – auch weil die Maßnahmen hohe Investitionen erforderten.

Diskutiert wurde zudem die personelle Ausstattung. Dr. Bettina Siegmund (Sprengel Ostfriesland-Ems) sprach von einer „absoluten Untertreibung“, wenn man von einer Lücke spreche, obwohl eine funktionierende Verschränkung mit der operativen Arbeit des Teams „Umwelt“ in der Evangelischen Agentur offenbar zum Erliegen gekommen sei. Klimaschutz koste Geld, „aber es ist auch gut angelegtes Geld“, so Siegmund. Ralph Charbonnier betonte: „Es ist weiterhin so vorgesehen, dass die neu zu besetzende Stelle eng mit dem Umweltteam zusammenarbeiten soll“.