Die Mitglieder der Landessynode haben Landesbischof Ralf Meister für seinen Bericht gedankt. Sie würdigten seine klaren Worte und geistliche Orientierung. In der anschließenden Aussprache wurde der Bericht als ermutigend, aber auch als herausfordernd aufgenommen. Im Zentrum der Wortmeldungen standen Fragen nach Engagement und Macht, der Einsatz der Kirche für Demokratie und Inklusion sowie der Umgang mit Künstlicher Intelligenz (KI).
Dr. Jens Wening (Sprengel Hannover) griff das biblische Bild der Wüstenwanderung aus dem Bericht auf und verband es mit der Situation vieler Gemeinden. „Wir haben die Erzählung der Wüste und die Erzählung des ‚immer weniger‘.“ Was fehle, sei eine gemeinsame Perspektive: „Was ist eigentlich die Erzählung, die wir für unsere Gemeinden haben? Was ist für uns am Horizont?“ Die Kirche brauche eine positive Vision, die über den Verweis auf Schrumpfung hinausweise.
Deutlich wurde mehrfach die Bedeutung des Ehrenamts hervorgehoben. Harald Schilbock (Sprengel Lüneburg) sprach von einem „großen Schatz“, den die Kirche mit ihrem „bottom-up“ geprägten Ehrenamt für die Zivilgesellschaft bereithalte. Zugleich kritisierte er den Umgang mit der Männerarbeit in der Evangelischen Agentur scharf. Aussagen wie „das Ehrenamt versteht nicht, was wir hier machen“, seien „ein Bild, wie über ehrenamtliches Engagement gesprochen wird“ – und wirkten entmutigend.
Neben der Wertschätzung des Ehrenamts stand auch die Sorge um Machtkonzentration im Raum. Yannick Bode (Sprengel Hannover) warnte vor einer wachsenden Machtkonzentration: Wenn Entscheidungen immer weiter nach oben verlagert und die Regionen immer größer würden, entstehe vor Ort das Gefühl von Einflussverlust. „Dort sinkt auch die Bereitschaft, sich zu engagieren“, sagte Bode und mahnte eine machtsensible Gestaltung von Fusionsprozessen an.
Breiten Raum nahm die Debatte über Demokratie und Rechtsextremismus ein. Hilke Ehlers (Sprengel Stade) begrüßte Meisters klares Wort zur AfD und forderte, Kirche müsse „sichtbar und hörbar“ bleiben. „Wir müssen uns äußern, nicht nur der Bischof, sondern auch wir als Synode“, sagte sie und sprach sich für eine öffentliche Erklärung aus. Cordula Schmid-Waßmuth (Sprengel Hannover) wünschte sich darüber hinaus mehr konkrete Beispiele für bereits bestehende demokratiestärkende Initiativen: „Bitte erzählt uns davon, damit wir nicht im Bekennen stecken bleiben.“
Konkrete Formate benannte Anna Kempe, die auf den sogenannten Welle-Prozess verwies. Dort würden derzeit Schritte zum Umgang mit Populismus erarbeitet – bis hin zu „Handwerkszeug“, Vernetzung und der Klärung roter Linien. Auch Lars Decker (Sprengel Stade) plädierte dafür, Zeit auf einer der nächsten Tagungen zu reservieren, um Unterstützungsstrukturen angesichts anstehender Wahlen gezielt zu beraten.
Einen theologischen Akzent setzte Sophie Amélie Paulig (Sprengel Lüneburg), die Authentizität und Inklusion miteinander verband. Kirche müsse sich immer fragen, „wer unser Gegenüber ist“ – und konsequent von der Einsicht ausgehen: „Jedes Leben ist wichtig.“ Peter Borcholt (Sprengel Hildesheim-Göttingen) stellte dazu einen Antrag vor, der eine umfassende Befassung mit dem Stand der Inklusion und bestehenden Hürden vorsieht.
Kontrovers diskutiert wurde der Abschnitt zur Künstlichen Intelligenz. Thomas Brandes (Sprengel Hildesheim-Göttingen) widersprach der Charakterisierung von KI als Bedrohung. Künstliche Intelligenz sei kein Risiko an sich, sondern ein Werkzeug – entscheidend sei der Umgang damit: „KI ist nicht eine Suchmaschine wie Google und braucht einen anderen Umgang.“
Am Ende der Debatte reagierte Landesbischof Meister dankbar auf die Wortmeldungen. Er räumte ein, positive Dynamiken seien im Bericht zu kurz gekommen, betonte die Notwendigkeit, Demokratie-Initiativen besser zu bündeln, und stimmte einem sachkundigen, geschulten Umgang mit KI zu. Auf die Nachfrage nach dem fehlenden „bischöflichen Halleluja“ verwies er mit Blick auf die aktuelle Passionszeit schmunzelnd auf den Charakter der vorösterlichen Zeit.