Kirche in Faßberg erhält Ersatz für alte NS-Glocke

Nachricht 24. September 2019

Faßberg. Die evangelische Kirchengemeinde Faßberg bei Celle erhält am Sonntag (29. September) einen Ersatz für ihre alte Glocke aus der NS-Zeit. Der Lüneburger Regionalbischof Dieter Rathing werde die neue, 203 Kilogramm schwere Glocke am Michaelistag mit einem Gottesdienst um 17 Uhr der Michaelkirche einweihen, sagte Pastor Michael Köhler am Montag dem epd. Dann werde die neue Glocke auch erstmals erklingen. Die bisherige, bereits abgehängte Glocke stammt aus dem Jahr 1938. Sie ist mit zwei Hakenkreuzen und einem Adler der Luftwaffe versehen. Das hatte für erhebliche Auseinandersetzungen in der Gemeinde gesorgt.

Die Kosten für die rund 10.000 Euro teuere Glocke hat die hannoversche Landeskirche übernommen. "Ich freue mich, dass nun die neue Glocke geweiht und in Gebrauch genommen wird", sagte der Geistliche Vizepräsident des Landeskirchenamtes in Hannover, Arend de Vries. "Sie ist ein gutes Zeichen für die Aufarbeitung der belasteten Geschichte im Ort."

Die NS-Glocke war vor zwei Jahren bei Nachforschungen der Landeskirche entdeckt worden. In der Folge entzündete sich vor Ort ein heftiger Konflikt: Während eine Gruppe die Hakenkreuz-Glocke gegen eine neue austauschen wollte, setze sich eine andere Gruppe dafür ein, die alte Glocke weiter zu nutzen.

Die neue Glocke trage lediglich ein schlichtes christliches Kreuz als Schmuck, sagte Pastor Köhler. Auf eine Inschrift sei verzichtet worden. Die Glocke wurde erst vor einigen Wochen von der Firma Rincker im hessischen Sinn bei Gießen gegossen. Die Glockengießerei fertigte schon Glocken für den Wormser Dom und den Hamburger Michel. 

Die bisherige Glocke wird Köhler zufolge als Mahnmal in der Kirchengemeinde bleiben. Nach dem geplanten Umbau des Gemeindehauses soll für sie ein angemessener Ort gefunden werden, an dem auch ihr geschichtlicher Hintergrund dargestellt wird. "So vermeiden wir, dass sie zu einem Wallfahrtsort für ewig Gestrige wird."

Die heutige Michaelkirche in Faßberg war 1938 als Militärkirche für die deutsche Luftwaffe errichtet worden. Bei den Nachforschungen der Landeskirche tauchte 2017 in Schweringen bei Nienburg noch eine zweite Glocke aus der NS-Zeit mit eingegossenem Hakenkreuz auf. Auch sie sorgte vor Ort für erheblichen Streit.

epd Landesdienst Niedersachsen-Bremen